Reife (Allgemeines)

Boggy, Mittwoch, 30.06.2021, 13:59 (vor 34 Tagen) @ Boggy

Ich möchte meine Einstellung zu "Reife" doch noch etwas ernsthafter und kurz erläutern:

Zum Konzept der "Reife" habe ich Distanz. Das kann ich jetzt nur andeuten.

Von "Reife" zu sprechen, bedeutet aus meiner Sicht, sich auf ein Wertesystem zu beziehen, also auf ein System von Menschen gesetzter Normen, bzw. Normierungen.

Es beinhaltet hierarchisierende Unterscheidungen von "reif", "reifer", "unreif", die nur auf ein von anderen Menschen (also nicht von mir selbst) konstruiertes Normensystem zurückgeführt werden können - ein Normensystem, das von eben diesen Menschen nun wiederum auf andere Menschen angewandt wird. Im Kern ist das ein Akt der Machtausübung; in diesem Fall von Definitionsmacht.

Manche Menschen übernehmen nun diese Normen und wenden sie auf sich selbst an, als wären es ihre eigenen. Damit unterwerfen sie sich.

In meinem Menschenbild gibt es nur "Wandel", "Veränderung". Wie ich subjektiv meinen Wandel bewerte, vollzieht sich nach meinen eigenen Kriterien, ob etwas in der Rückschau für mich eher mehr Leid erzeugend war oder mehr Leid mindernd bzw. aufhebend; bzw. Leid gar nicht erst entstehen ließ. Ich versuche einen Weg zu finden, mich so zu verändern, daß ich möglichst Leid vermeide und/oder verringere/beseitige. Das ist alles.

Das gelingt mal besser mal schlechter. In jedem Lebensabschnitt. Mit genau den "Mitteln", die mir zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stehen.
Als 10jähriger mache ich das mit den Mitteln eines 10jährigen - andere gibt es nicht; ich bin deshalb nicht "unreif", ich bin nicht "unvollkommen", ich bin so "vollkommen" wie ein 10jähriger sein kann.
Ich bin mit 10 keine bittere, noch unreife Frucht, die auf ihre Süße zustrebt; ich bin als 10jähriger schon vollkommen, echt "süß". ;-)

Als 60jähriger mache ich das mit den Mitteln eines 60jährigen - andere gibt es nicht; ich bin deshalb nicht "reif", ich bin nicht "vollkommen", ich bin so "vollkommen" oder "unvollkommen" wie ein 60jähriger sein kann, oder besser gesagt, wie ICH als ein 60jähriger sein kann.

Das, was zwischen dem 10jährigen und dem 60jährigen liegt, ist einfach Lernen.

Gruß
Boggy
flowers

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Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.


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