...Zugrunde liegt dem eine Arbeit mit dem Titel „Concept Creep“ (etwa: Konzept Einschleichen). Darin beschreibt Haslam, wie bisherige Definitionen von negativen und schmerzlichen Ereignissen ausgeweitet werden: So sei viel häufiger von Trauma und Missbrauch, mentaler Störung und Bullying, Vorurteil und Sucht die Rede als früher...
Die Autorin des Artikels fragt u.a.:
"Oder werden normale menschliche Schutz- und Abwehrreaktionen auf diese Weise pathologisiert?"
Ja!! Das glaube ich schon seit längerem. Ich glaube, eine zunehmende Pathologisierung zu beobachten. Auch z.B., wie hier schon mal diskutiert, wenn normal menschliche Reaktionen von Niedergeschlagenheit, Bedrücktheit, düstere Stimmungen usw. vorschnell als "Depression" bezeichnet werden.
Die Natur des Menschen wird in der Fülle ihrer natürlichen Reaktionsweisen beschnitten, und natürliche Reaktionen, Antworten auf schwierige oder leidvolle Situationen, werden in neue pathologisierende Begriffe und Konzepte gespreßt.
Ich halte das für eine schlimme - entmenschlichende - Entwicklung.
Daß es Menschen gibt, die diese neuen Etiketten dann gerne schnell auf sich anwenden, halte ich für eine Art von neuer Schutzreaktion gegen undurchschaubare, von Machtlosigkeit geprägte, Lebenssituationen, die man wahrscheinlich vom Einzelschicksal her bis hin in die Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus durchdeklinieren könnte.
Gruß
Boggy