Emotionen - Hormone - Entzündungen? (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 12.06.2021, 09:38 (vor 52 Tagen) @ agno

"...Grundlagen von Multipler Sklerose, Depression und Stress, dass chronischer – nicht akuter – Stress mit dauerhaft sehr hohen Cortisolspiegeln einhergeht. Und das kann dafür sorgen, dass die Rezeptoren für das Stresshormon Cortisol herunterreguliert werden. Cortisol bremst eigentlich das Immunsystem. Wenn nun aber zu wenige Rezeptoren da sind, kann der Körper das nicht mehr. Das Immunsystem dreht durch. Die Folge könnten Entzündungen sein."

Man könnte fragen: "Was ist Stress?" Was für den einen 'guter' Stress ist, ist für den anderen 'schlimmer' Stress. Kann man mit so einem vagen Begriff überhaupt etwas anfangen? Und dann auch noch die unklare Formulierung von zu viel Stress, der den Cortisonspiegel erst anhebt, dann abstürzen lässt, weil ein Brunnen, aus dem man zu viel trinkt, austrocknet.

Wir sind wieder einmal an einer Stelle, wo uns die Wissenschaft, die definieren und messen will, alleine nicht weiterhilft. Denn an allererster Stelle steht ja oft eine unklare Idee, also nichts Wissenschaftliches, eher eine Anmutung oder ein Bauchgefühl.

Dann schweift man durch die Gegend und sucht sich das aus, was zur eigenen Vermutung passt, und so entwickelt sich um eine Hypothese herum etwas, was sich einer Theorie annähert. Es hängt nicht viel davon ab, dass man das, was man so schwer formulierbar in sich spürt und Widersprüche aufweist, sich gleich auf den ersten Blick als der Renner erweist, sondern zunächst kommt es eher darauf an, wie einleuchtend ein Gedanke ist und wie er auch anderen einleuchtet: "Ja, so könnte es sein!"

Zu Beginn einer naturwissenschaftlichen Hypothese steht also nie ein rationales Konzept, das war auch bei Kopernikus nicht so und nicht bei Einstein und Heisenberg. Am Anfang steht ein Gefühl, von dem man nicht weiß, woher es kommt.

Ich bin überzeugt, dass sich in der Diskussion bald erweisen wird, wessen Geistes Kind diese Spekulationen sind. Sie können aus der Luft gegriffen und völlig unsinnig sein, aber sie könnten auch der irrationale Beginn sein, der zu einer rationalen Schlussfolgerung führt.:confused:

Ohne den Artikel aus der Zeit genauer zu kennen, erscheint mir der Ansatz wertvoll genug, um darüber nachzudenken. Ich dachte immer: "Es ist doch merkwürdig, wie sehr ich die Killerdosen von Cortison bei der MS hasse, und mich dennoch immer wieder das Gefühl beschleicht, die MS könnte etwas mit Cortison zu tun haben. Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst?"

Das angedachte Konzept verbindet Stress, Cortison und MS, und es verbindet das Organische (Unordnung im Immunsystem) mit dem Seelischen (Stress). Insofern sollten wir es vielleicht genauer prüfen, ohne es vorschnell zu verwerfen, weil wir meinen, da lachten doch die Hühner.

W.W.

PS: Ich glaube die Argumentation nicht, dass es gegen die Vitamin C-Mangel-Hypothese spricht, dass nicht alle Matrosen an Skorbut erkrankt sind. So einfach lässt sich die Natur nicht auf die Schliche kommen, denn natürlich hat jeder ganz individuell ein dünne oder dicke Haut, ein anfälliges oder weniger anfälliges Immunsystem.

Auch der Sonnenbrand hat sicher genetische Gründe (helle Haut, blonde Haare, blaue Augen), aber wichtiger als auf die Erbanlagen zu schauen ist, dass man sich bei entsprechender genetischer Dispositon vor zu starker Sonneneinstrahlung schützt.

Wir kümmern uns vielleicht zu viel um die Genetik und zu wenig um das, was man selbst machen kann.


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