Wie verschachtelt ... (Therapien)

W.W., (vor 3455 Tagen) @ motorschiffbesitzer

Ich hoffe, jeder weiß, dass ich ein Freund klarer Worte bin - auch wenn ich mich manchmal zu klar ausdrücke, was ab und zu an Plattheit grenzen soll.:-(

Um es ganz klar zu sagen: Ja, ich glaube, dass die MS eine psychosomatische Krankheit ist, insofern nämlich, dass sie durch seelische Belastungen ausgelöst werden kann.

'Psychosomatisch' deshalb, weil ich glaube, dass anhaltende Stressbelastungen zu einem Ungleichgewicht bei den Hormonen, Neurohormonen und im Immunsystem führt. Ich meine, Stress ist etwas Psychisches, die Hormone sind etwas Somatisches und die MS ist irgendeine Störung in diesem psychosomatischen System.

Weil ich das meine, bin ich überzeugt, dass man, wenn man MS hat, seine Lebenssituation überdenken sollte. Es kann sein, dass man sich in Schwierigkeiten hineinmanövriert hat, in die man sich bei dem Versuch, sich aus dem Spinnennetz zu befreien, immer weiter verstrickt. Dazu braucht man Hilfe.

Auch wenn dieser Zusammenhang in etwa so sein sollte, wie er sich mir darstellt, kann man nicht von Schuld sprechen. Ich benutze lieber den Ausdruck 'Verstrickung', weil man nichts dafür kann, wenn man in ein Spinnennetz fliegt.

(Auch meine ich, dass die Landung in einem Spinnennetz etwas anderes ist, als wenn einem der Himmel auf dem Kopf fällt. Aber das ist ein anderes Thema.)

Jedenfalls braucht man in aller Regel viel Hilfe, um wieder rauszukommen. Da bietet sich die Psychotherapie an. Wenn sie nicht den Haken hätte, dass man es sich in ihr zu bequem machen kann. Tut man das, dann läuft man Gefahr im Unglück zu verharren.

Ich halte also viel von Psychotherapie, weiß aber auch, dass es außerordentlich schwierig ist, den richtigen Psychotherapeuten zu finden. Wie gesagt: Die Gefahr ist, dass man es sich mit der Psychotherapie zu bequem macht. Darum bin ich für eine Kurzpsychotherapie. Denn man muss sich selbst aus dem Sumpf ziehen. Wenn einem ein Psychotherapeut einredet, das Ganze sei so schwierig, dass man monate-, wenn nicht jahrelang wöchentlich die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen muss, dann mag das gut gemeint sein, ist aber auch Ausdruck von Unfähigkeit und Faulheit.

Ein Psychotherapeut kann einem also die Schwierigkeiten aufdecken und einem dem Weg weisen, gehen muss man ihn allerdings alleine. Das kann (und ist) in aller Regel sehr, sehr schwierig. Manchmal sogar unmöglich.

Denn was soll man tun, wenn man z.B. einen Partner hat, der sich totarbeitet, aber nicht auf den grünen Zweig kommt, anfängt zu trinken und in Depressionen fällt. Sollte man sich so schnell wie möglich von ihm trennen? Die Schwiegereltern beseitigen? Sich einen heimlichen Liebhaber anschaffen?

Es gibt nie eine leichte Lösung, so dass man nur mit dem Finger schnipsen muss, oder einem ein Freund oder eine Freundin einen guten Tipp gibt. Denn natürlich hat man sich seinen Partner ja auch ausgesucht, und die Kinder sind auch noch da und wovon soll man leben?

Ja, dazu braucht man oft einen Psychotherapeuten, aber nicht zu lange - und er darf einen nicht behandeln wie ein rohes Ei. (Das mit dem Klavierunterricht war ein schlechtes Beispiel!:-( )

...

Ich schreibe das alles so runter, weil ich (wie so häufig) das Gefühl habe, hier sind Oberkonfusionsräte am Werk, die alles zerreden. Wenn das auch MSBs Eindruck ist, dann gebe ich ihm ausdrücklich Recht!

W.W.

PS: Und Amy irrt sich (wie es ja nicht ganz so selten vorkommt), wenn sie meint, ich wolle nur provozieren. Das will ich möglicherweise auch, um Leute wachzurütteln, aber ich will etwas rüberbringen, was jenseits aller 0815-Botschaft liegt.

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