P.S. (Allgemeines)

W.W., (vor 3009 Tagen) @ Boggy

Es geht mir nicht darum, ob ich Recht habe, aber um den Stil, wie man miteinander diskutiert. Ich mache es mir wirklich zur Pflicht, alles zu begründen, was ich sage. Damit meine ich nicht, dass meine Gründe stichhaltig sind, aber man kann sie diskutieren.

Manche sagen, Lidwina (1380-1433) aus dem holländischen Städtchen Schiedam sei die erste geschichtlich dokumentierte MS-Kranke gewesen. Folgendes ist über sie bekannt:

Lidwina von Schidam
Nachdem sie im Alter von 16 Jahren akut erkrankt war, wobei es sich wohl um eine schwere Erkältung, möglicherweise sogar eine Lungenentzündung handelte, wurde sie, als sie sich bereits wieder auf dem Weg der Besserung befand, von Freunden ermuntert, auf einem zugefrorenen Kanal Schlittschuh zu laufen. Dabei stürzte sie und zog sich mehrere Rippenbrüche zu. Der Heilungsvorgang verlief schleppend, und man vermutete eine Vereiterung in der betroffenen Partie des Brustkorbs. Unabhängig davon wurde jedoch auch ihr Gehen immer schlechter; schließlich musste sie sogar Krücken benutzen. Außerdem klagte sie über heftige, stechende Schmerzen in ihren Zähnen. Ihr Beichtvater redete ihr ein, sie teile mit ihren Schmerzen das Leiden Christi, sodass sie schließlich auch selbst überzeugt war, von Gott berufen zu sein, die Schmerzen für die Sünden ihrer Mitmenschen auf sich zu nehmen. Sie verstärkte sogar ihr Leiden, indem sie unter anderem auf ihr Daunenbett verzichtete und auf einer Pritsche schlief. Im weiteren Verlauf erblindete sie auf einem Auge, der rechte Arm und die Hand wurden schwach, und es traten wohl auch wechselnde Gefühlsstörungen auf. Obwohl es immer wieder zu vorübergehenden Besserungen kam, schritt der Krankheitsprozess langsam fort bis sie nach drei Jahren ihre Gehfähigkeit völlig verloren hatte, bettlägerig wurde und zunehmende Schluckstörungen entwickelte.
Ihr Körper soll mit Geschwüren übersät gewesen sein. Als sie 27 Jahre alt war, traten ekstatische Zustände auf, und sie hatte Visionen, in denen sie Christus auf seinem Leidensweg begleitete, das Fegefeuer sah und im Himmel Unterredungen mit Propheten und Heiligen führte. Noch während ihres Lebens entstand ein Kult um sie, obwohl es auch kritische Stimmen gab, die sie für eine Hypochonderin hielten. Sie starb nach 37jährigem Leiden, und es wurde erzählt, sie habe in den letzten sieben Jahren ihres Lebens nicht mehr geschlafen und nur noch die Oblaten beim Abendmahl zu sich nehmen können. 1890 wurde sie heiliggesprochen. Lidwinas Krankengeschichte ist so untypisch für eine MS, dass durchaus Zweifel an der Diagnose angemeldet werden müssen.

Die nächste Beschreibung einer MS-verdächtigen Krankengeschichte erfolgte erst vierhundert Jahre später und zwar durch Sir Augustus d´Este, ein illegitimer Enkel von Georg III. von England, der unter rätselhaften Symptomen litt, über die er minutiös Tagebuch führte.

Die Krankheit begann 1822 mit einem Schleiersehen vor dem rechten Auge. Er war damals 28 Jahre alt. Nach vollständiger Ausheilung der Sehstörung kam es im folgenden Jahr zu Doppelbildern, die sich zwar ebenfalls besserten, aber kurze Zeit später von einer Schwäche in beiden Beinen gefolgt wurden. Danach traten weitere Schübe auf, wobei sich die Ausfälle immer unvollständiger zurückbildeten und zu einer zunehmenden Behinderung führten. Er starb 26 Jahre nach dem ersten Symptom.

In diesem Fall kann die Diagnose, die damals übrigens noch nicht gestellt werden konnte, als sicher gelten.

W.W.

PS: Es ist mir sehr wichtig, Gründe dafr anzuführen, warum man etwas sagt! Warum man also z.B. annimmt, dass 2+2 nicht gleich 4 sind.

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