Depression + Serotonin (Allgemeines)

Boggy, Samstag, 22.10.2022, 15:38 (vor 43 Tagen)

Ich hoffe, diese Auzüge aus einem langen Artikel können wenigstens ansatzweise einen Eindruck davon vermitteln, in welche Richtung die Überlegungen gehen.

Gruß
Boggy

Quelle:
https://www.theguardian.com/society/2022/oct/22/it-is-a-flaw-in-our-cells-that-becomes

"Ich rief Paul Greengard an, einen Professor an der Rockefeller University in New York. (...)
'Depressionen sind ein Problem des langsamen Gehirns', sagte er. Das Wort "langsam" ist hier von entscheidender Bedeutung. In den 1960er und 70er Jahren hatten Greengards Experimente ihn zu einer völlig neuen Denkweise über die neuronale Kommunikation geführt. (...)

Greengard entdeckte jedoch, dass einige Formen der Neurotransmission auch einen aufwändigeren und bedächtigeren Prozess beinhalten. Die von einer Nervenzelle ausgesandten chemischen Signale erzeugen eine Kaskade von "langsamen" Signalen in der Nervenzelle. Die neuronalen Signale, die von einer Zelle zur nächsten gesendet werden, lösen in der Empfängerzelle tiefgreifende biochemische und stoffwechselbezogene Veränderungen aus.

Im Gegensatz zur "schnellen" Neurotransmission vollziehen sich diese Veränderungen über Sekunden und Minuten - und die Etablierung ihrer physiologischen Dauerhaftigkeit innerhalb komplexer Schaltkreise von Neuronen im Gehirn kann sogar Tage dauern. (...)

Im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte sammelte Greengard Beweise dafür, dass diese biochemischen Veränderungen den Kern vieler psychischer Erkrankungen - einschließlich Depressionen - ausmachen.

Aber aus medizinischer Sicht, so könnte Greengard sagen, war es ein Fehler in den Zellen. Ein Fehler in den Neurotransmittern, in den Signalen, die sie auslösen. Ein Fehler, der letztlich die Zusammensetzung, die Physiologie, den Stoffwechsel, die Signalübertragung und das Verhalten der Neuronen verändert, die die Stimmung regulieren.

Ich wusste, dass der Neurotransmitter Serotonin etwas damit zu tun hatte. Greengard erzählte mir die Geschichte über den Ursprung der "hirnchemischen" Theorie der Depression.
(...)

Und die Idee, dass Depressionen durch einen Mangel an dem Neurotransmitter Serotonin in der neuronalen Synapse verursacht werden, hat die Psychiatrie erfasst. In der Synapse befindet sich nicht genügend Serotonin, so dass die elektrischen Schaltkreise, die auf den Botenstoff reagieren, nicht ausreichend stimuliert werden. Die unzureichende Stimulation der stimmungsregulierenden Neuronen führt zu Depressionen.
(...)

Die Reaktion auf SSRI [Serotonin-Wiederaufnahmehemmer] war jedoch bei weitem nicht durchgängig positiv. In einigen Studien mit schwerst depressiven Patienten kam es zu einer messbaren Verbesserung der Symptome bei denjenigen, die das Medikament erhielten, im Vergleich zu denjenigen, die ein Placebo bekamen, während in anderen Studien die Wirkung nur geringfügig war, oft sogar verschwindend gering. Und die Zeit, die verging, bis die Wirkung eintrat - oft Wochen oder Monate - deutete nicht darauf hin, dass die bloße Erhöhung des Serotoninspiegels den Stromkreislauf wieder in Gang setzen und damit die Depression heilen könnte.
(...)

Greengard (...) Sein Labor an der Rockefeller University hatte gerade einen "langsamen" Signalweg entdeckt, der durch Serotonin ausgelöst wird und für Depressionen verantwortlich sein könnte. Serotonin, so hatten Greengard und andere Forscher herausgefunden, wirkt nicht nur als "schneller" Neurotransmitter, und Depressionen sind nicht nur ein schlecht funktionierender neuronaler Schaltkreis, der durch eine Erhöhung des Serotonins in der Synapse zurückgesetzt werden kann. Vielmehr löst Serotonin in den Neuronen ein "langsames" Signal aus (...), das die Physiologie, Aktivität und Funktion mehrerer intrazellulärer Proteine verändert, die Greengards Labor identifiziert hatte. Greengard glaubte, dass diese Proteine für die langsamen Signale in den Neuronen, die die Stimmung und die emotionale Homöostase regulieren, entscheidend sind.

"Es geht nicht nur um den Serotoninspiegel", sagte Greengard. (...) "Das ist viel zu einfach. Es geht darum, was Serotonin mit dem Neuron macht. Die Art und Weise, wie es die Chemie des Neurons und seinen Stoffwechsel verändert", sagte er. "Und das kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.
(...)

Greengard glaubt, dass es sich nicht nur um ein Problem mit der Verschaltung handelt, sondern vielmehr um eine zelluläre Störung - um ein Signal, das durch Neurotransmitter ausgelöst wird, das irgendwie nicht richtig funktioniert und einen dysfunktionalen Zustand in einem Neuron erzeugt."

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Depression + Serotonin

Boggy, Samstag, 22.10.2022, 15:44 (vor 43 Tagen) @ Boggy

Ich finde das eine sehr komplizierte Angelegenheit, und ich bin mir nicht sicher, wieviel ich davon überhaupt richtig verstehe. (Zumal es eine schwierige Übersetzung aus dem Englischen ist.)

Aber es mag ja Leserinnen und Leser geben, die damit deutlich mehr anfangen können, und für die diese Informationen eine weiterführende Hilfe sind.
Deshalb hab ichs gepostet.

Gruß
Boggy

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