wunderbarer Text! (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 20.04.2021, 15:49 (vor 18 Tagen) @ agno

Wirklich? Ich bin überrascht!? Vermutlich meinst du das ironisch?:confused:

Wie dem auch sei, es wird sicher viele MS-Betroffene geben, die sagen, wie sehr sie von den Fortschritten der MS-Forschung überzeugt sind, und dass ihnen das Verständnis dafür fehlt, warum sie von mir geradezu bösartig und wieder besseres Wissen in den Sumpf gezogen werden.

Ich habe großen Respekt vor denen, die an MS-Medikamente glauben und die Überzeugung haben, sie würden ihnen helfen. Man sollte ihnen nicht einfach so widersprechen! Wenn jemand sagt, ich spritze mir seit Jahren Betaferon und glaube daran - wie sollte ich ihm oder ihr widersprechen? Das kann ich nicht! Nur muss ich gestehen, dass ich glaube, sie können das nicht beurteilen, weil es 1000 Gründe gibt, seinen Einzelfall so oder so zu drehen.

Aber es gibt die Regel, dass man für die Behauptung Gründe anführen muss, die am Weitesten geht. Darüber kann man wiederum streiten: Welche Behauptung geht am Weitesten?

Im Falle der BT/ET würde ich sagen: Wenn jemand behauptet, BT/ET wirken, dann scheint mir diese Behauptung weitergehend zu sein, als wenn er sagt: Sie wirken eher nicht.

Ich müsste nach dieser Regel also belegen (einsichtig machen), warum BT/ET wirken. Das kann sich als schwierig erweisen, weil die MS-Verläufe so unterschiedlich sind und schwer auf einen Nenner zu bringen sind. Was dem einen hilft, braucht dem anderen ja noch lange nicht zu helfen. Wie soll man also die Entscheidung treffen?

Ich meine, nach 30 Jahren BT/ET müsste es möglich sein, diese Frage zu beantworten, also z.B. in einer Studie zu zeigen, dass bei 100 Betroffenen, die gleich nach Diagnosebeginn BT erhalten haben, der MS-Verlauf nach 10 Jahren zu einem signifikant niedrigeren Behinderungsgrad geführt hat, als bei 100 Patienten, die keine BT erhalten haben. Das würde mich überzeugen, und ich würde öffentlich bekennen: "Ich habe mich getäuscht. Diese Studie beweist, dass BT bzw. ET den MS-Verlauf günstig beeinflussen!"

Allerdings kenne ich diese Studie nicht, jedenfalls hat sie mir noch niemand genannt. Also gehe ich davon aus, dass die Beweislage für BT/ET unsicher ist.

Aber um nicht immer nur zu kritisieren, ich kenne eine Studie, die für mich hervorragend ist: die Olmsted-County-Studie, die 2004 in NEUROLOGY erschien, und zeigte, dass der Behinderungsgrad (EDSS) der MS sich unbehandelt im Schnitt in 10 Jahren um nicht mehr als 1.0 Punkte verschlechtert.

Das ist mein Argument gegen "Hit hard and early!"

W.W.


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