Ein Beitrag von Nathalie Beßler in der ZIMS! (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 05.07.2021, 10:16 (vor 29 Tagen) @ W.W.

Möglicherweise war das zu kryptisch, was ich geschrieben hatte. Es geht mir um das Gelingen von Kommunikation, und sehe, wie sehr in daran scheitere, mich verständlich zu machen.:confused:

Am Wochenende war meine Tochter da. Die Gespräche mit ihr haben mir sehr zu denken gegeben. Ich war mir immer sicher gewesen, sehr individuell zu sein, und habe mich immer gefragt, ob an dieser Einordnung alles stimmen könnte, denn jede Ameise würde sich ja möglicherweise auch als sehr individuell empfinden, aber sie macht sich etwas vor, denn sie ist im Wesentlichen Teil ihres Ameisenhaufens, also geht das Gemeinwohl vor das Wohl des Einzelnen.

Nun erwähnte meine Tochter beiläufig eine Dozentin in der Diakonie Bethel, die in einer Veranstaltung die Luhmannsche Systemtheorie bemüht hatte. Es war tatsächlich beiläufig und Anne sagte nur, dass sie vielleicht mal wieder etwas von Luhmann lesen wolle (denn sie ist ja von Haus aus Soziologin).

Ich merkte, dass ich keine Ahnung von Luhmann hatte uznd erinnerte mich nur, vor vielen Jahren in Düsseldorf an einem Kongress 'Decade of the brain' teilgenommen zu haben, wo auch Varela und der ur-uralte Eccles sprachen. Von diesem Moment an schwirrten Begriffe wie Autopoiese, Selbstbezüglichkeit, Zellsystem und Umwelt durch meinen Kopf, ohne dass ich damit etwas anzufangen gewusst hätte. Und vor allem, was hatte dieser krasse Biologismus mit der Soziologie zu tun?

Ich hatte es damals nicht begriffen und stehe auch jetzt noch wie ein Ochse vor dem Berg, aber ich merke mehr und mehr, dass ich Bestandteil vieler sich überlappender Systeme bin: Familie, Gemeinde, Staat, Gesundheitssystem, Gesetze und sogar Verkehrsregeln, Kapitalismus... und dass mein Wohlstand auch irgendetwas mit dem Verkauf deutscher Autos nach China zu tun hat oder mit Nordstream 2. Vielleicht sogar mit dem gewesenen Krieg am Hindukusch.

Auch die Tagesschau und die FAZ haben mich sicherlich wie eine Krake in ihre Fänge gezogen, und trotzdem war ich bis zum Wochenende felsenfest davon überzeugt, ein Individuum zu sein. Diese Sichtweise von Luhmann hat etwas sehr Verstörendes und scheint mir wahnsinnig intelligent zu sein - so intelligent, dass ich es kaum begreifen kann.

Aber vielleicht ist ja auch alles halb so schlimm, wie ich mich selbst einschätze - wie meine Frau meint! Vielleicht spinnen die Soziologen ja auch?! Das habe ich schon immer vermutet. Aber es wäre auch denkbar, dass ich das ablehne, was mir zu hoch ist. Ich zweifele sogar daran, den Text von Nathalie Beßler richtig verstanden zu haben.

Wäre es nicht schrecklich, wenn wir wie ein Dachs in seinem unterirdischen Bau wären, der keine Ahnung von der wirklichen Welt hätte?! Es würde keinen rechten Sinn mehr machen, sich zu unterhalten.:-(

W.W.

PS: Natürlich hätte ich einfach schreiben sollen: 'Ein Beitrag von Nathalie Beßler in der ZIMS', ohne ihn so überschwänglich zu loben.


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