Warum wir so häufig 'eigentlich' sagen. (Straßencafé)

W.W. @, Montag, 25.07.2022, 10:25 (vor 15 Tagen)

Ein Freund sagte mir gestern beim Spazierengehen,, als ich in einem Satz das Wort 'eigentlich' gebrauchte, wir sollten es eigentlich gar nicht benutzen, weil es eine Floskel sei. Ich halte das Wort für sehr wichtig, antwortete ich, und möchte eigentlich nicht gerne darauf verzichten.

Gibt es eine Sprachpolizei, die aufpasst, wie wir reden, und wie wir mit unserer Sprache ohne Argumente Weltanschauungen verbreiten?

Ich merke, wie es mir immer schwerer wird, das, was wahr ist, zu begründen. Als gäbe es das, was 'wahr' ist, gar nicht.:confused:

Ich weiß nicht mehr so genau, ob bei der Amtseinführung von Obama oder bei der von Trump mehr Menschen auf dem Kapitol waren. Und wenn jemand behauptet, es sei gut, ein Medikament zu finden, dass Alzheimer-Plaques in unserem Gehirn auflöst oder am Entstehen hindert, dann bin ich gar nicht so sicher, ob er Recht hat, selbst wenn er es mit mikroskopischen Aufnahmen belegt.

Warum bin ich so sicher, dass es ein Kriterium für die Wirksamkeit eines MS-Medikaments ist, wenn es im Gegensatz zu einem Scheinpräparat die Ausbildung neuer MS-Herde reduziert?

Das ptolemäische System ist einleuchtender als das kopernikanische, aber es soll falsch sein.

Auch wenn Alexa etwas behauptet, was dem widerspricht, was mein Freund, der Nahost-Experte ist, sagt, bin ich nicht sicher, wer Recht hat.

Darf ich mir eigentlich überhaupt noch eine Meinung anmaßen?

Ich versuche seit Wochen einen Aufsatz, der 'Der Mythos der Subjektivität' heißt, zu lesen. Und verstehe ihn nicht? Es ist doch ganz klar, dass alles 'subjektiv' ist, wie kann man dann von einem Mythos sprechen?

W.W.


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