eine Auflösung (?) (Straßencafé)

W.W. @, Montag, 04.10.2021, 10:14 (vor 13 Tagen) @ Boggy

Ich möchte mich nicht direkt in das Gespräch über das Christentum im anderen thread einmischen ...
Habe aber möglicherweise eine Auflösung für die Frage, die WW stellt: nach einem von ihm "in der Tiefe des Christentums" verborgenem "Unheimlichen", das er vermutet.
Und das vielleicht den Macht- und Herrschaftsaspekt in Religionen betrifft.

Ich habe am Wochenende noch einmal über Ihre mögliche Antwort nachgedacht: Ja, es ist der 'Macht- und Herrschaftsanspruch', der mir übel aufstößt. Als ob Gott kleinlich wäre...?

Ich glaube das nicht! Dann wäre er kein Gott, sondern ein Mensch. Aber Gott ist kein Mensch! Meine Lösungsmöglichkeit ist: Wir können unser Problem mit Gott nicht logisch lösen, weil Gott nicht logisch ist.

Wir denken, es müsste ganz unbedingt logisch sein, weil wir uns ja nicht anderes als das Logische (oder Kontingente) vorstellen können. Unsere Gehirne sind nun einmal so gebaut.

Aber wenn wir Gott mit unserer Logik nicht fassen können - sondern in unserer Hilflosigkeit nur (wie Sokrates) einen Mythos erzählen, wenn wir nicht weiter wissen -, wenn sich Gott also für unser Verständnis nur in Mythen und kafkaesten Geschichten erfassen lässt, dann erfassen wir Gott nicht wirklich (aber wer wollte sich das auch zutrauen?!), aber wir können wenigstens auf unsere Art über ihn reden.

Priester und Religionsgelehrte wären dann wie Sokrates, der eine ziemlich genaue Ahnung vom Göttlichen hatte, aber diese nicht formulieren konnte. Gott wäre dann wie ein wunderschöner Ton, den wir, wenn wir still sind, vernehmen können, aber auch wenn wir ihn hören, können wir niemandem vermitteln, was wir gehört haben.

Das erinnert mich an die Nacht, in der Robert Schumann wahnsinnig wurde und im Traum Engelsmusik hörte, aber als er sie in Noten fixieren wollte, gelang es ihm nicht. (Ganz persönlich bin ich übrigens der Ansicht, Beethoven hätte in seinen späten Klaviersonaten und seinen späten Streichquartetten diese Musik gehört - und hätte sie in der Notensprache festgehalten.)

W.W.

PS: Ich nehme an, der 'unlogische' Gott gleicht sehr dem indischen Gott, der auch nicht 'logisch' ist, aber sicher auch nicht rachsüchtig...:confused:

Es hat mich sehr gefreut, über das sprechen zu dürfen, was man ja sonst in seiner Seele verschließt. Und ich glaube auch, dass hier nichts Unbotmäßiges oder Zersetzendes zur Sprache kam, sondern schlicht eine 'Klage', dass zwischen Gott und uns unsere Sprache nicht gilt. Der Heilige Geist mag vielen von uns unverständlich erscheinen, aber er ist absolut notwendig, damit Gott uns versteht und wir Gott verstehen.

So dachte jedenfalls Augustinus - und in seinem Denkhorizont hatte er durchaus Recht, aber möglicherweise wäre es heutzutage ein Irrweg, sich den Heiligen Geist als ein Riesenübersetzungsprogramm, einen 'großen Babbel' vorzustellen. Aber wer wollte sich ein 'Newspeak' erdenken wollen? Ich erinnere mich nicht, aber gab es bei Douglas Adams in 'Per Anhalter durchs All' nicht die Sprache aller Sprachen?


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