Was sagen uns unsere Träume? (Straßencafé)

W.W. @, Samstag, 06.03.2021, 09:41 (vor 63 Tagen)

Vor langer, langer Zeit, als die Menschen noch abergläubisch waren, haben Hexen oder Schamanen sicher gefragt, was jemand in den Tagen zuvor geträumt hätte, wenn er schwer erkrankt war. Man hatte ja nichts Besseres, und es gehört zur Gründlichkeit einer Behandlung dazu, dass man diese Dinge mit in seine Überlegungen einbezog, und es brachte auch den Respekt zum Ausdruck, den man vor jemandem empfand.

Heutzutage kommt es uns nahezu rührend vor, wenn ein Arzt seinen Patienten so ernst nimmt, dass er möglichst viel über ihn wissen will. Er "betüddelt" ihn, was ja fast soviel heißt, dass er ihn "verzaubert".

Niemand glaubt, dass diese Anteilnahme und dieses Interesse tatsächlich hilft. Helfen tun Penicillin oder ein notwendiger Eingriff (z.B. Blinddarmoperation) und nicht die trostreichen Worte oder die Diät (Dr. Grabow in den 'Buddenbrooks': "Ein wenig Taube und ein wenig Franzbrot.").

Ganz sicher bin ich mir allerdings nicht! Ich müsste es als Arzt ja eigentlich wissen, weiß es aber nicht, wie es sich damals mit den Tuberkulose-Kranken verhielt. Soviel steht fest: Die meisten oder sogar fast alle bekamen Tuberkulose, und die meisten Überlebten sie auch. Auch ohne wirkliche Heilmittel? Warum?

Natürlich starben auch viele, aber gemessen an denen, die leichte, aber eindeutige Tuberkuloseveränderungen in ihren Lungen hatten, überstanden die meisten eine an sich tödliche Erkrankung.

Ich weiß immer noch nicht, warum das so war. Mein Erklärungsversuch ist, entweder hatten die Überlebenden nur wenige Tuberkuloseerreger erreicht, oder ihr Immunsystem war stark genug, um mit den Erregern fertigzuwerden.

Aber ich sehe, so, wie ich angefangen habe mit der Traumdeutung, mit der Diät und der liebevollen Zuwendung, hat das nichts mit dem Überleben der meisten Tuberkuloseerkrankten zu tun.

Auf jeden Fall werden heutzutage Psychotherapie und Diät und liebevolle Zuwendung als etwas abgetan, was nicht schadet, aber sicher auch nicht hilft. Als seien das gutgemeinte Methoden, die dem Deuten von Träumen zu vergleichen seien.

W.W.


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