Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel (Allgemeines)

Herbie, (vor 3364 Tagen)

Sehr geehrte Frau Merkel,
seit über 20 Jahren bin ich Krankenschwester an der Universitätskilinik in XXX. Absolvierte auch dort meine Ausbildung. Hoch motiviert war ich für diesen Beruf, machte Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen, gab immer mein Bestes. Der Mensch stand stets im Mittelpunkt meines Handelns, die Genesung und Linderung von Schmerzen, Hilfe zur Selbsthilfe war immer mein Berufsmotto. Wahrung der Menschenwürde, trotz oftmals widriger Umstände, war für mich das oberste Gebot.
Die letzten Jahre war das ein Ding der Unmöglichkeit. Patienten sind zu Wirtschaftsfaktoren geworden, sind Fallzahlen und Kostenfaktoren. Menschen sind sie keine mehr, und sie als solche zu behandeln unmöglich. Eine menschenwürdige Arbeit zu verrichten nicht mehr möglich.
Dokumentationen die zur Abrechnung dienen, behindern meine Arbeit und fressen Zeit, die ich früher FÜR die Patienten hatte.
Sie erwähnten vor dem Wahlkampf „Pflegekräfte haben einen härteren Job als ich“, als „Stille Helden“ haben Sie uns bezeichnet.
Still sind wir bisher gewesen da gebe ich Ihnen Recht, ob wir einen härteren Job haben als Sie, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich jedoch beurteilen kann: Das Gesundheitssystem in seiner bestehenden Form behindert meine Arbeit.
Arbeitszeitgesetze werden aufgrund von fehlender Finanzierung der Personalstellen nicht eingehalten. Patienten werden zu früh entlassen, da ihre Finanzierung nicht gewährleistet ist.
Gefährliche Pflege (bedingt durch Personalmangel) bringt jeden an seine noch leistbare Grenze.
Der Nachwuchs bleibt aus, und diejenigen die sich zu dieser Ausbildung entschlossen haben, scheiden viel zu früh aus dem Berufsleben aus, werden während ihrer Ausbildung nur unzureichend betreut und viel zu oft allein gelassen.
Wohl dem, der keine Leistungen im Krankenhaus in Anspruch nehmen muss. Denn jeder Aufenthalt könnte im Moment zur tödlichen Falle werden.
Innerlich gekündigtes Personal, schlecht bezahlte Hilfskräfte mit entsprechender Motivation, überarbeitete und übermüdete Pflegekräfte, die nur noch versuchen, den größten Schaden abzuwenden, sind alltägliche Bilder in jeder Klinik von Deutschland.
Glauben Sie nicht, dass hier endlich eine umfassende Reform nötig ist?
Hier muss eine umfassende Reform auf die Tagesordnung, keine Schnellschüsse und kleinen Nachbesserungen.
Über eine Million Pflegekräfte arbeiten und leiden in Ihrem Land, das Sie regieren. Sie tragen die Verantwortung für jene, die Ihnen das Vertrauen ausgesprochen haben.
Ist Ihnen klar, dass Sie dieses Vertrauen mit Füßen treten?
Wir können Sie nicht wirtschaftlich unterstützen, wir tragen auch nichts zum Bruttoinlandsprodukt bei. ABER: wir versorgen die Schwächsten in unserer Gesellschaft, geben jenen Hilfe und Unterstützung, die krank oder auch alt geworden sind. Das ist IHR Volk, um die wir uns MENSCHENWÜRDIG und PROFESSIONELL kümmern wollen. Also sorgen sie dafür, dass wir auch die nötigen Mittel an die Hand bekommen, um uns nicht täglich strafbar zu machen und mit einem schlechten Gewissen nach Hause gehen.
Mit freundlichen Grüßen

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Wulf-Eberhard, (vor 3364 Tagen) @ Herbie

Wir Kranke sind ein Wirtschaftsfaktor ... und beteiligen uns passiv am Bruttosozialprodukt.
Ist das nicht toll! Wir tun nix und pushen trotzdem die Wirtschaft.
Hilfe, Fürsorge, Betreuung .... IST DAFÜR NICHT DIE kIRCHE ZUSTÄNDIG?

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Wulf-Eberhard, (vor 3364 Tagen) @ Wulf-Eberhard

Ein ernst zunehmender Wirtschaftsfaktor ..., doch ohne jede Lobby .... und so wird sich kaum was ändern .......

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

W.W., (vor 3364 Tagen) @ Herbie

Ich kann dieser Krankenschwester nur Recht geben. Sie bringt die Situation in den Krankenhäusern treffend zum Ausdruck. Ich habe das selbst so erlebt - von der Ärzteseite her.

Insofern ist dem, was sie schreibt, nichts hinzuzufügen. Ich könnte es nicht besser formulieren. Und dennoch: Ich war dabei, wie alles so wurde, wie es jetzt geworden ist. Und ich werde das Gefühl nicht los: Es war kein politisches Versagen, was die Krankenhäuser schlecht gemacht hat, es war unser eigenes. Angefangen bei den Ärzten!

Wir haben uns kaufen und ausspielen lassen und sind schlechte Vorbilder gewesen. Und weil wir schlecht waren, ist alles andere schlecht geworden.

W.W.

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Herbie, (vor 3364 Tagen) @ W.W.

Meine Meinung ist folgende. Krankenhauskonzerne kaufen Krankenhäuser auf. Der Konzern setzt einen BWL'ler an die Krankenhausspitze.

Der konzernabhängige BWL'ler wird hauptsächlich per Bonus entlohnt, je mehr Bares er an die Konzernmutter überweist, desto höher ist sein Bonus.

Dieser BWL'ler saugt das Krankenhaus solange aus, bis das Krankenhaus platt ist, dann verkauft die Konzernmutter das Krankenhaus und der Deal ist abgewickelt.

Um die Dealer mit cash versorgen zu können, muss das Personal und die Patienten ausgesaugt werden.

Wer in diesem Dealerspielchen nicht mitmacht, wird gefeuert und durch einen anderen skrupellosen BWL'ler ersetzt.

Und wenn ich dann die Rechnungen sehe, dann wirkt ein 5 Sterne Hotel wie eine Wochenendlaube als Wellnessurlaub übers Wochenende.

Also Vorsicht, Krankenhäuser können gefährlich sein.

Gruss
Herbert

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Wulf-Eberhard, (vor 3364 Tagen) @ Herbie


Also Vorsicht, Krankenhäuser können gefährlich sein.

Gruss
Herbert

Nicht mehr als ihre Ärzte ......

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3364 Tagen) @ Herbie

Ok ich hab bei einem der Väter der Gesundheitsökonomie studiert. Er hat seine Theorie konsequent bis zum Schluss verfolgt und hat sämtliche lebenserhaltenden abgelehnt.

Vielleicht hätte er einen Perspektivwechsel benötigt. Ich kannte die Birnen die um in rumgeflogen sind...
Wir haben vieles in der Theorie gelernt, was heute viel zu schnell und zu heftig Realität geworden ist.

Dem mit der fehlenden Lobby stimme ich zu. Wir werden als Kranke gesehen unsere anderen Fähigkeiten werden vergessen und ignoroert, dank DMSG und Pharma... Man sehe die Werbung an.

:rocket:

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Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Kabar, (vor 3364 Tagen) @ Herbie

Inhaltlich können wir dem Brief der Krankenschwester aus Ulm
wohl alle
zustimmen!
In der Presse kursierten verschiedene Berichte
von Betriebsversammlungen mit Protesten, Briefen der
Klinikseelsorger etc.

Die hehren Worte des Briefes werden aber nichts nützen bzw. ändern,
denn in der heutigen
Zeit ist mit der Wahrheit nicht gedient.

Zum Wohle aller............ist
wohl die zynischste aller zynischen Statements des Kapitals.

Wenn Du so unmenschlich behandelt wirst, dann kannst Du nur
"zurückschlagen" und zwar nur gemeinsam, auch wenn das Wohl der
PatientenInnen leidet.

Unangekündigte längerfristige Arbeitsniederlegungen sind so ein Mittel.

Menschenskinder,
Piloten und Lokführer haben es doch vorgemacht!


kabar

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