die historischen Unterschlagungen im Bereich "Achtsamkeit" (Therapien)

Boggy, (vor 2434 Tagen)

Da Mikkelina wieder einen Artikel zu Thema "Achtsamkeit" verlinkt hat, möchte ich dies zum Anlaß nehmen, etwas zu sagen, was ich schon immer mal sagen wollte. ;-)
:-)
In dem Artikel heißt es nämlich:

"Die Psy­cho­the­ra­pie selbst hat die Poten­tiale der Acht­sam­keit schon länger für sich ent­deckt. In den letz­ten zwan­zig Jahren wurden zahl­rei­che acht­sam­keits­ba­sierte The­ra­pie­for­men ent­wi­ckelt, wie zum Bei­spiel acht­sam­keits­ba­sier­te Ver­hal­tens­the­ra­pie."

Also, diese "neuen Achtsamkeits-bezogenen Psychotherapieformen" behaupten gern, sie hätten etwas Neues in die Psych.th. eingeführt.

Man kann und muß weiter als diese 20 Jahre schauen, und dann entdeckt man z.B. die Gestalttherapie, mit ihren Anfängen bereits in den 40ger Jahren, die "Bewußtheit" (Engl. hier der Ausdruck "awareness") zum wichtigen Bestandteil ihrer Methodik macht.

Zitat Wikipedia:
"Von Beginn an bildet Bewusstheit bzw. Gewahrsein (der englische Ausdruck lautet hier "awareness") ein grundlegendes Element der therapeutischen Theorie und Praxis der Gestalttherapie.
Bereits in diesem Buch werden Übungen entworfen, die die Bewusstheit fördern, und so den therapeutischen Prozess unterstützen. Perls benutzt hier noch den Begriff „Konzentration“ in Ermangelung einer besseren Alternative zu dem Zeitpunkt, und spricht von „Konzentrationstherapie“, um der Bedeutung bewusster Wahrnehmung Rechnung zu tragen. Er setzt sich ausführlich mit dem Begriff „Konzentration“ auseinander und unterscheidet z. B. Interesse, Aufmerksamkeit und „negative Konzentration“, worunter er die Art der Konzentration versteht, die zu einem verengten, angestrengten Blickwinkel führt.[3]

Dies ist besonders für die historische Entwicklung der Psychotherapie erwähnenswert, da der Gestalttherapie damit eine Vorreiterrolle im Erkennen der Bedeutung von Bewusstheit im therapeutischen Prozess zukommt, da gerade in den letzten Jahren das Thema Achtsamkeit, u. a. durch die Arbeiten von Jon Kabat-Zinn einen breiten Raum innerhalb der Diskussion der Wirksamkeit von Psychotherapie eingenommen hat."

Und bereits 1957, beschäftigen sich auch Psychoanalytiker mit möglichen Verbindungen zwischen Zen und Psychoanalyse, hier dokumentiert:
Fromm, E./Suzuki, D.T./de Martino, R. (1960): Zen-Buddhismus und Psychoanalyse.

Ist ja im Grunde nichts dagegen zu sagen, daß Andere auch die "Bewußtheit" oder wie es nun genannt wird: "Achtsamkeit" für sich entedecken,
aber nur der historischen Wahrheit halber, sie sind nicht die Entdecker oder Erfinder, und es ist nicht "neu".

Gruß
Boggy

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Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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