Neues von Gregor (IX) (Straßencafé)

stefan ⌂ @, Berlin, Dienstag, 30.03.2021, 13:57 (vor 44 Tagen)

Es war Frühling geworden. Fast zufällig kam Gregor nach einem langen Winter nun wieder einmal beim Campingplatz vorbei und er staunte. Der Campingplatz war geschlossen. Die meisten Plätze waren abgeräumt worden und man konnte kaum noch die Umrisse erahnen, wo früher Menschen sich hier Raum genommen hatten. Die alte Feldküche war noch da und ihr Besitzer schien fast schon trotzig weiter auch jetzt gerade wieder die immerselbe Suppe zu kochen, auch wenn selbst von Laufkundschaft inzwischen wohl kaum noch die Rede sein konnte. Zwei oder drei weitere alte Stammkunden saßen auch noch still auf ihrem alten Platz in gehörigem Abstand, und auch sie schienen es nicht wahrhaben zu wollen: das große Schild am Zaun der verriegelten Eingangstür: „geschlossen“. Die Karawane war tatsächlich weiter gezogen. „Das Leben ist begrenzt, genau das macht es eben auch so besonders“, fiel es ihm dazu ein, und nicht ohne ein Gefühl von Trauer lief er durch das offene Stück Zaun am Hintereingang, setzte sich zum alten Koch neben die Gulaschkanone, nickte ihm freundlich zu und zog zwei Flaschen Bier aus der Tasche, von denen er eine wortlos seinem Gegenüber reichte.


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