@Jerry: Danke für deine Antwort! (Allgemeines)
ich mache gar nix gegen meine MS. Ich hab mit ihr zu leben, so wie wir alle… bin ein Genussmensch und hab viel Spaß am Leben.
Keine bestimmte Diät – hab ein paar Sachen ausprobiert, die schwierig wurden durchzuhalten, fühlte mich elend und gab das wieder auf.
Viel frischen Salat (weil ichs mag), neuerdings Smoothies als Topping fürs morgendliche Müsli. Morgens Kaffee, zwischendrin Espresso, abends gern Glas Wein.Krankengymnastik hab ich immer gemacht. Schwimmen draußen und viel Biken im Sommer… genieße dabei die Geschwindigkeit, das Powern, und fühl mich dann gesund.
Mein Draußenschwimmen wird im Winter zum Eisbaden… bin überzeugt, dass mir das gesundheitlich gut tut. Statt Bungee-Springen…! Hat was von Nervenkitzel und Grenzerfahrung – wunderbar, meinen Körper zu spüren wenn ich raussteige und für ein paar Momente mich ganz warm fühle von innen, und mir kein Wind, Schnee oder Regen ‚was anhaben‘ kann.
Im Winter Warmstrampeln und –kurbeln mit dem Motomed statt Biken.
Ich liebe Musik! Hab gern Klavier gespielt, immer weniger Klassik (dafür hatten meine Finger schon in den Neunzigern zu viel ‚Eigenleben‘, waren nicht exakt genug…).
Noch im Jahr 2000 hab ich mich anlässlich eines Aufenthaltes in der Marianne-Strauss-Klinik abends gern mit Mitpatienten verabredet für Klavierabende in einem Raum mit einem etwas ausgeleierten Blüthner-Flügel, den Alleinunterhalter gemacht und gespielt, was mir in den Sinn kam… Dass für sowas die Finger, Hände und mein Rücken nicht mehr ‚wollen‘, ist eine der traurigsten Erfahrungen mit der MS.
Ich glaube, dass ich der geborene Anpasser bin, nicht kämpfe, sondern zurechtkomme… und dabei so viel Spaß habe und genieße wie geht.
Bin dankbar für die guten Zeiten mit meinen Kindern und der Familie, für die lange Zeit der Tätigkeit in meinem Traumberuf. Das bedeutete nicht nur Ablenkung von der MS und Sinnhaftigkeit meines Lebens, sondern wunderbare Erfahrungen, Glück, Genuss.
Mir hilft es sehr, mich in so vielen Momenten sehr lebendig zu fühlen und gesund!
Ich merke schon, dass ich auf eine solche Frage wie Deine ‚nicht viel anzubieten‘ habe…
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jerryP.S.: Medikamente... in den ersten Jahren Korti im Schub, oral und niedrigdosiert. Später Imurek als Dauertherapie abgelehnt, wollte lieber 'Kinder kriegen'. Am Starnberger See (MS-Klinik) Betainterferon abgelehnt. Insofern keine Medis seit 1985.
Hippotherapie... fällt leider derzeit flach, weil Michel (das Pferd) auf seine alten Tage neurotisch wurde und von seiner Herrin in Frührente geschickt wurde... das Ersatzpferd ist noch nicht so weit...
Jerry, danke für deine lange Antwort!
Ich habe den Eindruck, die meisten MS-Betroffenen glauben, ihre Krankheit fest im Griff zu haben (nicht du). Was für ein tragischer Irrtum!!!
Man kann damit leben, eine recht lange Zeit auch sehr gut, aber es wird immer schwieriger, je älter man wird, je stärker die Ausfälle werden und je mehr die Krankheit voranschreitet.
Das ist nicht aufzuhalten! Nicht durch vegetarische oder vegane Ernährung, nicht durch Sport, Biken, Eisbaden, KG, nicht durch Meditation, nicht durch Medikation, nicht durch Vitamine oder sonstwas. So ist leider die bittere Wahrheit! Und über die können nur diejenigen ehrlich berichten, so wie Du (oder auch ich, mag aber nicht), die ihre Diagnose länger als nur ein paar Furzjährchen haben und nicht die Leute, die sich noch ganz fest an ihre Illusionen klammern.
Was mache ich jetzt? Habe mein Leben genossen, so lange es ging, studiert, gearbeitet, geheiratet, mich fortgepflanzt (Produkte sind erwachsen). Jetzt ist vorbei. Ich möchte nicht hilflos sterben, sondern mir selbstständig die Kugel geben!
Bin ansonsten total gesund und wende nur Homöopathie an, aber hab' ja noch nicht einmal ne Erkältung oder Bauchweh! Nur Scheiss-MS!
Allen noch viel Spass hier! Insgesamt so 30 bis 50 Jahre ab Diagnose scheinen erträglich zu sein, oder?