Die Fortschritte der MS-Forschung? (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 20.04.2021, 12:38 (vor 24 Tagen)

Ob es Fortschritte in der MS-Forschung gibt? Viele sind davon überzeugt, manche bestreiten sie.

Die, die daran glauben, dass die MS-Forschung seit Charcot Fortschritte gemacht hat, sagen, dass heutzutage viel weniger Menschen durch die MS schwer behindert sind, und dass diese Behinderung (wenn überhaupt) erst sehr viel später eintrete als früher.

Die Skeptiker halten das für schwer belegbare Aussagen. Was heißt "schwer behindert"? Und was hei0t "später"? Gibt es Studien, fragen sie, die zeigen, dass die MS seit Einführung der BT/ET milder verläuft? Oder kann man so etwas schwer messen?

Ich persönlich glaube, dass die MS-Therapie seit Charcot keine Fortschritte gemacht hat. Aber das ist mein ganz persönlicher Eindruck, und ich würde meine Meinung sofort revidieren, wenn mir eine Studie genannt würde, die mir überzeugend zeigt, dass ich mich irre. Ich denke, das müsste nach 30 Jahren BT einfach sein.

Befürworter der BT/ET sagen, auch wenn es aus statistischen Gründen schwer nachweisbar ist, dass die medikamentöse Therapie den Langzeitverlauf der MS bessert, kann man doch wohl nicht bestreiten, dass die MS-Forschung Fortschritte gemacht hat. Sie habe z.B. entdeckt, dass die MS vermutlich eine Autoimmunkrankheit ist und dass es den Breitengradeffekt gibt.

Skeptiker zeigen sich durch beide Argumente nicht sehr überzeugt. Sie zweifeln sogar daran, dass die MS eine Autoimmunkrankheit ist, und führen den Breitengradeffekt eher auf die Häufigkeit von Kernspintomographen zurück, die am Äquator gering ist.

Befürworter der BT/ET sagen, dass niemand die "Heilung" der MS versprochen hätte, aber es stehe doch außer Zweifel, dass BT/ET bei einer signifikanten Zahl von Behandelten die Schubzahl reduziere.

Skeptiker halten die Schubzahl für ein "Surrogat-Kriterium" und sind nicht sicher, dass eine Senkung der Schubfrequenz das Fortschreiten des Behinderungsgrades aufhalte.

Ich glaube, dass es zur Zeit keine verlässlichen Argumente für BT/ET gibt. Die Forderung einzelner Neurologen "Hit hard and hit early!" halte ich persönlich sogar für verbrecherisch, weil medikamentöse MS-Therapien erhebliche Nebenwirkungen haben können, und MS-Verläufe über einen Kamm geschert werden, obwohl es gute Anhaltspunkte dafür gibt, ob eine frisch diagnostizierte MS eher günstig oder eher ungünstig verlaufen wird.

Solche Anhaltspunkte möge nicht ganz zuverlässig sein, aber das rechtfertigt nicht, prinzipiell vom schlimmeren Verlauf auszugehen, wenn man die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente kennt.

W.W.


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