Um auf etwas zurückzukommen, was ich neulich beiläufig gelesen habe (Straßencafé)

W.W. @, Sonntag, 11.07.2021, 09:12 (vor 23 Tagen)

Ich las hier neulich beiläufig, dass man ohne Religion gut leben könne. Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Ziemlich sicher könnte man wohl ohne den jüdischen, muslimischen oder katholischen Gott leben - eventuell sogar ohne den evangelischen.

Aber ohne Gott leben zu können, heißt ja noch lange nicht, ohne Religion zu sein. Z.B. könnte man den Gott Spinozas, Einsteins oder Goethes verehren, der ohne alle menschlichen Eigenschaften ist. Ich denke, auch Platons Gott war kein richtiger Gott. Auch die Buddhisten und viele andere Religionen finden ihre Religion in der Natur oder abstrakten Prinzipien, die mir allerdings verschlossen bleiben.

Früher hatte ich dagegen eingewandt, solche Vorstellungen von der Religion seien 'eklektizistisch', also zusammengesetzt, als ab man sich in einem Supermarkt den eigenen Einkaufswagen füllen würde. Jetzt denke ich manchmal: "Was spricht eigentlich gegen den Eklektizismus, dass man sich aus jeder Religion das nimmt, was einem am besten gefällt?"

Auch an einer anderen Vorstellung sind mir Zweifel gekommen: Muss eine Religion 'logisch' oder 'vernünftig' sein. Gerade in der Religion fühlen wir doch oft mehr als dann wir Denksportaufgaben lösen.

Am meisten aber gibt mir dies zu denken, was ein Freund zu mir sagte: Ein Kunstwerk ist erst ein Kunstwerk, wenn es etwas Mystisches in sich enthält. Genau genommen bin ich mir nicht einmal sicher, ob er nicht 'Mythisches' gesagt hat, aber auf jeden Fall läuft es darauf hinaus, dass uns die Kunst auf etwas Überirdisches hinweist.

W.W.


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