vor und hinter MS und EBV - Nachschlag (Allgemeines)

Boggy, (vor 8 Stunden, 44 Minuten)

In der von mir bereits hier erwähnten neuen Ausgabe der dmsg-Zeitschrift "aktiv!" (1/2026) gibt es noch einiges, das ich den Foristinnen und Foristen nicht vorenthalten möchte.
Da ist zunächst der Artikel über die BEHIND-MS-Studie (S. 36 ).
[zur Studie selbst, in Englisch => https://www.behind-ms.eu/en/page/about/ ]

In dem Artikel heißt es u.a. "Wie genau eine EBV-Infektion zur Entwicklung von MS führt ist unklar." Soweit, so erfreulich.
Dann wird gesagt: "Dazu gibt es zwei Hypothesen." Ob es NUR zwei Hypothesen gibt, oder auch noch weitere, wird nicht ausgeführt.
Hypothese 1: "molekulare Mimikry" = Immunzellen verwechseln "fälschlicherweise andere körpereigene Zellen mit EBV-infizierten Zellen" und greifen diese an.
Hypothese 2: eine schädliche Immunreaktion, "die durch eine dauerhafte und nicht gut regulierte EBV-Infektion im Gehirn ausgelöst wird". Diese These, so dieser Artikel, wurde kürzlich von einer Studie um Prof. Tobias Derfuss gestützt.

Bei dieser Studie handelt es sich um Forschung aus Basel durch ein Team um Dr. Nicholas Sanderson und Prof. Dr. Tobias Derfuss veröffentlicht in der Fachzeitschrift «Cell».
=> https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Epstein-Barr-Virus-Multiple-Sklerose...

Auch hierzu gibt es einen Artikel in der dmsg-Zeitschrift (S. 40 f).
Auf der Grundlage von - Zitat aus dem Artikel ! - "sehr eleganten Experimenten in Tiermodellen" (Mäuse) wurde ein Modell entwickelt. Und nun, wieder Zitat: "Das Modell legt nahe, das die Entstehung der MS eine Verkettung von Zufällen darstellen könnte."

Diese Studie wird in der gleichen Ausgabe von Prof. Klemens Ruprecht (Heidelberg) kommentiert:
"Das in der Basler Studie vorgeschlagene Szenario könnte sowohl eine mögliche Erklärung daür darstellen, dass nur wenige EBV-infizierte Menschen MS bekommen, (...)".
Er merkt aber gleichzeitig kritisch an: "Eine von den Autorinnen und Autoren jedoch auch selbst diskutierte Einschränkung der Arbeit ist, dass es bedeutende Unterschiede zwischen den in der Untersuchung benutzen artifiziellen Tiermodellen und der realen Situation beim Menschen gibt.
(...)
Insgesamt verbleibt somit offen, ob der in der Arbeit vorgeschlagene Mechanismus sich zukünftig tatsächlich als 'der' Mechanismus von EBV bei der MS erweisen wird."

Dann folgt das übliche: "Dies ändert jedoch nichts an den erdrückenden Daten, die für eine ursächliche Rolle von EBV bei der MS sprechen." usw. usw. ...
Man weiß, daß ich "ursächlich" für nicht "erdrückend" nachgewiesen halte ...

Gruß
Boggy

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Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Tags:
EBV, Epstein-Barr-Virus

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