Wenn man ein MS-Forum aufgibt, ... (Allgemeines)
In der Praxis bedeutet das, dass man keinen großen Unterschied macht, ob eine Lähmung, 'nur' eine Gefühlsstörung oder gar nur ein 'stummer' frischer Herd vorliegt, den man zufällig auf einem Kontroll-MRT gefunden hat. In jedem Fall liegt ein frisches entzündliches Geschehen vor, dessen Ausheilung wesentlich davon abhängt, wie rasch es unschädlich gemacht wird.
Im Extrem wird man also auch 'stumme' Herde oder Gefühlsstörungen behandeln und zwar mit hohen Dosen von Cortison, z.B. 1000 md Methylprednisolon intravenös über 3-5 Tage. Ich bin der Ansicht, dass dieses Vorgehen aus mehreren Gründen bedenklich ist.
1. sind die Nebenwirkungen erheblich und zahlreich: innere Unruhe, die einen nicht schlafen lässt, und das Gefühl, 'aufgekratzt' zu sein, das einem nicht nur den Eindruck vermittelt, man könnte Bäume ausreißen (wie ein Doping-Mittel), sondern sich sogar bis zur Manie steigern kann. Dazu kommen ein Heißhunger, ein metallischer Geschmack im Mund und ein Anstieg des Blutzuckers. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang: Magengeschwüre, Thrombosen, Hüftkopfnekrose, Glaukom und nicht zuletzt: das Aufflackern von verdeckten Entzündungen im Körper, weshalb man auch bei Blaseninfekten oder Erkältungen kein Cortison einnehmen darf.
2. Es ist verrückt hoch dosiert! Aberwitzig hoch! Unsere Nebennieren produzieren 20mg Hydrocortison am Tag! Hydrocortison ist also das natürliche Cortison, das auch als Cortisol bezeichnet wird. Seine Wirkstärke wird gleich 1 gesetzt. Bei den künstlichen Cortisonen möchte ich nur das Methylprednisolon mit der 6fachen Wirkstärke erwähnen und das Dexamethason mit der Wirkstärke von 30!
Wenn man also 1000mg Methylprednisolon (Urbason) pro Tag bekommt, dann entspricht das dem 300-fachen der täglichen Produktion der Nebennieren. Ich behaupte, das kann nicht gut sein!
3. Eine große Studie hat gezeigt, dass es im Endeffekt egal ist, ob Sie sich Cortison geben lassen oder nicht. Das ist ungeheuerlich, denn es heißt nichts anderes, als dass die Schäden, die nach einem Schub zurückbleiben, unabhängig davon sind, ob Sie sich haben behandeln lassen oder nicht. Weil dieses Ergebnis so wichtig ist, möchte ich auf diese berühmt-berüchtigte Studie näher eingehen.
...
W.W.
PS: Es tut mit leid, dass ich nicht so schnell schreiben kann. Es braucht alles seine Zeit. Und es tut mir auch leid, wenn es langweilig ist, und den erfahrenen MS-Betroffenen nichts mehr sagt! Aber wir müssen auch Rücksicht auf die Neubetroffenen nehmen, die von vielen Ärzten ins Bockshorn gejagt werden.