Ätiologie und Pathogenese (Allgemeines)
Ich muss gestehen, dass ich den Unterschied zwischen Ätiologie und Pathogenese nicht genau weiß, und ich will auch keine Zeit verlieren, das umständlich zu erklären. Ein Beispiel mag genügen: Pathogenetisch beruht das Kindbettfieber darauf, dass die Gebärmutter nach der Geburt eine große offene Wunde ist und leicht von Bakterien infiziert wird. Ätiologisch beruht es darauf, dass sich ärztliche Geburtshelfer im 19. Jahrhundert nicht ausreichend die Hände desinfiziert hatten. Dann kam Ignaz Semmelweis und hat mühselig und gegen den Widerstand der Ärzte nachgewiesen, dass es so war, und seitdem stirbt kaum noch eine Frau im Wochenbett.
Und bei der MS? Was gibt es alles für pathogenetische Theorien! Man könnte Bauklötze staunen. Man kann aggressive T-Lymphozyten an ihrem Treiben hindern, indem man ihre Zahl vermindert (Immunsuppressiva) oder sie hemmt, die Lymphknoten zu verlassen
(Fingolimod), die Aktivität von T-Killerzellen verringert, die Tätigkeit von T-Helferzellen fördert oder Einfluss auf Tregs nimmt.
Wie Naseweis immer zu bemerken pflegt: Das sind Tierexperimente, die nicht einfach auf den Menschen zu übertragen sind, und: Further studies are warranted.
Aber wenn wir schon so genau über die Pathogenese der MS Bescheid wissen, wie steht es mit der Ätiologie?
W.W.