was Behinderte auch sind: nicht leise, nicht angepasst und geduldig... (Allgemeines)
Lieber Jerry, und agno
danke für die mind. 99%. Ich nehme sie nicht vollständig an
, denn ich habe etwas zu pauschal argumentiert. Das war vielleicht wirklich nicht passend. Das tut mir leid. Dich als Kinderarzt a.d. stelle ich mir eher hingabevoll den kleinen Patienten gegenüber vor und verantwortungsvoll. Kinderärzte habe ich immer sehr gemocht. Während ich meinen Text schrieb (direkt in die Maske) hatte ich v.a. Neurologen und Orthopäden im Kopf. Verzeih' mir.
Diese 'unärztlichen' Umgangsgewohnheiten kommen zu oft vor, nur werden sie i.d.R. als gegeben hingenommen und selten hinterfragt.
Natürlich richten sich die meisten neurologischen Fachärzte ganz legitim nach den Leitlinien, die widerum von deren Seite nicht in Frage gestellt werden, ganz besonders schon bei der Diagnosestellung.
Habe die vier Prinzipien des ethischen Handelns in der Medizin (Beauchamp) wiedergefunden, die jetzt die Grundlagen für die Ausführung des Arztberufes sein sollen, basierend auf Hippokrates.
Jedenfalls, so finde ich, fehlt vieles davon in der täglichen Umsetzung.
http://www.ethica-rationalis.org/artikel/die-vier-prinzipien-ethischen-handelns-in-der-...
Kopie aus link:
Selbstbestimmungsrecht des Patienten (respect for autonomy)
Prinzip der Schadensvermeidung (non-maleficence)
Patientenwohl (beneficence )
Soziale Gerechtigkeit (justice)
Punkt 1 ist durch die negative Aufklärung, Angst schüren, Therapiedruck ... schon kaum mehr möglich. (führe es jetzt nicht aus)
Wenn ich den zweiten Punkt betrachte, dann liesse sich auch unendlich vieles darunter an Beispielen anführen. Das beginnt schon mit der übereilten MS-Diagnostik, die als Zieldiagnose anstatt erst ein mal als Ausschlussdiagnose ins Visier genommen wird.
Alles weitere kennen wir ja, inklusive die unendlich vielen Langzeiterkrankten, die keine neurologischen Fachärzte mehr an sich heranlassen wollen ...
... dann kaum raumgebende Leitlinien, die DGN, mangelnde Konsultationszeiten, Vermittlung der Auswegslosigkeit durch ... usw.usf. Dass wir müde davon werden, steht ausser Frage.
Ich habe z.B. vorhin gelesen, dass es für Lyme-NB-Patienten im forgeschrittenen Stadium (ab II) bei der DGN keine Leitlinien zur Diagnostik gibt. Somit werden entsprechende Untersuchungen weder in Betracht gezogen, noch von der Kasse bezahlt. Es gibt also keine chronische Lyme-Borreliose bzw. Neuroborreliose. Aber die MS. Das ist sehr verhängnisvoll und könnte für alle (nicht nur für den Patienten) sehr viel Schaden vermeiden, wenn vor der sogenannten gesicherten MS-Diagnose alles andere sauber ausgeschlossen würde. Das ist in der Regel höchst selten der Fall. Lieber spricht man dem Betroffenen gegenüber von der Krankheit mit den tausend Gesichtern und lässt ihn am Ende damit alleine. Er erhält eine niederschmetternde Diagnose, die er ein Leben lang nicht mehr los wird.
Aber was erzähle ich Dir und allen, die es lesen. Wie oft haben wir schon darüber gesprochen.
Danke für Deinen Post.
Und auch Dir, agno danke.
Liebe Grüsse
Leonie