Was sagen uns unsere Träume? (Straßencafé)

W.W. @, Samstag, 06.03.2021, 09:41 (vor 46 Tagen)

Vor langer, langer Zeit, als die Menschen noch abergläubisch waren, haben Hexen oder Schamanen sicher gefragt, was jemand in den Tagen zuvor geträumt hätte, wenn er schwer erkrankt war. Man hatte ja nichts Besseres, und es gehört zur Gründlichkeit einer Behandlung dazu, dass man diese Dinge mit in seine Überlegungen einbezog, und es brachte auch den Respekt zum Ausdruck, den man vor jemandem empfand.

Heutzutage kommt es uns nahezu rührend vor, wenn ein Arzt seinen Patienten so ernst nimmt, dass er möglichst viel über ihn wissen will. Er "betüddelt" ihn, was ja fast soviel heißt, dass er ihn "verzaubert".

Niemand glaubt, dass diese Anteilnahme und dieses Interesse tatsächlich hilft. Helfen tun Penicillin oder ein notwendiger Eingriff (z.B. Blinddarmoperation) und nicht die trostreichen Worte oder die Diät (Dr. Grabow in den 'Buddenbrooks': "Ein wenig Taube und ein wenig Franzbrot.").

Ganz sicher bin ich mir allerdings nicht! Ich müsste es als Arzt ja eigentlich wissen, weiß es aber nicht, wie es sich damals mit den Tuberkulose-Kranken verhielt. Soviel steht fest: Die meisten oder sogar fast alle bekamen Tuberkulose, und die meisten Überlebten sie auch. Auch ohne wirkliche Heilmittel? Warum?

Natürlich starben auch viele, aber gemessen an denen, die leichte, aber eindeutige Tuberkuloseveränderungen in ihren Lungen hatten, überstanden die meisten eine an sich tödliche Erkrankung.

Ich weiß immer noch nicht, warum das so war. Mein Erklärungsversuch ist, entweder hatten die Überlebenden nur wenige Tuberkuloseerreger erreicht, oder ihr Immunsystem war stark genug, um mit den Erregern fertigzuwerden.

Aber ich sehe, so, wie ich angefangen habe mit der Traumdeutung, mit der Diät und der liebevollen Zuwendung, hat das nichts mit dem Überleben der meisten Tuberkuloseerkrankten zu tun.

Auf jeden Fall werden heutzutage Psychotherapie und Diät und liebevolle Zuwendung als etwas abgetan, was nicht schadet, aber sicher auch nicht hilft. Als seien das gutgemeinte Methoden, die dem Deuten von Träumen zu vergleichen seien.

W.W.

Tuberkulose

Boggy, Samstag, 06.03.2021, 10:03 (vor 46 Tagen) @ W.W.

Ganz sicher bin ich mir allerdings nicht! Ich müsste es als Arzt ja eigentlich wissen, weiß es aber nicht, wie es sich damals mit den Tuberkulose-Kranken verhielt. Soviel steht fest: Die meisten oder sogar fast alle bekamen Tuberkulose, und die meisten Überlebten sie auch. Auch ohne wirkliche Heilmittel? Warum?

Natürlich starben auch viele, aber gemessen an denen, die leichte, aber eindeutige Tuberkuloseveränderungen in ihren Lungen hatten, überstanden die meisten eine an sich tödliche Erkrankung.

Ich weiß immer noch nicht, warum das so war. Mein Erklärungsversuch ist, entweder hatten die Überlebenden nur wenige Tuberkuloseerreger erreicht, oder ihr Immunsystem war stark genug, um mit den Erregern fertigzuwerden.

Sie haben Fragen? Wir helfen gerne! MS-UFOGEL - und die Information fliegt Ihnen zu! :-)

Quelle:
https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/tuberkulose/was-ist-tuberkulose/

"Die Tuberkulose existiert vermutlich seit Menschengedenken als weit verbreitete Erkrankung und begleitet die menschliche Kulturgeschichte wie kaum eine andere Krankheit.

Erste Beschreibungen der klinischen Erscheinungsformen der Lungentuberkulose gehen auf Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) zurück.

Die industrielle Revolution und die dadurch ausgelösten sozialen Veränderungen - vor allem die wachsende Bevölkerungsdichte in den Städten - führten zu einem sprunghaften Anstieg der Tuberkulose im 18. und 19. Jahrhundert.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts starb in Deutschland jeder vierte erwachsene Mann an Tuberkulose. Diese wurde damals auch als die „weiße Pest" bezeichnet. Im berühmten, nobelpreisgekrönten Roman „Der Zauberberg" beschreibt der Autor Thomas Mann sehr anschaulich und eindringlich den Einfluss, den diese Erkrankung auf alle Bereiche des menschlichen Lebens hatte.

In den industrialisierten Ländern hat die Tuberkulose aufgrund des steigenden Wohlstands, der besseren hygienischen und ernährungstechnischen Verhältnisse und nicht zuletzt wegen der seit Mitte des 20. Jahrhunderts zur Verfügung stehenden medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sehr an Schrecken verloren. Die Sterblichkeit infolge der Erkrankung hat dort stark abgenommen.

Dennoch gehört die Tuberkulose neben Aids/HIV und Malaria weltweit immer noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Ein Drittel der Menschheit - das sind etwa zwei Milliarden Betroffene - sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Erreger infiziert, wovon 5-10% an aktiver Tuberkulose erkranken, dabei Männer mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Die überwiegende Mehrheit der Erkrankungen betreffen die armen Länder. "

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Tuberkulose

W.W. @, Samstag, 06.03.2021, 10:10 (vor 46 Tagen) @ Boggy

Ich wusste gar nicht, dass Männer doppelt so häufig an Tuberkulose erkranken wie Frauen. Ich hätte vermutet, es sei umgekehrt. Auch hier stellt sich die Frage: Warum?! Und warum wurde die Tuberkulose gerade zur Zeit der Industrialisierung so gefährlich, dass sie die Betroffenen teilweise tötete?

W.W.

Tuberkulose

sole, Samstag, 06.03.2021, 10:30 (vor 46 Tagen) @ W.W.

Und warum wurde die Tuberkulose gerade zur Zeit der Industrialisierung so gefährlich, dass sie die Betroffenen teilweise tötete?

W.W.

Ich habe keine Ahnung,
aber eine Vermutung

Ist nicht bei der Tuberkulose Isolierung angesagt um Übertragung zu verhindern /vermindern?

Es könnte Parallelen zu Tönnies & Co geben?

Laienmeinung.

Tuberkulose

W.W. @, Samstag, 06.03.2021, 12:13 (vor 45 Tagen) @ sole

Ist nicht bei der Tuberkulose Isolierung angesagt um Übertragung zu verhindern /vermindern?

Es könnte Parallelen zu Tönnies & Co geben?

Laienmeinung.

Ja, das wäre durchaus denkbar!

W.W.

PS: Mit der "Laienmeinung" bin ich vorsichtig geworden, weil ich das Gefühl habe, der Spezialist würde sich zu häufig zu Unrecht damit brüsten, dass er kein Laie sei.

Verquere Schlussfolgerung

Mimmi, Samstag, 06.03.2021, 16:54 (vor 45 Tagen) @ W.W.

" Auf jeden Fall werden heutzutage Psychotherapie und Diät und liebevolle Zuwendung als etwas abgetan, was nicht schadet, aber sicher auch nicht hilft. Als seien das gutgemeinte Methoden, die dem Deuten von Träumen zu vergleichen seien."

:confused:

Genauso wenig wie man somatische und psychiatrische Erkrangsbilder in einen Topf werfen kann, kann man Psychotherapie, Traumdeutung, Diät und liebevolle Zuwendung un einen Topf werfen.

Die Wirksamkeit von Psychotherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) ist doch bei diversen psychiatrischen Erkrankungen gut belegt.

Ihre Behauptung/Schlussfolgerung ist kompletter Unsinn.

Was sagen uns unsere Träume?

schroeder, Montag, 08.03.2021, 16:44 (vor 43 Tagen) @ W.W.

Lieber W.W.,
ich habe lange, sehr lange nichts von ihnen gelesen und weiß natürlich nicht, ob und wie sie ihre sture Schulmedizinmeinung geändert haben und zumindest eine andere Möglichkeit der Heilung in ihrem Denken zulassen.

Mimmi hat natürlich recht, indem sie meint, dass sie zu viel über einen Kamm scheren.
Aber es geht mir nicht darum, sondern was sie davon halten. Mir kommt es so vor, als wenn sie auf dem Weg sind andere Faktoren der Heilung zu akzeptieren oder zumindest ganz vage in Erwägung ziehen. Oder liege ich da falsch?
Sie drücken sich so extrem allgemein aus: " Auf jeden Fall werden heutzutage Psychotherapie und Diät und liebevolle Zuwendung als etwas abgetan, was nicht schadet, aber sicher auch nicht hilft. Als seien das gutgemeinte Methoden, die dem Deuten von Träumen zu vergleichen seien.

Der ewige Streit zwischen dem wissenschaftlichen Sigmund Freud und C. G. Jung findet da wohlmöglich in ihnen statt??? Wäre schön, wenn ich recht habe! Aber ich glaube sie sind noch nicht so weit!!!
VG schroeder

Was sagen uns unsere Träume?

W.W. @, Montag, 08.03.2021, 18:09 (vor 43 Tagen) @ schroeder

Vielleicht sollte ich gar nicht widersprechen?!:confused: Denn eigentlich bin ich gar nicht gegen Psychotherapie, aber es gibt drei Knackpunkte:

1. Der Psychotherapeut neigt dazu, seine eigene Weltsicht auf den Probanden zu übertragen. Das ist das Problem der Lehranalyse, von der Psychotherapeuten behaupten, sie hätten sie erfolgreich absolviert. Ich bezweifele das! Anders gesagt: Kein Psychotherapeut ist ein idealer Psychotherapeut, auch wenn sie das manchmal von sich selbst vermuten. Sie treten immer mit ihren eigenen Problemen an ihre Klienten heran. Das kann man nicht ändern!

2. Psychotherapie dauert und dauert und dauert. Das heißt, sie scheint nie an ihr Ende zu kommen. Das hat viele Grüne: Zum einen gewöhnt sich der Proband oft an seinen Therapeuten. Er kann sogar Entzugserscheinungen entwickeln. Zum anderen gibt es kein verlässliches Kriterium dafür wann eine Psychotherapie beendet ist. Ich glaube sogar, das Freud nie eine erfolgreiche Psychoanalyse durchgeführt hat. Letztens - und möglicherweise nicht ganz unwesentlich - der Psychotherapeut profitiert von seinen Klienten.

Der Hauptpunkt ist jedoch der 3.! Man unterschätzt immer sein Problem. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto unterirdischer wird es. Es ist in aller Regel also nicht einfach so, dass man eine Macke hat, mit seinem Therapeuten darüber spricht und der einem sagt, wie man sie abstellt. Es läuft nie so!

W.W.

Chirurgen sind auch nicht alles Schlächter

Mimmi, Montag, 08.03.2021, 21:50 (vor 43 Tagen) @ W.W.

Vielleicht sollte ich gar nicht widersprechen?!:confused: Denn eigentlich bin ich gar nicht gegen Psychotherapie, aber es gibt drei Knackpunkte:

1. Der Psychotherapeut neigt dazu, seine eigene Weltsicht auf den Probanden zu übertragen. Das ist das Problem der Lehranalyse, von der Psychotherapeuten behaupten, sie hätten sie erfolgreich absolviert. Ich bezweifele das! Anders gesagt: Kein Psychotherapeut ist ein idealer Psychotherapeut, auch wenn sie das manchmal von sich selbst vermuten. Sie treten immer mit ihren eigenen Problemen an ihre Klienten heran. Das kann man nicht ändern!

2. Psychotherapie dauert und dauert und dauert. Das heißt, sie scheint nie an ihr Ende zu kommen. Das hat viele Grüne: Zum einen gewöhnt sich der Proband oft an seinen Therapeuten. Er kann sogar Entzugserscheinungen entwickeln. Zum anderen gibt es kein verlässliches Kriterium dafür wann eine Psychotherapie beendet ist. Ich glaube sogar, das Freud nie eine erfolgreiche Psychoanalyse durchgeführt hat. Letztens - und möglicherweise nicht ganz unwesentlich - der Psychotherapeut profitiert von seinen Klienten.

Der Hauptpunkt ist jedoch der 3.! Man unterschätzt immer sein Problem. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto unterirdischer wird es. Es ist in aller Regel also nicht einfach so, dass man eine Macke hat, mit seinem Therapeuten darüber spricht und der einem sagt, wie man sie abstellt. Es läuft nie so!

W.W.

Herr Weihe das ist kompletter Quatsch!!!

Chirurgen sind auch nicht alles Schlächter! Solch eine Aussage wäre genauso dämlich wie Ihre Kritikpunkte an Psychotherapie.

Sie scheinen hiervon absolut keine Ahnung zu haben.
Ansonsten wüssten Sie, dass es die unterschiedlichsten Therapieformen gibt und Sie wüssten, dass die persönliche Probleme des Therapeuten absolut keine Rolle spielen usw. usw.

Ich konnte es mir nicht verkneifen und habe eben meinem Mann (er ist u.a. Psychotherapeut) Ihr Textlein vorgelesen - Reaktion: Kopfschütteln. Wäre er jetzt nicht erst von der Arbeit gekommen, dann hätte er seinen Senf dazu abgegeben können.

Im übrigen habe ich auch schon persönlich Bekanntschaft mit Psychotherapie gemacht. In meinem Fall war es die kognitive Verhaltenstherapie. Ich hatte ein konkretes Problem und dies wurde sehr gut bearbeitet.

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