WasBei wem brennt's nicht mehr.... (Allgemeines)

W.W., (vor 3667 Tagen) @ agno

Was Sie schreiben überschneidet sich mit dem, was mir meine Tochter heute Morgen geschrieben hat, obwohl es ein ganz anderes Thema ist.

Es ging darum, ob es nicht `typische MS-Krankheitsgeschichten' gäbe? Ob man sie nicht klassifizieren könne, so wie man Menschen in Tierkreiszeichen (Waage, Fisch, Wassermann) oder nach Riemann (hysterisch - depressiv - schizoid - zwanghaft) in Gruppen einordnen kann.

Ich habe das früher auch gedacht, z.B. dass Einzelkinder oft andere Krankheiten bekommen müssten wie Geschwisterkinder, und diese sich in ihrer Krankheitsbereitschaft unterscheiden müssten, je nachdem, ob sie Erstgeborne, Nesthäkchen oder Sandwich-Kinder seien.

Ich glaube, diese Typisierung ist bei der MS nicht möglich, so verführerisch das auch klingen mag. Sie lenkt - glaube ich - auch von der wahren Ursache ab. Die wahre Ursache scheint mir etwas ganz Graues zu sein, also etwas ganz Unauffälliges: Sie ist nichts anderes als eine Überlastung von Nervenbahnen bzw. Axonen.

Wenn Nervenbahnen überlastet werden, dann können sie in Schwierigkeiten kommen, bildlich gesprochen heiß werden und durchglühen. Eine solche umschriebene Störung würde sich wie ein Tintenklecks auf Löschpapier in die Umgebung ausbreiten. und so entsteht ein kreisrunder Herd, der auf den Schnittbildern wie eine runde Scheibe erscheint.

Wie zerstörerisch dieser Herd ist, bemisst sich am Grad der Oligodendrozytenzerstörung im Herd, also daran, ob sie nur geschädigt werden (im Prinzip also regenerierbar) oder mausetot sind. Sind sie völlig demyelinisiert, entsteht aus einem alten Herd eine langsam zunehmender Axonuntergang, z.B. in den schwarzen Löchern.

Ob guter oder böser Stress? Ich meine, es gibt Stress, der ist lebensnotwendig, lebenserhaltend und lebensspendend. Aber es gibt auch schlechten Stress, den man Distress nennt. Er überlastet und überfordert. Aus meiner Sicht ist der Distress etwas, was in der Industriegesellschaft seit dem 19. Jahrhundert zugenommen hat: Hektik, Druck, Existenzangst, ein Leben, mit dem man unzufrieden ist, eine Arbeit, zu der man sich quält.

Insofern halte ich die MS für eine Zivilisationskrankheit.

W.W.

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