Feigheit (Allgemeines)
Und ich weiss von meinem letzten Schub in 2009, dass da ein seelischer Overload war. Die Details schreib ich hier nicht rein, das ist eine sehr persönliche Geschichte. Ich weiss aber genau den Moment, als es mir "die Füße wegzog". In den Tagen danach tauchten dann die Doppelbilder auf . . .
Gegen solch einen Glauben, ist Widerspruch da erlaubt?
Ein paar Gedanken:
Jemand glaubt fest daran, dass das Amalgam in seinen Zähnen Ursache ist, der Stress, die falsche Ernährung hat den letzten Schub ausgelöst, das richtige Medikament hat gefehlt und jetzt ist die Ursache gefunden, die Zukunft gerettet und Beruhigung kann wieder eintreten.
Mir sind solche Erzählungen sehr suspekt, ich halte sie auf eine Art für "feige", weil sie das Gefühl nicht halten können, ich bin der MS und möglichen Schüben hilflos ausgeliefert.
Es ist sinnvoll, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich jetzt meine Lebensfreude möglichst hoch halte, kann mich dazu wohl auch zeitweise in einem Forum austauschen, Sport treiben, lecker Essen... - aber die MS "in den Griff bekommen", diese Phantasie, zum gegenwärtigen Zeitpunkt halte ich solche Versuche für ein ständiges Pfeifen im Walde, ich erzähle es überall und immer wieder neu, zermartere mir das Hirn, was könnte noch helfen, gegen solch ein Erdbeben oder Vulkanausbrüche, Gewitter.
Wer die Kraft hat, nichts zu tun, der/die tut oft besser gegen die MS nichts, um sich nicht noch zusätzlich zu schädigen, viel Zeit zu verschwenden, sich Nebenwirkungen zu ersparen, schwört dem Guru ab.
Wer die Stärke und den Mut hat, dem "Damoklesschwert MS" ins Antlitz zu blicken, der hält dem Blick stand, erträgt die eigene Machtlosigkeit stolz.
Dies ist mein Leben. Die MS hat mich schwer erschreckt, geschädigt, sie kann jederzeit wieder zuschlagen. Dies ist mein Leben - ich halte dem stand, bis ich daran oder an was anderem zerbreche.
Man mag einwenden, ich sei damit nur zu feige, mich einer Hoffnung auf Basistherapie, Fortschritt, bestimmten Erzählungen von Ursachen und Kontrolle auszuliefern.
Wer lebensfreudiger im Glauben ist, alles im Griff zu haben, die Ursache zu kennen - was hilfreich ist - ist richtig?
Ich glaube, menschliche Entwicklung, das Leben wird uns lehren, wir alle sind nicht unsterblich, das Leben ist begrenzt, und das macht es auch so besonders. Für eine Zeit dürfen wir an Unsterblichkeit glauben, später auch lernen, nicht alles im Griff zu haben. "Alt" zu werden - ist nunmal nichts für Feiglinge, aber das wissen wohl erst "alte" Menschen?
Stefan
jedoch nie, wie Ballast, abzuwerfen.
LG, jerry




jerry