Michalsen: Ist die MS eine Zivilisationskrankheit? (Allgemeines)
Michalsen ist Kardiologe. Er leitet eine Klinik in Berlin, in der chronisch Kranke behandelt werden.
In seinem Buch "Heilen mit der Kraft der Natur", das im letzten Jahr erschienen ist, widmet er sich der richtigen Ernährung knapp 100 Seiten. Sein Credo: "Es ist unsinnig, sich schlecht zu ernähren und dann eine Tablette gegen die Beschwerden einzuwerfen."
Ich habe gerade im Café den STERN-Artikel über ihn gelesen und muss ihm in vielerlei Hinsicht zustimmen. Allerdings überrascht es mich, dass ich dafür angegriffen werde, weil ich den Begriff "Zivilisationskrankheit" benutzt habe.
Tatsächlich ist die MS für mich möglicherweise eine Zivilisationskrankheit, egal ob sie auf einer zivilisationsbedingt minderwertigen Ernährung beruht (viel Konserven, viel Fleisch, viel Zucker, wenig frisches Gemüse...) oder ob sie etwas mit der Hektik in "modern times" zu tun hat.
Ich glaube, es ist eher Letzteres, während Andreas Michalsen wohl eher auf die Ernährung setzt. Ich weiß nicht, wer Recht hat und ob überhaupt jemand von uns Recht hat, aber vielleicht kommt auch vieles zusammen.
Und der Einwand, ich würde nicht begründen, was ich meine, wenn ich von einer Krankheit spreche, die man lieber erträgt, als bekämpft?! Ich habe mich selbst gefragt, ob es so etwas geben könnte, weil es absurd erscheint. Mir ist dann das Beispiel "Adipositas" eingefallen, und das Übergewicht trifft ziemlich genau das, was ich meine.
Ich muss übrigens Faxe danken, denn sie hat den Kern meines Gedankens gut verstanden: Es könnte bequemer sein, krank zu sein, als etwas dagegen zu unternehmen, so wie es bequemer sein könnte, den Wohlstand Deutschlands zu genießen als sich um die Ungerechtigkeit zu kümmern, die in der Welt herrscht.
Wir müssten doch eigentlich gegen die Exporte von minderwertigem Hühnchenfleich vorgehen, das nach Afrika exportiert wird und dort den Landwirten und Verkäufern ihre Lebensgrundlage nimmt.
So meine ich das: Es könnte sein, dass wir lieber diese Ungerechtigkeit ertragen, als etwas dagegen zu tun. Und mit den Rüstungsexporten ist es ähnlich. Unser Wohlstand könnte dazu führen, dass wir uns zwar wohlfühlen, wie sich jemand im Schlaraffenland wohlfühlt, aber immer dicker und kränker wird.
W.W.
W.W.