Warum ich zum Religiösen neige! (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 04.05.2021, 09:32 (vor 4 Tagen) @ agno

Lieber Agno,

ich antworte auf dein Schreiben spontan, also nicht sehr überlegt - aber vielleicht echter. Vermutlich fühlte ich mich ertappt, dass ich unaufrichtig gewesen war und gegen den Darwinismus schrieb, während ich doch eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollte, wie sehr ich den materialistischen Nihilismus ablehne!

Nun bin ich ja selbst kein Christ (ich glaube jedenfalls nicht, dass ich das von mir behaupten dürfte), aber ich bin wegen meiner Tochter christlich angehaucht, die ja in Kürze Diakonin sein wird.

Ich bin also kein Christ, aber dennoch auf Gottessuche. Darum habe ich etwas Abwertendes in dem, was du schriebst, wahrgenommen, als müsse ich mich dafür schämen, unausgesprochen zum religiösen Lager hinüberzudriften, wie es bei alten Menschen ja oft der Fall ist.

Um es noch komplizierter zu machen, hatte mich die Dokumentation über die Geschwister Scholl, die Sonntag auf ARTE zu sehen war, sehr berührt. Es ist ja immer mein Problem gewesen: Wie hätte ich mich verhalten, wenn ich in der Nazizeit Medizin studiert hätte? Wäre ich so mutig gewesen, dass ich mich den Geschwister Scholl angeschlossen hätte? Oder hätte ich sie insgeheim zwar unterstützt, sie aber in der Öffentlichkeit verleugnet - wie es ja auch Petrus am Tag der Kreuzigung ergangen war?

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Egal, was ich naturwissenschaftlich denke, es beantwortet die Frage, wie ich es mit der Religion oder meiner Aufrichtigkeit halte, falsch. Wie ich in der Nazizeit gehandelt hätte, hat nichts mit meiner Intelligenz zu tun und nichts mit meinem Wissen, sondern mit etwas in mir, das dem Religiösen nahe verwandt ist.

Wolfgang


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