Medizingeschichte und Überlieferungslage (Allgemeines)

Karo, (vor 3009 Tagen) @ W.W.

Es geht mir nicht darum, ob ich Recht habe, aber um den Stil, wie man miteinander diskutiert. Ich mache es mir wirklich zur Pflicht, alles zu begründen, was ich sage. Damit meine ich nicht, dass meine Gründe stichhaltig sind, aber man kann sie diskutieren.

Manche sagen, Lidwina (1380-1433) aus dem holländischen Städtchen Schiedam sei die erste geschichtlich dokumentierte MS-Kranke gewesen. Folgendes ist über sie bekannt:

Wer sagt das? Seriöse Medizinhistoriker?

Lidwina von Schidam
Nachdem sie im Alter von 16 Jahren akut erkrankt war, wobei es sich wohl um eine schwere Erkältung, möglicherweise sogar eine Lungenentzündung handelte, wurde sie, als sie sich bereits wieder auf dem Weg der Besserung befand, von Freunden ermuntert, auf einem zugefrorenen Kanal Schlittschuh zu laufen. [...] Lidwinas Krankengeschichte ist so untypisch für eine MS, dass durchaus Zweifel an der Diagnose angemeldet werden müssen.

Quellenangabe fehlt.

Die nächste Beschreibung einer MS-verdächtigen Krankengeschichte erfolgte erst vierhundert Jahre später und zwar durch Sir Augustus d´Este, ein illegitimer Enkel von Georg III. von England, der unter rätselhaften Symptomen litt, über die er minutiös Tagebuch führte.

Die Aussage ist in dieser Form falsch, denn wir wissen doch gar nicht, ob die Beschreibung von Sir Auguste d'Este tatsächlich die erste auf Lidwina folgende Beschreibung ist oder ob sie nurmehr diejenige ist, die uns heute als die nächste Beschreibung bekannt ist.

Es ist sehr gut möglich, dass es in unzähligen weiteren Fällen gar keine Aufzeichnungen gab oder dass sie in Kriegen, bei Katastrophen (Brand etc). zerstört wurden oder auch, dass sie die Jahrhunderte überdauert haben, aber noch nicht entdeckt wurden.

Wir wissen nur, dass die Überlieferungslage dürftig ist. Und aus einer dürftigen Überlieferungslage können keine Schlüsse gezogen werden, ob es MS schon bei den alten Ägyptern gab oder erst seit der Entwicklung der Dampfmaschine bzw. des Telefons.

Überdies gilt das alles sowieso nur für schwere Verlaufsformen der MS. Bei milden Verläufen mit ein bisschen Sensibilitätsstörungen ist wahrscheinlich niemand zum Wanderchirurgikus gegangen.

Die Krankheit begann 1822 mit einem Schleiersehen vor dem rechten Auge. Er war damals 28 Jahre alt. Nach vollständiger Ausheilung der Sehstörung kam es im folgenden Jahr zu Doppelbildern, die sich zwar ebenfalls besserten, aber kurze Zeit später von einer Schwäche in beiden Beinen gefolgt wurden. Danach traten weitere Schübe auf, wobei sich die Ausfälle immer unvollständiger zurückbildeten und zu einer zunehmenden Behinderung führten. Er starb 26 Jahre nach dem ersten Symptom.

Quellenangabe fehlt.

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