PS:.. eine der übelsten Tretmühlen heißt für mich "manische Eigenbeobahtung"
Ihr wißt schon....tauber Finger, zuckendes Augenlid etc etc
Lieber Max,
herzlichen Dank für Ihren Bericht und Ihre Selbsteinschätzung.
Das mit der Henne und dem Ei ist tatsächlich eine vertrackte Sache. Hier scheinen Ursache und Wirkung in einem Wirkungsgeflecht geradezu aufgehoben zu werden. Niklas Luhmann lässt grüßen.
Auf jeden Fall wird immer wieder deutlich, wie kontrovers dieses Thema diskutiert wird. Ich denke allmählich sogar, das muss so sein, denn 'MS und Stress und missglücktes Leben' darin steckt ein Vorwurf, zumindest dieser: 'Wenn du glücklicher gelebt hättest, wäre dir die MS erspart geblieben!'
Man kann diesen Vorwurf mit schönen Worten wegdiskutieren, aber er bleibt - und trifft hart. Ich habe das früher nicht so gesehen, und es für ein Missverständnis oder eine Überempfindlichkeit gehalten, wenn MS-Betroffene diese Hypothese vehement ablehnten, als gehe es um Leben und Tod.
Jetzt beginne ich zu begreifen, dass selbst dann, wenn wir ganz unschuldig in unsere Lebenszusammenhänge 'verstrickt' sind, der Vorwurf und die Hilflosigkeit immens sind. Sollte die MS wirklich die Quittung für ein verfehltes Leben sein?
Ich denke, niemand würde sich dieser Deutung stellen wollen! Sie ist inakzeptabel, so sehr sie sich auch aufdrängt. (Sie ist so inakzeptabel, wie damals - zur Zeit von Ignaz Semmelweis - die Behauptung war, der Tod tausender und abertausender Mütter sei dadurch bedingt, dass sich Ärzte nicht ausreichend die Hände waschen.)
Und noch eines: Ich habe 2 Hirnblutungen erlitten und habe zweimal sehr viel Glück gehabt. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass ich die 3. erleide und tot oder schwer behindert bin. Ich müsste mir also Sorgen machen und panische Angst haben, aber ich habe es nicht!
Ich erwähne das nur deswegen, weil ich glaube: Man kann MS haben und vernünftig mit ihr ungehen, also ohne Sorge und Angst.
W.W.