Kurt Goldstein und die Gestalttheorie (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 17.04.2021, 11:05 (vor 24 Tagen) @ W.W.

Nachdem ich jetzt noch einmal darüber nachgedacht habe, war es wohl dieser Gedanke, der mich hinsichtlich von Kurt Goldstein bewegt hatte: Könnte unser Gehirn "plastischer" sein, als wir es bisher angenommen hatten? Es wäre also denkbar, dass sich unser Gehirn, wenn es von Demyelinisierungsherden durchsetzt und geschädigt worden sei, es sich von "gesunden" Hirnbezirken aus neu und anders strukturieren könnte, indem es z.B. Umwege sucht und Sackgassen ausbaut. Das waren ja wohl die Ideen von Moshe Feldenkrais und Sonja Wierk.

Leider kenne ich keine Hinweise darauf, dass das möglich sein könnte, obwohl viele MS-Betroffene große Hoffnungen auf die "Neuroplastizität" gesetzt hatten. Desillusioniert komme ich zu dem Schluss, dass die erhoffte Neuroplastizität eine Hoffnung war, die sich ebenso wenig erfüllt hat, wie es möglich ist, dass ein ausgewachsenes Gehirn eine neue Sprache erlernt, auch wenn es noch so guten Sprachunterricht bekommt.

Warum ich vor vielen Jahren anders gedacht habe? Mich hatten damals die frischen Erkenntnisse der Hirnforschung mitgerissen, dass die Hirnzellen sich zwar nicht teilen, aber deswegen noch lange nicht tot sind, sondern dass in ihren Axonen und Dendriten ein schwer beschreibbares "Leben" vorhanden ist, der jeder Nervenzelle ermöglicht mit anderen Nervenzellen Kontakt aufzunehmen.

Leider scheint diese "Lebendigkeit" in den Nervenfortsätzen nicht auszureichen, damit sich das Gehirn neu erfindet und neu strukturiert, wenn einzelne Bereiche geschädigt wurden.

Ich danke Boggy, dass er mir noch einmal Anlass gegeben hat, über diese alten Gedanken nachzudenken, aber ich muss leider zugeben, dass ich in dieser Richtung keinen erfolgversprechenden Weg mehr sehe.

Das Fazit könnte für mich sein, dass wir wenig daran ändern können, wenn jemand von MS-Herden befallen wurde. Oder ist das zu viel behauptet? Haben wir keinen Einfluss?

Könnten wir nicht verhindern, dass auch, wenn die Anlage zu einer MS seit Jugend in uns steckt, dass sie sich 1. ausbreitet (also schubweise immer neue Hirn- oder Rückenmarksbezirke ergreift), oder könnten wir 2. den Zerstörungsprozess in einem Herd vielleicht rechtzeitig stoppen, dass also das umgebende Hirngewebe den Schaden sozusagen "ausstopft", bevor er zu einer endgültigen Zerstörung geführt hat?

Damit bin ich ungewollt wieder bei einer Immunmodulation, also einer "Beruhigung" unseres Immunsystems gelandet. Also bei dem, was die Autoimmuntheorie der MS behauptet und die Basistherapie erreichen will? Also bei dem, was ich ablehne!

Ich glaube, ich denke anders, obwohl ich weiß, dass das müßige Spekulationen sind: Dass das Immunsystem außer Rand und Band gerät, scheint mir nicht die wirkliche Ursache der MS zu sein, sondern davor muss noch eine andere Ursache liegen?! Wie könnte man sie beschreiben? Vielleicht so: Was wirkt so auf das Immunsystem ein, dass es Fehler begeht und beginnt, körpereigene Zellen wie das Myelin anzugreifen?

W.W.


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