FDA prüft möglichen Widerruf der Ocrevus-Zulassung für PPMS (Therapien)

Michael27, (vor 25 Tagen)

Ich habe gestern bei den AMSELn einen längeren Beitrag eingestellt zu einem Thema, das mich aktuell umtreibt. Kommt da ein großer Skandal ans Licht der Öffentlichkeit ? Ich stelle den Text mal 1:1 auch hier ein. Gavin Giovannoni, einer der weltweit führenden MS-Neurologen, hat sofort am nächsten Tag auf den BMJ-Beitrag reagiert ...

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Jetzt kommt ein langer informativer Beitrag. Sorry, aber ich halte den Inhalt für sehr wichtig.

Ich war ziemlich überrascht, als ich gestern von einem Antrag an die FDA gehört habe, Ocrevus als Medikament bei PPMS vom Markt zu nehmen. Dabei geht es nur um die Wirksamkeit bzgl. PPMS. Außer Frage steht die Wirksamkeit bei schubförmiger MS.

Initiator der Petition ist Peter Doshi, ein ziemlich renommierter Pharmazeut, der sich seit Jahrzehnten mit den Zulassungs-Prozessen von Medikamenten beschäftigt. Er ist Professor an der Universität von Maryland und Senior Editor des British Medical Journal (BMJ). Außerdem ist er Träger verschiedener Preise und wurde auch schon einmal von der New York Times als „eine der einflussreichsten Stimmen in der medizinischen Forschung“ bezeichnet.

Was bringt so jemanden dazu, sich mit der FDA, der Fa. Roche und Anderen anzulegen und ggfs. sein Renommé aufs Spiel zu setzen ? Das hat mich mehr als hellhörig gemacht.

Informationen findet man unter https://www.bmj.com/content/393/bmj.s666 in einem Artikel des BMJ. Und wenn man das liest, stockt einem der Atem. Da packt jemand mit Hintergrund- und Insider-Informationen aus, dass es schon sehr erstaunlich ist.

Zunächst kritisiert Doshi, dass Ocrevus bei PPMS – wenn überhaupt – nur bei Frauen wirkt, dort allerdings zum Preis eines erhöhten Brustkrebs-Risikos. Außerdem behauptet er, die Wirkung lasse, wenn überhaupt vorhanden, nach dem ersten Jahr in der Regel deutlich nach. Unterstützt in seiner Kritik wird er dabei von Joachim Burman, Leiter der MS-Klinik in Uppsala und Präsident der Schwedischen Neurologischen Gesellschaft, der nicht an dem Antrag beteiligt ist. Insbesondere aber beschreibt er erschreckende Details aus dem Zulassungsprozess der FDA.

Die Überprüfung der FDA-Zulassung von Ocrevus durch das BMJ wurde von einer Patienten-Vertreterin angestoßen. Dabei kam u.a. heraus, dass der für die FDA-Zulassung zuständige Prüfer, John Marler, seinerzeit 2017 viele der Bedenken in einer scharfen Stellungnahme zusammenfasste und sich gegen eine Zulassung für PPMS aussprach. „Der Antrag liefert keine substanziellen Nachweise für Sicherheit und Wirksamkeit“, schrieb er unter Verweis auf die gesetzlichen Anforderungen der FDA. Billy Dunn, der FDA-Beamte, der die Zulassung von Ocrevus unterzeichnete, räumte ein, dass die von den Wissenschaftlern der FDA festgestellten Herstellungsprobleme „normalerweise eine Zulassung ausschließen würden“, erklärte jedoch, dass die Probleme in der Zeit nach der Markteinführung behoben werden könnten usw. Im Gegensatz zu den ihm unterstellten Gutachtern argumentierte Dunn, der damals der oberste FDA-Beamte für Neurologie war, dass zwei positive Studien bei schubförmiger MS als „bestätigender Beweis“ für die Wirksamkeit bei PPMS dienen könnten.

Der letzte Absatz ist fast komplett wörtlich aus der deutschen Übersetzung des BMJ-Artikels zitiert. In dem gesamten Artikel findet sich noch eine Reihe weiterer Kritikpunkte.

Ich finde das Ganze hochinteressant, weil ja auch der Zulassungsprozess in Deutschland „recht holprig“ war. Das IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) prüft alle neuen Medikamente und spricht dann eine Empfehlung aus, mit dem sich der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss, bestehend aus Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbands) dann für die Zulassung befassen muss. Dabei sprach IQWIG (zum zweiten Mal überhaupt bei einem Medikament) von einem negativen Zusatznutzen von Ocrevus gegenüber „best supportive care“ (BSC; also MS-medikamentenfreier Lebensweise) aus:

„Somit ergibt sich für Patientinnen und Patienten mit früher PPMS ein Hinweis auf einen geringeren Nutzen von Ocrelizumab + BSC gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC.“

Ocrevus wurde dann 2018 vom G-BA mit Einschränkungen für PPMS in Deutschland zugelassen.

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naseweis ⌂, in meinem Paradies, (vor 25 Tagen) @ Michael27

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„Der Antrag liefert keine substanziellen Nachweise für Sicherheit und Wirksamkeit“, schrieb er unter Verweis auf die gesetzlichen Anforderungen der FDA. Billy Dunn, der FDA-Beamte, der die Zulassung von Ocrevus unterzeichnete, räumte ein, dass die von den Wissenschaftlern der FDA festgestellten Herstellungsprobleme „normalerweise eine Zulassung ausschließen würden“, erklärte jedoch, dass die Probleme in der Zeit nach der Markteinführung behoben werden könnten usw."

„Somit ergibt sich für Patientinnen und Patienten mit früher PPMS ein Hinweis auf einen geringeren Nutzen von Ocrelizumab + BSC gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC.“

Ocrevus wurde dann 2018 vom G-BA mit Einschränkungen für PPMS in Deutschland zugelassen.

Das ist nicht schön, oder besser gesagt: SCHOCKIEREND
Ob da Zuwendungen geflossen sind, dass die Genehmigung mit solchen Vorraussetzungen erfolgte?
Es geht ja um viel Geld für die Pharmafirmen.

--
das Geheimnis der Medizin besteht darin,
den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht

FDA prüft möglichen Widerruf der Ocrevus-Zulassung für PPMS

kerstin, (vor 23 Tagen) @ Michael27

Danke Michael, für deine Recherche !!!

Ich war ja in den letzten Wochen während meines Klinikaufenthaltes mit verschiedenen Neurologinnen

konfrontiert, die meisten waren sehr verwundert, dass ich, mit meiner progredienten MS, keine Medikamente

nehme und von den neuesten Entwicklungen nicht profitiere ... Leider habe ich nicht nachgefragt, was ich

denn nehmen sollte.

Kerstin

FDA prüft möglichen Widerruf der Ocrevus-Zulassung für PPMS

tournesol, (vor 23 Tagen) @ kerstin

Naja, ob du profitiert hättest, ist nicht sicher.

Ich weiß jetzt nicht, ob du PPMS hast oder früher Schübe und jetzt SPMS.

Bei einer vorhandenen Entzündungsaktivität könntest du von Ocrevus profitieren.
Ich habe, im Gegensatz zu vorher mit Tecfidera, seit ich es nehme (Dez. 2021), keine Verkürzung meiner Gehstrecke mehr.
Allerdings bist du ja, wie ich, nicht mehr ganz jung und im Alter wird das Immunsystem i.a. sowieso schwächer, wovon ich zwar bis jetzt nichts merke, aber die Neurologen scheuen sich, dann ein immunsuppressives Medikament zu geben, zumal es für diese Altersgruppe auch keine Langzeitdaten gibt. Deshalb schleiche ich jetzt Ocrevus langsam aus indem ich die Abstände vergrößere.
Die Hoffnung ist, dass die Entzündungsaktivität gestoppt wurde und es auch ohne Ocrevus zu keiner gravierenden Verschlechterung kommt.

Bei SPMS mit Schüben käme auch Mayzent in Frage. Das war bei mir auch im Gespräch, mir war das aber nicht so sympathischisch wegen der möglichen Nebenwirkungen in mehreren verschiedenen Bereichen.

Also, ich frage mich, wie viel Erfahrung die Neurologinnen, mit denen du gesprochen hast, mit älteren Patienten haben.
Bei jüngeren progredienten Patienten versucht man es wahrscheinlich oft mit Ocrevus, weil es kein anderes Medikament für PPMS gibt.

FDA prüft möglichen Widerruf der Ocrevus-Zulassung für PPMS

kerstin, (vor 22 Tagen) @ tournesol

Hallo tournesol,

ich hatte 2002 einen Schub mit leichtem Kribbeln rechts, dann MRT und Lumbalpunktion, MS attestiert.

Keine Medikamente, dann nach 12 Jahren, langsame progrediente Verschlechterung. Keine Ahnungm ob man das

nun primär oder sekundär nennt. In der MS Sprechstunde hieß es dann, für mich gibt es nix, es sei denn ich

lasse mich auf Experimente ein. Das wollte ich nicht-

Für mich ist zurzeit das größte Problem meine Erschöpfung. Wenn es da ein Wundermittel gäbe, wäre ich

sofort dabei.

Na ich bin jetzt 71, da sind keine großen Sprünge mehr zu erwarten...

Kerstin

FDA prüft möglichen Widerruf der Ocrevus-Zulassung für PPMS

tournesol, (vor 21 Tagen) @ kerstin

Ja, 2014 gab es dafür noch kein zugelassenes Medikament, mit dem du hättest versuchen können, gegen die Progredienz anzugehen.

Jetzt damit anzufangen, würde wahrscheinlich auch nichts mehr bringen. Bleibt zu hoffen, dass die Verschlechterung von selbst stoppt und mit nicht medikamentösen Maßnahmen möglichst viele Fähigkeiten zu erhalten.

Ich wünsche dir alles Gute! Die OP hast du ja schon Mal, wie's aussieht, gut hinter dich gebracht.

Fatigue

Michael27, (vor 18 Tagen) @ kerstin

Für mich ist zurzeit das größte Problem meine Erschöpfung. Wenn es da ein Wundermittel gäbe, wäre ich
sofort dabei.

Hallo Kerstin,

ein Wundermittel habe ich nicht zu bieten, aber 2 Vorschläge, die mir helfen und geholfen haben. Ich bin übrigens auch 71.

Ich hatte zu Beginn meiner (PP)MS vor 10-15 Jahren auch Probleme mit Fatigue. Da hat mich meine damalige Hausärztin (!) auf die Bedeutung von Progesteron und den Zusammenhang zwischen Fatigue und Progesteronmangel bei MS aufmerksam gemacht. Ich habe meinen Progesteron-Wert ermitteln lassen (ja, auch Männer haben und brauchen Progesteron, wenn auch natürlich nicht so viel wie Frauen) und der war unterirdisch niedrig. So nehme ich jetzt seit fast 11 Jahren Progesteron in Form von sog. Rimkus-Kapseln. Das sind natur-identische Hormone, wodurch man die Risiken von klassischen Hormon-Therapien vermeidet.

Nach 1 Woche war meine Fatigue weg und kam nur einmal wieder, als ich vor etwa 3 Jahren ein paar Monate lang dachte, jetzt wäre mein Progesteron-Spiegel ja hoch genug, so dass ich damit aufhören könnte. Die Fatigue kam zurück, der Progesteron-Spiegel sackte ab und ich nahm meine Rimkuskapsel-Einnahme wieder auf.

Ich würde dir also empfehlen, mal deinen Progesteron-Spiegel ermitteln zu lassen, idealerweise von einem Rimkus-Arzt, bzw. einer Rimkus-Ärztin (https://www.hormon-netzwerk.de/therapeutenliste/). Unter hormon-netzwerk.de kannst du auch Details nachlesen zur Rimkus-Methode.

Das Zweite, was mir mehr Energie gegeben hat als ich gebrauchen konnte, war Qi Gong. Ich fand Qi Gong faszinierend und in mancherlei Hinsicht hilfreich, stand aber in der ersten Nacht eines fünftägigen Kurses bildlich gesprochen irgendwann "senkrecht im Bett", als hätte ich 10 Tassen Kaffee getrunken (ich trinke fast nie Kaffee). Aber da Energiemangel wirklich nicht mehr mein Problem ist, bin ich vorsichtig mit Qi Gong.

Vielleicht interessieren dich ja meine beiden Tipps und können dir helfen.

Michael

Fatigue

kerstin, (vor 16 Tagen) @ Michael27

Dankeschön Michael für deinen Bericht.

Ich werde mal einen Hormonspiegel machen lassen, ich habe mal nach Rimkustherapeuten in meiner Gegend

gesucht, ist für mich kompliziert, hier auf dem Lande gibt es niemanden. In Hannover sind es in der

Mehrheit Gynäkologinnen. Da werde ich mal anrufen ...

Zurzeit habe ich mehrere Baustellen, kaputter Zahn und kaputte Sehne an der linken Schulter ( war Freitag

im MRT, auch Stress !) seeeeehr schnerzhaft, nehme derzeit viele Schmerzpillen.

Außerdem versuche ich über die TK einen Beintrainer zu bekommen , mit dem habe ich gute Erfahrungen in

der Rehaklinik gemacht. Achja und dann habe ich eine Reha beantragt. Wäre einfacher gewesen, ich hätte

das von der Klinik aus gemacht bzw. da hätte es die Sozialarbeiterin für mich gemacht. Aber ich wollte ja

nach Hause, jetzt habe ich den Salat ...

Langer Rede kurzer Sinn: mein Leben ist derzeit sehr anstrengend, die Operation an der Stenose allerdings

war erfolgreich und wirklich sinnvoll.


Kerstin

P.S. Hast du deinen Hormonspiegel bei der Hausärztin machen können ?

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Fatigue

naseweis ⌂, in meinem Paradies, (vor 16 Tagen) @ kerstin

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Langer Rede kurzer Sinn: mein Leben ist derzeit sehr anstrengend, die Operation an der Stenose allerdings war erfolgreich und wirklich sinnvoll.

Das ist ja schon mal eine sehr gute Nachricht flowers flowers flowers


Ich freu mich mit dir

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während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht

Fatigue

Michael27, (vor 16 Tagen) @ kerstin

P.S. Hast du deinen Hormonspiegel bei der Hausärztin machen können ?

Hallo Kerstin,

ich habe ihn damals (und bei allen folgenden Kontrollen) jeweils bei der aktuell mich betreuenden Rimkus-Ärztin in Auftrag gegeben. Meine (seinerzeitige) Hausärztin (sie hat inzwischen ihre Praxis aufgegeben) war 2015 noch keine Rimkus-Ärztin. Die Labor-Untersuchung fand immer im Labor Rosler in Wildflecken statt (https://labor-rosler.de/) - und die müsste man über jede(n) Arzt/Ärztin in Auftrag geben können. Je nachdem, welche Hormonwerte alle untersucht werden sollen, kostet dies 70 - 130 €. Und diese Kosten muss ich auch als Privatpatient immer selbst tragen.

Grundsätzlich finde ich auch das "abgeschottete" System der Rimkus-Ärzte und -Ärztinnen in Ordnung. Das soll dazu dienen, dass sich nicht Ärzte ohne entsprechende Qualifikation und Zertifizierung mit dem durchaus positiv besetzten Titel "Rimkus-Arzt", bzw. "Rimkus-Ärztin" schmücken können.

Michael

Fatigue

kerstin, (vor 16 Tagen) @ Michael27

Okay, dann weiß ich Bescheid und werde mal bei einer dieser Ärztinnen anrufen.

Bin sehr gespannt ...

Kerstin

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