selber getestet, selbst erreicht (Allgemeines)
Von 100 Meter auf 130 Meter.Ohne die 320 Std. Gehtraining währe ich zu 100% im Rollstuhl.
Hallo Philipp,
ich wünsche Dir von Herzen alles Gute, und dass Du auf Deinem Weg der Besserung weiterhin erfolgreich sein mögest.
Was meine eigenen MS-Erfahrungen anbelangt, hab ich gerade im Vergleich zu Deinen geschilderten den Eindruck, dass wir vollkommen unterschiedliche Erkrankungen haben.
Meine früheste 'Lektion' bestand darin, dass ich mir - schon vor seit heute mehr als dreißig Jahren - als MS-Betroffener jede Art von 'Wettbewerb' und Ehrgeiz abschminken konnte bzw. musste. Ein Training von irgendwas im gewohnten Sinne schien unmöglich geworden!
Und wenn ich's doch wieder mal versuchte, 'in Konkurrenz zu treten' z.B. zu der schwächlich wirkenden Oma, die neben mir im Schwimmbecken ihre Bahnen zog, oder an frühere eigene Leistungen anzuknüpfen nach dem Motto, wenigstens das müsste ich doch eigentlich schaffen...:
Dann erlebte ich eine Leistungsverweigerung meines Körpers par excellence, nichts gelang mir mehr, ich fiel neben der Oma auf der Schwimmbahn nebenan total zurück etc.pp., nicht nur meine Beine wurden immer weicher, sondern der gesamte Körper... schien mir und meinem Gefühl vollkommen zu entgleiten.
Als ob er noch weniger zu mir gehörte als zuvor, also ohne die Gedanken an Leistung, Konkurrenz, Training, 'Verbesserung', was ja immer ein wenig mit 'Zähne zusammenbeißen, reiß Dich zusammen jerry, Augen zu und durch' verbunden war. Ich sah nach und nach ein, 'sowas' schadet mir im Ergebnis.
Die jeweilige Tagesform, meine Stimmung, wie gut ich geschlafen hatte, das Wetter etc. gewannen an Wichtigkeit...
Das führte natürlich nicht dazu, sich hängen zu lassen und nicht mehr zu bewegen!
Aber Erfolge bzw Wohlfühlen zu messen, ob in Metern oder Sekunden, das ging überhaupt nicht mehr. Und es geschahen wundersame Dinge wie dies hier:
Zu Beginn eines mehrwöchigen stationären Aufenthaltes in der Marianne-Strauss-Klinik im Jahre 1999 wurde die mir mögliche Gehstrecke am Rollator gemessen. Sie betrug 135 Meter.
Diese Messung empfand ich insofern als korrekt, als danach bei mir gar nix mehr ging, ich entweder umfiel oder am liebsten an Ort und Stelle eine Nacht geschlafen hätte. Weiß nicht mehr genau...
Nach (3? Oder waren es 4?) Wochen wurde vor Entlassung der Test wiederholt: meine jetzt mögliche Gehstrecke betrug 460 Meter! Und ich hätte ohne Unterbrechung noch weiter gehen können... allerdings war die Zeitvorgabe der Klinik abgelaufen
Diese Verbesserung wurde stolz in meine Krankenakte eingetragen. Was zwischendurch an positiven menschlichen Erfahrungen (die Patientencommunity!!
) und negativen abgelaufen war, würde den Rahmen dieses Postings sprengen. Jedenfalls war dieser Erfolg nicht medikamentöser Behandlung zuzuschreiben - ich hatte keine genommen - und nur zu einem Teil der Physiotherapie.
Wichtiger war meine Stimmung, die Erleichterung, wieder nach Haus zu kommen... da bin ich mir sicher.
LG, jerry