Ich bin über diese Diskussion eher entsetzt! Es ist hier der Eindruck entstanden, manchmal könne es doch gut sein, einen Schub mit Cortison zu behandeln. Vor allem, wenn es sich um einen schweren Schub handele, oder er sich innerhalb einer gewissen Zeit nicht zurückbildet.
Ich habe immer gesagt, dass ich Verständnis dafür habe, wenn sich jemand Cortison geben lassen will, vor allen Dingen, weil es eine Lehrmeinung, die in allen Lehrbüchern vertreten wird.
Ich habe das so geschrieben, aber dennoch war ich anderer Ansicht! Wenn man mir die Pistole auf die Brust setzen und fragen würde, ob Cortison bei einem frischen MS-Schub dazu beträgt, dass sich der Schub besser, also vollständiger zurückbildet, dann muss ich bekennen: Nein, ich glaube das nicht!
Es mag durchaus sein, dass sich ein Schub etwas schneller (dabei geht es um ein paar Tage) unter Cortison zurückbildet, aber völlig unabhängig davon, ob er mit Cortison behandelt wird oder nicht, ist die Vollständigkeit der Rückbildung.
Damit habe ich immer behauptet: Ob etwas von einem Schub zurückbleibt oder nicht, hat nichts mit der Cortisonbehandlung zu tun! Und: Ein Schub bildet sich unter Cortison nicht besser zurück! Hier beziehe ich mich auf die Optcusneuritisstudie von Beck und eine persönliche Auskunft des Leiters einer Universitätsaugenklinik, Prof. Lagréze.
Ich meinte also, ich hätte gute Gründe für diese Annahme, und ich glaubte auch, dass sie sich in den letzten Jahren auch unter Neurologen mehr und mehr durchgesetzt hat, aber jetzt scheint mir in diesem Thread alles über den Haufen geworfen zu sein. Oder habe ich Bennie oder MSB falsch verstanden?
In diesem Thread wird offenkundig die Meinung vertreten, es könne angezeigt sein, einen frischen Schub mit Cortison zu behandeln, weil damit ein Wachstum des Herdes verhindert werden kann. Damit ist die alte Unsicherheit wieder da: Im Zweifel sollte ich es also doch tun!?
Ich bin sehr unglücklich über diese Entwicklung und frage mich, inwieweit ich mich schuldig gemacht habe, indem ich immer von Cortison abgeraten habe. Wenn ich Unrecht hätte, mit welchen Auswirkungen muss ich rechnen!
Dass ich meine Meinung und meine Therapieempfehlung nicht genau genug geprüft habe??! Natürlich könnte ich einen solchen Fehler begangen haben, denn niemand ist fehlerfrei, aber wenn mir das unterlaufen wäre, wäre es fatal.
Mein Ruf als jemand, der etwas von MS versteht, wäre hin! Ich hätte verloren, und dürfte auch niemandem zur Zurückhaltung hinsichtlich der Basistherapie raten.
Ich wäre nicht besser als ein Scharlatan, der es vielleicht gut meint, aber sich schrecklich vertan hat. Ich hatte mich vertan, indem ich in der Opticusneuritisstudie Fehler übersehen habe, was aber nichts daran ändert, dass die 3- bzw. 5-Jahres-Ergebnisse keinen Nutzen der Cortisonbehandlung nachgewiesen hatten. Habe ich wieder etwas übersehen? Wie lange soll diese Täuschung noch weitergehen?
Ich möchte alles tun, um mitzuhelfen, diesen furchtbaren Irrtum aufzuklären, und werde dann Abbitte leisten und nicht weiter in MS-Dingen beraten.
Ich bin sehr schockiert, und muss nachdenken, wie ich aus dieser Situation wieder herauskomme. Man würde mir helfen, wenn mir die, die eine Cortisontherapie für sinnvoll halten, die Studie zitieren, auf die sie ihre Annahme stützen.
Bisher bin ich davon ausgegangen, dass es diese Studie nicht gibt.
W.W.