More than just a song (Therapien)

fRAUb, (vor 3619 Tagen)

Um meine Einstellung zu Psychotherapie und MS zu verdeutlichen, möchte ich nochmal zu "walk" von den Foo- Fighters bei Lettermann und der Geschichte eines Rollentausches zurück kehren.

Man muss, um das zu verstehen, so glaube ich 2 Video- Sequenzen nebeneinander legen:

der erste "smells like Teenspirit" - Auftritt von Nirvana (Kurt Cobain: Gitarre, Gesang; Dave Grohl: Schlagzeug):

https://www.youtube.com/watch?v=2QU7mjrT6aE

und

wie gehabt "learning to walk again" von den Foo- Fighters (Dave Grohl: Gitarre, Gesang; Taylor Hawkins: Schlagzeug:

https://www.youtube.com/watch?v=QNT-e8AwmqU

Es ist nicht nur die äussere Ähnlichkeit von Taylor Hawkins, die der Interpretation eines Rollentauschs Vorschub leistet, auch die Gestik erinnert an alte Zeiten.

Was hat das Psychotherapie zu tun?

Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie scheinen.

Man kann, mit dem entsprechenden Hintergrundwissen, bereits 2 Ebenen in 2 einfachen Liedern erkennen. Das wäre genauso, als wenn man als PsychotherapeutIn erst mal versucht etwas über die Geschichte eines/einer Patientin zu erfahren. Dann, kann man das erst mal verstehen. Wenn man Glück hat, kommt noch eine 3. aber umso wichtigere Ebene hinzu: die Bedeutung für den Patienten/die Patientin.

Wenn man noch viel mehr Glück hat, wird diese sogar noch kommuniziert.

Was ich damit sagen will? Psychotherapie, find' ich gut. Einfach, ist das aber nicht - und immer individuell, wie das Leben selbst. Man braucht Zeit, bestenfalls davon viel, eine Vertrauensebene und man muss verstehen lernen.

Alles andere ist platte Abbügellei.

Ich persönlich, nehme mir heraus diesen Anspruch an eine einigermassen gescheite Psychotherapie zu stellen. Auch oder gerade, weil ich seit vielen Jahren krank bin, und auf krank sein, immer noch keinen bock habe.

Und ich finde: ich habe das Recht dazu.

Und ich finde noch: das ... solltet ihr euch auch (raus-) nehmen!

Liebe Grüße (in der Hoffnung, dass es verständlicher - und nicht komplizierter geworden ist),

fRAUb

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More than just a song

Boggy, (vor 3619 Tagen) @ fRAUb

Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie scheinen.
Was ich damit sagen will? Psychotherapie, find' ich gut. Einfach, ist das aber nicht - und immer individuell, wie das Leben selbst. Man braucht Zeit, bestenfalls davon viel, eine Vertrauensebene und man muss verstehen lernen.

Alles andere ist platte Abbügellei.

Ich persönlich, nehme mir heraus diesen Anspruch an eine einigermassen gescheite Psychotherapie zu stellen. Auch oder gerade, weil ich seit vielen Jahren krank bin, und auf krank sein, immer noch keinen bock habe.
fRAUb

Hallo fRAUb,

ich glaube, Dein Song-Vergleich macht mir "kognitve Schwierigkeiten". ;-)

Aber zur Psychotherapie: Ich glaube, daß eine seriöse Psychotherapie hilfreich sein kann, wenn durch die Krankheit MS auch psychischen Belastungen und psychische Probleme zusätzlich entstehen.
Daß so etwas passieren kann, ist naheliegend bei all den Erschütterungen, die wir im Laufe der Erkrankung bewältigen müssen.

Es gibt seiröse Therapien eines Weges, der sowohl die Kindheit berücksichtigt, ohne sie überzubewerten, und gleichzeitig die Arbeit im Hier und Jetzt, an aktuellen Schwierigkeiten, begeht, z.B. die Gestalttherapie.

Und es gibt Therapien jenseits der Psychoanalyse und deren Ableger, z.B die Verhaltentherapie, und viele dieser Therapien nähern sich respektvoll dem Klienten, und vermeiden es, ihm Interpretationen des Therapeuten aufzudrücken.
Diese Therapien zeichnen sich duch eine phänomenologischen Grundhaltung aus.

So eine Haltung in der Psychotherapie begrüße ich.

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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fRAUb, (vor 3619 Tagen) @ Boggy

Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie scheinen.
Was ich damit sagen will? Psychotherapie, find' ich gut. Einfach, ist das aber nicht - und immer individuell, wie das Leben selbst. Man braucht Zeit, bestenfalls davon viel, eine Vertrauensebene und man muss verstehen lernen.

Alles andere ist platte Abbügellei.

Ich persönlich, nehme mir heraus diesen Anspruch an eine einigermassen gescheite Psychotherapie zu stellen. Auch oder gerade, weil ich seit vielen Jahren krank bin, und auf krank sein, immer noch keinen bock habe.
fRAUb


Hallo fRAUb,

ich glaube, Dein Song-Vergleich macht mir "kognitve Schwierigkeiten". ;-)

Hi Boggy,

kann ich mir vorstellen. Vermutlich verbindest Du etwas anderes mit dem Begriff "Nirvana", als ich.


Aber zur Psychotherapie: Ich glaube, daß eine seriöse Psychotherapie hilfreich sein kann, wenn durch die Krankheit MS auch psychischen Belastungen und psychische Probleme zusätzlich entstehen.

Ich gehe noch einen Schritt weiter. (und behalte außerdem gerne Recht). Warum? Weil es irgendwie logisch ist.

Was? Dass all die Eindrücke, Spuren hinterlassen. All die Freude, all die Trauer, all der Stress, das Glück, die Liebe, die Enttäuschung, die Angst, der Mut... einfach alles was einem in einem Leben begegnen kann und ein Leben ausmacht, hinterlässt Spuren.

Was ist, wenn die MS ein fingerprint ist?

Ein Abdruck dessen, was einem im Leben begegnet ist?

Warum haben dann nicht alle Menschen MS? Weil Menschen unterschiedlich sind?

Daß so etwas passieren kann, ist naheliegend bei all den Erschütterungen, die wir im Laufe der Erkrankung bewältigen müssen.

Es gibt seiröse Therapien eines Weges, der sowohl die Kindheit berücksichtigt, ohne sie überzubewerten, und gleichzeitig die Arbeit im Hier und Jetzt, an aktuellen Schwierigkeiten, begeht, z.B. die Gestalttherapie.

Und es gibt Therapien jenseits der Psychoanalyse und deren Ableger, z.B die Verhaltentherapie, und viele dieser Therapien nähern sich respektvoll dem Klienten, und vermeiden es, ihm Interpretationen des Therapeuten aufzudrücken.
Diese Therapien zeichnen sich duch eine phänomenologischen Grundhaltung aus.

So eine Haltung in der Psychotherapie begrüße ich.

Gruß
Boggy

Ich weiß nicht, ob man unbedingt die Kindheit berücksichtigen muss?! Was ich aber glaube, dass es einen Punkt gibt, irgendwann, in irgendeinem Leben mit MS, der nach Berücksichtigung geradezu schreit. Ich glaube, dass es diesen einen Zeitpunkt gibt, den man nicht übergehen sollte, an dem man vielleicht falsch abbiegt und dann den Weg zurück vielleicht nicht mehr findet (und sei es nur der Zeit geschuldet).

Ich glaube das.

Warum? Weil ein fMRT ansonsten eine völlig unsinnige und überflüssige Angelegenheit wäre und weil Neuroplastizität ansonsten überhaupt nicht möglich wäre.

Ich glaube, dass es einen Weg zurück gibt.

http://www.azlyrics.com/lyrics/foofighters/walk.html

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Boggy, (vor 3619 Tagen) @ fRAUb

Was? Dass all die Eindrücke, Spuren hinterlassen. All die Freude, all die Trauer, all der Stress, das Glück, die Liebe, die Enttäuschung, die Angst, der Mut... einfach alles was einem in einem Leben begegnen kann und ein Leben ausmacht, hinterlässt Spuren.

Ja, das glaube ich auch, aber ich vermute, auf eine andere Weise wie Du.
Ich nenne das "Karma" (und lasse hier mal außer acht, daß es ganz viele verschiedene Definitionen für "Karma" gibt).
Bei mir ist Karma: die Wirkungen unserer Handlungen, und die Wirkungen, die aus den Wirkungen entstehen etc. Und die Wirkungen der Handlungen anderer Menschen, die sich damit vermischen etc.

Insofern hinterlassen wir mit unseren Handlungen (Gedanken, Worte, Taten) ständig Spuren. Alle Handlungen aller Menschen hinterlassen diese Spuren / Wirkungen.

Was ist, wenn die MS ein fingerprint ist?

Ein Abdruck dessen, was einem im Leben begegnet ist?


In gewisser Weise ist die MS so etwas - glaube ich. Aber das ist jede Krankheit. Jede Krankheit ensteht aus ursächlichen Zusammenhängen, in die wir hineingeraten sind oder auch hineingegangen sind. Ich nenne das das "Feld", in dem wir leben.
Wir haben schlichtweg die meisten Faktoren, die das Feld bestimmen, nicht unter Kontrolle, und können daher auch nicht jedem Unheil entgehen.

Warum haben dann nicht alle Menschen MS? Weil Menschen unterschiedlich sind?


Weil kein Mensch in genau dem selben Feld lebt, wie die anderern. Unterschiedliche Feldbedingungen (ursächliche Faktoren) müssen zusammenkommen, damit eine MS-Erkrankung entsteht.

Das alles ist nur meine persönliche kleine Feldtheorie der MS.
Man kann das alles wahrscheinlich auch anders beschreiben.

Ich weiß nicht, ob man unbedingt die Kindheit berücksichtigen muss?! Was ich aber glaube, dass es einen Punkt gibt, irgendwann, in irgendeinem Leben mit MS, der nach Berücksichtigung geradezu schreit. Ich glaube, dass es diesen einen Zeitpunkt gibt, den man nicht übergehen sollte, an dem man vielleicht falsch abbiegt und dann den Weg zurück vielleicht nicht mehr findet (und sei es nur der Zeit geschuldet).

Ich glaube das.
Ich glaube, dass es einen Weg zurück gibt.

Ich verstehe Deinen Standpunkt. Ich finde ihn mutig. Aber ich teile ihn nicht.

Ich glaube nicht, daß es einen Weg zurück gibt, weil ich nicht glaube, daß wir MS-krank sind, weil wir irgendwann in unserem Leben etwas übersehen haben, oder "falsch abgebogen sind".
Ich glaube nicht, daß wir irgendetwas hätten tun können, um der MS zu entgehen.

Was wir tun können, ist, uns um einen guten Weg mit der MS durch unser Leben zu bemühen.

Ich hoffe, es ist in Ordnung, daß ich so deutlich gegen Deine Glaubensüberzeugung schreibe, und meine andere dagegen stelle. Ich spüre durch Deine Zeilen die Kraft, mit der Du dahinter stehst.

Alles Gute auf Deinem Weg, und bei Deiner Suche!

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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More than just a song

Amy, (vor 3619 Tagen) @ fRAUb

Um meine Einstellung zu Psychotherapie und MS zu verdeutlichen, möchte ich nochmal zu "walk" von den Foo- Fighters bei Lettermann und der Geschichte eines Rollentausches zurück kehren.

Man muss, um das zu verstehen, so glaube ich 2 Video- Sequenzen nebeneinander legen:

der erste "smells like Teenspirit" - Auftritt von Nirvana (Kurt Cobain: Gitarre, Gesang; Dave Grohl: Schlagzeug):

https://www.youtube.com/watch?v=2QU7mjrT6aE


hi fRAUBe


thx für diesen genialen Song von Kurt C.


Für mich inzwischen ein Klassiker der neueren Musikgeschichte.

Die Foo-Fighters sind mir persönlich zu harmonisch-angepasst...sozusagen wie Counting Crows für Möchte-Gern-Revoluzzer

;-)


https://www.youtube.com/watch?v=-CIQ4sxq758&list=RD-CIQ4sxq758#t=0

:);-) :-D ;-) :-P

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