Die Kunst der Sprache in postfaktischen Zeiten. (Allgemeines)

W.W., (vor 3357 Tagen) @ agno

Jutta hatte ihre Sache toll gemacht. Sie brachte die Elefanten zwar nicht ins straucheln, aber erzeugte zumindest deren unsymphatischen Teflon-Sprachstil.

Ich gebe Ihnen Recht, und ich habe mich gewundert, wie gut Jutta ihre Sache gemeistert hat. Sie hätte schmählich unterliegen müssen, wenn man allein daran denkt, wie sie in die 'Elefanten-Runde' hineingeraten ist.

Sie schien mir unerwünscht zu sein (weil man eine promovierte(?) Vertreterin des Patientenbeirats erwartet hatte? Immerhin war sie promoviert, aber es schien ungeheuer schwierig, ihre Meinung hinsichtlich ihrer Zweifel an der Wirksamkeit der Basistherapie zum Ausdruck zu bringen, ohne zum Rohrspatz zu werden. Schließlich wurde sie auf eine mehr oder weniger elegante Art abgewürgt - als ob sie eigetnlich in diesen Kreisen nur geduldet würde.

Und das unsägliche Statement von Nicolaus Köhler: 'Die MS ist x-mal besser zu behandeln als früher.' Wer lässt solche Äußerungen zu? Warum hört man sie so gern und will sie immer wieder hören? Warum wird eine vernünftige Kritikerin wie Jutta zum Rohrspatz? Warum bleiben die Akademiker am liebsten unter sich und sprechen 'unter Experten', die meiner Ansicht nach alle bestochen sind???

Aber es ist verboten zu sagen, dass sie bestochen sind. Es ist ein Tabu. Das ist so, als würde man alle Höflichkeitsregeln brechen. Ärzte und Professoren kann man doch nicht bestechen! Und dass sie Aufwandsentschädigungen bekommen, ist doch ganz normal! Und natürlich kostet es Geld, wenn man solche hochkarätigen Leute für sich gewinnen kann. Aber ist es nicht gut, wenn die Elite des Geldes und die Elite der Wissenschaft zusammenkommen? Was wäre die MS-Forschung ohne Zusammenarbeit zwischen Firmen, Universitäten und Ärzten? Ist das nicht eine Win-win-Situation, gegen die niemand etwas Ernsthaftes einwenden kann?

Vielleicht können wir nur auf eine unsympathische Art pöbeln, aber werden wir nicht auch zu Pöbelern gemacht, die sich einfach nicht richtig zu benehmen wissen? Wie damals die langhaarigen Studenten, die sich gegen ihre Professoren und das Establishment auflehnten? Gibt es ein Establishment in der DMSG? Ist sie ein Selbsthilfeverband? Oder eine Ärztevereinigung, die auch die Interessen der Betroffenen vertritt?

Aber ich muss mich entschuldigen, wenn Herr Köhler keine Gelder von der Pharmaindustrie bekommen haben sollte. Dann hat er wohl nichts anderes getan, als frank und frei seine Meinung als langjähriger Chefarzt der Marianne-Strauß-Klinik zu äußern. Und - ob man will oder nicht - man muss so etwas als ehrenwert bezeichnen, auch wenn ich es als irrtümlich sehe.

W.W.

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