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Grenzen erkennen (Allgemeines)

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Donnerstag, 18.08.2022, 20:47 (vor 40 Tagen) @ Boggy

Das trägt natürlich nicht zu einem entspannteren Leben bei. G. Jakobine


Ich sehe all diese Gefahren genauso oder ähnlich wie Du.
Seit geraumer Zeit beschäftigt mich mein Umgang damit. Ich habe gemerkt, wie oft ich auf entsprechende Nachrichten oder Fernsehberichte mit einem inneren "das darf so nicht sein!" (o.ä.) reagiere, und damit Impulse auftauchen wie "da muß man etwas gegen tun", was dann zwangsläufig zu "ich muß was tun!" geführt hat.

Und da beginnt ein ernstes Problem. Ein Gesundheitsproblem. In so vielen dieser Gefahren-Probleme KANN ich NICHTS tun. Und ich werde mir dessen bewußt! Und ich erlebe in Folge Machtlosigkeits- und Ohnmachtserfahrungen, die meinen gesamten Organismus in eine ungesunde, unheilvolle Verfassung versetzen.

Das geht so nicht. Das schadet mir.

Der wichtigste Schritt für mich war und ist: es wörtlich zu nehmen => ICH KANN DA NICHTS TUN. Da ist etwas außerhalb meiner Reichweite, außerhalb meiner Möglichkeiten.

Ich kann da nichts tun, heißt, daß ich da tatsächlich nichts tun kann. Zu glaubem z.B., ich könne die amerikanische Demokratie vor den antidemokratischen Trumpisten retten, wäre Größenwahn, -WAHN.

Also, ist meine neue kleine Übung, in jedem Gefahrenfall, von dem ich höre, sehe, lese, und der außerhalb meiner Reichweite liegt, mir zu sagen: Da kann ich nichts (für Euch) tun, Das müßt Ihr alleine regeln. Ich kann keine Hilfe sein.

Dann kann ich meine inneren Handlungs-Aufforderungs-Impulse loslassen.
Ich kann nichts tun. Fakt. Zur Kenntnis genommen.

Das hilft mir tatsächlich.

Mir meiner Grenzen bewußt werden, und sie zur Kenntnisnehmen. Es gibt sie, und ich kann nicht über sie hinaus.
Andere können hoffentlich.

-> Ich muß mir bei allen Übeln nicht unnötig Machtlosigkeitserfahrungen erzeugen, wo mein MS-Alltag mich schon genügend damit versorgt.

Und ich denk, genau da ist auch ein akzeptieren der Krankheit, der veränderten Möglichkeiten.

-> Dort, wo ich tatsächlich etwas TUN KANN, tue ich es.
Eben.
Das hast du oben sehr griffig (also zumindest für mich und UWE) beschrieben.

Das Gelassenheitsgebet von Niebuhr, wo ein Christ das formuliert, stand hier schon immer wieder mal im Forum:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Schon Epiktet formulierte das (Ohne Gott):

„Das eine steht in unserer Macht, das andere nicht.

In unserer Macht stehen: Annehmen und Auffassen, Handeln-Wollen, Begehren und Ablehnen – alles, was wir selbst in Gang setzen und zu verantworten haben.

Nicht in unserer Macht stehen: unser Körper, unser Besitz, unser gesellschaftliches Ansehen, unsere Stellung – kurz: alles, was wir selbst nicht in Gang setzen und zu verantworten haben.“ – Epiktet, Handbüchlein der Moral, 1


Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich gemacht.

Gruß
Boggy

Gruss ins Bergkloster, :wink:
wo der Starkregen am Wochenende
hoffentlich keinen Bergrutsch auslöst

Slàinte Mhath

--
das Geheimnis der Medizin besteht darin,
den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht


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