Über Gott kann man nicht reden! (Straßencafé)

W.W. @, Dienstag, 21.09.2021, 15:58 (vor 26 Tagen)

Am Samstag fahren meine Frau und ich nach Bethel zur Einsegnung unserer Tochter. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, aber meine Frau... Sie meint, das sei unheimlich wichtig und fragt sich, woher Anne wohl das Fromme habe. Von mir sicher nicht! Ich merke, wie verständnislos ich dem Ganzen gegenüberstehe.

Heute morgen beim Joggen sahen wir auf unserem Kurparkteich einen Schwan. Plötzlich gesellte sich eine Ente dazu, die unbemerkt im Ufergebüsch einen alten Apfel angeknabbert hatte. Ich dachte, was denkt dieser kleine Vogel nur neben dem großen Schwan? Ist er voller Bewunderung, weil dieser viel größer ist und einen viel größeren Kopf hat?

Egal, wie es ist, Ente und Schwan werden sich nicht miteinander unterhalten können. Mit den Delphinen ist es ähnlich. Sie haben im Vergleich im Vergleich zu ihrem Körpergewicht ein viel größeres Gehirn als wir - und es ist auch viel raffinierter gefurcht, so dass es noch größer ist, als es erscheint. Auch wir werden nie mit Delphinen kommunizieren können.

Ich glaube, Delphine haben ein so großes Gehirn, nicht weil sie dadurch klüger werden, sondern weil sie unter Wasser mit einer verwirrenden Komplexität von Druckschwankungen konfrontiert werden, die man voneinander differenzieren muss, um sich zurechtzufinden. Sie leben in einer komplizierteren Welt, was ihre Gehirngröße erklärt.

Aber natürlich geht es mir nicht um Enten, Schwäne und Delphine, sondern um unser Verhältnis zu Gott. Wie soll man ihn begreifen? Selbst wenn es ihn gäbe, wäre das unmöglich. Ich dachte an den alten Romantiker Schleiermacher. Er sprach ja vom 'Geschmack für das Unendliche'.

Das scheint es mir viel besser zu treffen, nur wird man darüber nicht sprechen können - so wenig man, wie über den Geschmack eines guten Weins sprechen kann. Das Christentum steht auf verlorenem Posten. Aber das werde ich ja am Wochenende nicht sagen dürfen. Warum auch? Man kann über Gott nicht reden.

W.W.

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agno @, Mittwoch, 22.09.2021, 07:23 (vor 25 Tagen) @ W.W.

Lieber Wolfgang
Anscheinend haben Du und deine Frau ein Weltbild vermittelt, welches nur mit Gott schlüssig wird. Ich würde sagen sei stolz auf deine Tochter. Ab einem gewissen Alter der Kinder, sind kritische Detailfragen unangemessen. Ich empfehle Dir den Wald. Frag eine Eiche nach dem warum.
Das Sache mit Gott ist wie die Basistherapie. Man muss glauben.
Sollte deine Tochter das Gefühl haben bedingungslos angenommen zu sein, dann könnte es sein dass Dir das größte Glück der Erde blüht. Das Du irgendwann deinem Enkel das Fragen erklären kannst.
Gruß agno

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Weiß nicht, woher ich komm, weiß nicht, wie lang ich bleib, weiß nicht, wohin ich geh, mich wundert, dass ich glücklich bin ...

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W.W. @, Mittwoch, 22.09.2021, 07:49 (vor 25 Tagen) @ agno

Das Sache mit Gott ist wie die Basistherapie. Man muss glauben.

Lieber Agno,

nein, nein, nein!!! Der Glaube an die Basistherapie ist möglicherweise ein fälschlicher Glaube, aber der Glaube an Gott ist etwas ganz anderes. Er ist kein Glaube, der sich als falsch herausstellen könnte, sondern eine Überzeugung, die man nicht benennen kann.

Wolfgang

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agno @, Mittwoch, 22.09.2021, 08:00 (vor 25 Tagen) @ W.W.

https://www.lieder.net/lieder/get_text.html?TextId=7949&RF=1

Nunja, wenn man sich den Wahrscheinlichkeiten anvertrauen muss, dann ist die Begrifflichkeit von "falscher Entscheidung" etwas unpassend.
Für meine Vermutung, dass es für ein gutes & heil(end)es Leben, ein entspanntes Urvertrauen braucht, wäre Angst vor falschen Entscheidungen, die ungünstigste Strategie.

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W.W. @, Mittwoch, 22.09.2021, 09:46 (vor 25 Tagen) @ agno

Nunja, wenn man sich den Wahrscheinlichkeiten anvertrauen muss, dann ist die Begrifflichkeit von "falscher Entscheidung" etwas unpassend.

Ich habe gerade die beste Gespenstergeschichte der Welt gelesen ('The Wendigo' von Algernon Blackwood), darin geht es um eine Jagdgesellschaft in Kanada nördlich vom Ontariosee, denen in dieser Waldeinsamkeit fernab von jeder Zivilisation etwas sehr Merkwürdiges passiert.

Das hat nichts mit einem Gespenst zu tun, sondern eher mit einem Geist, der der Natur innewohnt, und einen ergreift wie die kalte Hand des Winters. Sie ist nicht mehr oder weniger wahrscheinlich da, sondern ganz sicher da, aber man kann ihr kein Bild und keinen Namen geben. So wie die Angst in einem dunklen Wald.

'Numinos' wurde das, was nicht benennbar ist, einmal genannt. Es soll auf die Gegenwart des Heiligen hindeuten. Ich kann das natürlich schlecht beurteilen, weil ich ja nicht besonders religiös bin.

Wolfgang

Wir stehen alle wie der Ochse vorm Berg!

W.W. @, Dienstag, 28.09.2021, 15:11 (vor 19 Tagen) @ W.W.

Jetzt - im Nachhinein - gibt mir das Hoffnung, dass wir ja gar nicht so genau wissen, was Gott will. Dazu gibt es kluge Überlegungen, z.B. die von Augustinus, aber auch er erhielt nur eine göttliche Botschaft: "Nimm und lies."

Er schlug die Bibel seiner Mutter auf und das Buch öffnete sich an einer Stelle, die ich leider vergessen habe.

Aber auch die Bibel ist ein menschlich-unvollkommenes Buch voller Widersprüche und Rätsel. Man kann Gottes Wort nicht übersetzen, ebenso wenig wie man den Gesang eines Vogels übersetzen kann, der am Morgen singt.

Für mich ist das eine wertvolle Erkenntnis von diesem Wochenende, dass wir die Zeichen an der Wand deuten müssen wie ein Beethovensches spätes Streichquartett. Das ist kein Absturz in einen x-beliebigen Wunschtraum, sondern es zeichnet sich etwas ab, das man 1. nicht in Worte fassen kann und 2. eng mit einem selbst verbunden ist.

Manchmal braucht man die Worte, um sich selbst besser zu verstehen. Insofern ist die Bibel ein sehr persönliches Buch.

W.W.

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