Abgründe (Allgemeines)
Meine MS ist einfach oft ein Problem, das Probleme schafft, die Lösungen brauchen.
So sieht eine sachliche Formulierung aus, ohne Ideologie.
Lieber Boggy,
ich widerspreche Ihnen ungern. Aber das Sachliche, was Sie beschwören, gibt es doch gar nicht! Sachlich scheint nach Ihrer Auffassung ein Felsbrocken zu sein, gegen den man tritt und einem dann der Fuß wehtut.
Das ist eine merkwürdige Auffassung von der rauen Realität: Kein vernünftiger Mensch würde seine Lebensfreude an angeblichen physikalischen Tatsachen messen. Die Berge und das Meer locken uns in die Ferne, und die Ähren rauschen sacht, so sternklar ist die Nacht.
Ist das wirklich so unverständlich, dass wir die Welt niemals so sehen, wie sie 'wirklich' ist? Das können wir nicht - und seit Kant wissen wir das! Wir können die Welt nur so sehen, wie sie uns in unseren Assoziationen erscheint. Und mit der Krankheit und der MS ist es genau dasselbe.
Wer meint, er habe ein furchtbares Ungeheuer in sich, das fremd ist und wütet wie ein Krebs, der hat eine 'Meinung' über seine MS. Eine Meinung!
Wenn ich ungewollt und bewusstlos über Nacht nach Australien verschleppt würde, würde ich dort vermutlich irgendwie zurechtkommen. gute und schlechte Erfahrungen machen, wertvolle und weniger wertvolle Menschen treffen. Aber wie ich dieses Schicksal meistere, hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, ob mein Bild von Australien 'realistisch' ist. Weil es natürlich nicht 'realistisch' ist! Australien ist - wie die MS - eine Herausforderung.
Ich sage das als jemand, der selbst von einer schweren Krankheit genesen ist, der sehr viel Glück gehabt hat, aber auch immer noch bedroht ist, wie wir alle bedroht sind. Wie sollte ich sonst sprechen? Angst machen? Sagen, wie es ist? Aber das ist es ja gerade: Nur man selbst weiß, wie es ist, und das heißt: Man ist seinen eigenen Schreckensbildern nicht ausgeliefert!
W.W.