Muss man die Bibel neu übersetzen? (Straßencafé)

W.W. @, Freitag, 19.02.2021, 09:44 (vor 7 Tagen)

Ich lese gerade Jörg Zinks "Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen". Das Buch zieht mich an. Jörg Zink war 25 Jahre lang der verantwortliche Redakteur von "Das Wort zum Sonntag".

Er meinte wohl, dass die Bibel auch deswegen nicht mehr gut ankommt, weil sie in einem Luther-Deutsch geschrieben ist, das jungen Menschen heute nichts mehr sagt. Deswegen hat er sie neu übersetzt, was ihm von vielen angekreidet wurde.

Auch ich persönlich halte die Neuübersetzung eher für einen Fehler, weil mir die gewichtigen Luthersätze als Evangele von Kindheit an vertraut sind. Ich weiß nicht einmal, welche Übersetzung die katholischen Gläubigen lesen?!

Ich finde also, man sollte (Wieder dieses Wort!) den Text so lassen, wie er ist ("Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Oder "Es begab sich aber zu der Zeit..."), aber wenn man über ihn spricht, könnte man das ja so tun, dass jeder ihn versteht und sich angesprochen fühlt.

Was hat das mit der MS zu tun? Es gibt eine Kultur, in die wir eingebettet sind, und die hat eine ganze Menge mit unserer Religion zu tun. Sie ist kein unwichtiges Nebenbei.

Ich meine wirklich nicht, man müsse Christ sein, um richtig mit seiner MS umzugehen, überhaupt nicht, denn ich würde mich selbst nicht als Christ bezeichnen, aber ich meine auch, dass es einem helfen könnte, nach christlichen Maßstäben zu leben, wenn man eine MS hat.

Ich weiß, dass viele sagen werden, die Krankheit und die Religion, das seien zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich glaube das nicht. Viel Menschen sind von Jugend an von dieser Religion geprägt worden, warum also sollte (!?) sie uns nicht helfen, mit unserer MS umzugehen.

W.W.

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etwas fühlen, verbalisieren und das was dann ankommt...

agno @, Freitag, 19.02.2021, 11:05 (vor 6 Tagen) @ W.W.

Ist imho, wie auch beim Problem von Francesca, ein Problem im selben Irrgarten.
Ein schwieriges Unterfangen.
Gruß agno

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Christ und Multiple Sklerose

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Freitag, 19.02.2021, 12:39 (vor 6 Tagen) @ W.W.

.

unabhängig von der Bibelübersetzung von "altbacken" bis "zeitgemässe Sprache" liegt es wohl stark am "Bodenpersonal" ob Menschen sich (noch) zu Kirche hingezogen fühlen.

Die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache.
**Kirchenstatistik 2019: Zahl der Kirchenaustritte steigt auf über 500.000**

Die Amtskirchen haben ihre Statistiken für das Jahr 2019 vorgelegt. Insgesamt traten im vergangenen Jahr ca. 540 000 Menschen aus der Kirche aus.

Die Katholischen Kirche verzeichnete demnach einen Anstieg der Kirchenaustritte von 216 078 auf 272 771, aus der Evangelischen Kirche traten 2019 ca. 270 000 Mitglieder aus (Vorjahr 221 338).

aber ich meine auch, dass es einem helfen könnte, nach christlichen Maßstäben zu leben, wenn man eine MS hat.

das ist ein zweischneidiges Schwert:

Nähe, Menschenfreundlichkeit, Liebe
sind sicherlich wichtige und lebensfördernde ANsätze.

Sich unterordnen und gehorchen und sich nicht um sich selbst sondern primär um die Andern kümmern halte ich bei MS jedoch für absolut kontraindiziert

Gibt es eigentlich Statistiken, die die Zahl der Kirchenaustritte in Relation zu den Neudiagnosen der MS setzen ?

Was passiert, wenn ich jetzt aus der Kirche austrete.
Spar ich nur die Kirchensteuer oder werd ich am Ende gesund ?

--
das Geheimnis der Medizin besteht darin,
den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht

Christ und Multiple Sklerose

W.W. @, Freitag, 19.02.2021, 13:15 (vor 6 Tagen) @ naseweis

Es ist nett, dass du geantwortet hast. Was hat die MS mit der Religion zu tun? Wie zweischeidig ist das Messer?

Ich bin nicht sehr esoterisch gestrickt, aber ich denke, es geht irgendwie um Harmonie. Das ist natürlich schlecht formuliert und bedarf einer Interpretation, was ich damit meine.

Aber wenn ich versuche, es besser zu formulieren, wird es noch schwammiger. Auf die Gefahr hin, mich unklar auszudrücken, ich meine, es ist etwas dran, wenn jemand den Maßstab aufgestellt hat, dass es gut ist, dem gestirnten Himmel über mir und dem moralischen Gesetz in mir Rechnung zu tragen.

Ich übersetze das so, dass ich im Firmament über mir die Schönheit der Welt erkenne, und im moralischen Gesetz in mir ein Gefühl, das im Schlusschor der XI. Sinfonie zum Ausdruck kommt: "Überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen."

Ich meine, dass wir ein Gespür dafür haben, dass die Schöpfung und unsere Erde schön sind, und dass alles nicht nur von einem ästhetischen Prinzip, sondern auch von einem moralischen Gesetz geleitet wird.

Ich meine - ohne das statistisch irgendwie belegen zu können -, dass die, die diese Harmonie finden, besser mit jedweder Krankheit zurechtkommen. Und ich glaube auch, dass die Harmonie eine religiöse ist, die nichts Zweischneidiges an sich hat, weil sie nicht überfordert - ganz im Gegenteil.

Das Problem ist vielmehr, dass man sie nicht messen kann, und niemand weiß, ob diese Harmonie den Lohn in sich selbst trägt. Dieser Weg ist also naturwissenschaftlich nicht haltbar, und genau darum geht es mir ja zur Zeit: Könnte etwas helfen, was naturwissenschaftlich uninteressant zu sein scheint?

Ich habe mehr und mehr das Gefühl(!), dass man mit der Naturwissenschaft gut auf den Mars fliegen kann, dass sie im Übrigen aber nicht ausreicht. Meine Vermutung ist, dass wir die MS zu naturwissenschaftlich betrachten. Ich denke, selbst ein Ameisenhafen entzieht sich der naturwissenschaftlichen Denkweise.

Wolfgang

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Weltbild und Krankheit

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Freitag, 19.02.2021, 14:17 (vor 6 Tagen) @ W.W.

.
Ich denk mal im Grunde ist es nicht wichtig "an Was" man glaubt.

Ein gutes Umfeld und empathische Menschen (Freunde, Familie) können das Leben (und die Akzeptanz von Krankheit und auch Tod) leichter machen.

Da ist nicht unbedingt ein christlicher Gott als Öberschter notwendig, das geht auch bei modernen Wikingern, dem Islam und anderen Glaubensgemeinschaften ...

.. und nochmal:
Das Druck machen der Kirchen wie bei Versicherungsvertretern oder Leitlinienneurologen: "Wenn ihr nicht" [wahlweise Lebensversicherung oder Basistherapie einfügen], "dann drohen euch Höllenqualen... " ist kontraproduktiv.

Im alten Testament war die Hölle noch einfach langweilig und keine Qual:
"Kein Tun ist, noch Berechnung, noch Erkenntnis, noch Weisheit im Sheol, wohin du gehen musst“ (Pred. 9,10; nach Buber), und „die Toten aber, sie erkennen nichts, und kein Lohn ist ihnen noch weiterhin, denn vergessen ist ihr Gedenken“ (Pred. 9,5[4]). „Der Herr tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol hinab und führt herauf“ (1. Samuel 2,6).

Später wurde das dann als veritables Machtinstrument eingeführt:

"„Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am jüngsten Tage kommen wird, zu richten, und alle Toten auferwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen." [1530 beschrieben]

Das waren wichtige Verkaufsstrategien, die dann von Leitlinienerstellern und Versicherungsvertretern aufgegriffen wurden.

--
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Weltbild und Krankheit

Zoe @, tieef im Weeeeesten, Freitag, 19.02.2021, 15:22 (vor 6 Tagen) @ naseweis

Später wurde das dann als veritables Machtinstrument eingeführt:

"„Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am jüngsten Tage kommen wird, zu richten, und alle Toten auferwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen." [1530 beschrieben]

Das waren wichtige Verkaufsstrategien, die dann von Leitlinienerstellern und Versicherungsvertretern aufgegriffen wurden.

rofl Sehr treffend!
Zoe

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Still sitzend, nichts tuend, kommt der Frühling und das Gras wächst von allein.
Zhuangzi (chin. Philosoph und Dichter 365 - 290 v. Chr.)

Weltbild und Krankheit

W.W. @, Freitag, 19.02.2021, 18:16 (vor 6 Tagen) @ naseweis

Das wollte ich damit sagen: Man braucht keinen "Öberschten", wenn man im Einklang mit sich selbst und der Welt lebt. Es wäre sogar denkbar, dass man ein gutes Leben führt, ohne Christ, Jude, Mohammedaner oder Buddhist zu sein. Ich könnte mir sogar vorstellen, ohne einen bildlichen Gottesbegriff religiös zu sein.

Wolfgang

Rote Faden?

Mimmi, Freitag, 19.02.2021, 20:12 (vor 6 Tagen) @ W.W.

Wo ist der rote Faden?
- Bibelübersetzung
- Christ und MS
- Marsflüge
- Ameisenhaufen
- Krankheitsbewältigung
- MS
- Kritik an der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise

Ich habe mehr und mehr das Gefühl(!), dass man mit der >Naturwissenschaft gut auf den Mars fliegen kann, dass sie im >Übrigen aber nicht ausreicht.

Aha, also Mithilfe von Religion hoch zu den Sternen?

Meine Vermutung ist, dass wir die MS zu naturwissenschaftlich >betrachten.

Welche Betrachtungsweise schlagen Sie konkret vor?

Ich denke, selbst ein Ameisenhafen entzieht sich der >naturwissenschaftlichen Denkweise.

??? Und ich dachte immer, dass Ameisenhaufen sehr gut erforscht worden seien.


Permanent sagen Sie wie es nicht sein sollte - konkrete Verbesserungsvorschläge bleiben aber aus. Schade!

Ansonsten:
- weitere Bibelübersetzungen halte ich für komplett überflüssig; diese wird es aber wohl immer wieder geben - frei nach dem Motto: Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt

- Glauben und Krankheitsbewältigung: Glauben ist doch per se ein Weg zur "vereinfachten Lebensführung" und somit wird er natürlich auch helfen, Krankheiten besser zu ertragen.

- ich bin strenggläubig erzogen worden und bis heute ist es mir nicht gelungen, mich komplett von den christlichen Normen und Wertvorstellungen zu befreien, worüber sich mein Mann gerne mal amüsiert. MS habe ich trotzdem bekommen. Dann war mein Glaube wohl nie fest/kindlich/tiefgreifend genug. Oder ich habe meine Sünden nicht genug bereut

Was für ein Blödsinn: eine Verbindung zwischen Glaube und MS herzustellen:daumen runter:

Kann es sein, dass Sie einfach ein wenig gefrustet sind?
Erst ein Studium der Medizin (naturwissenschaftlich), dann Weiterbildung zum Neurologen, jahrelang praktiziert und nun sind Sie in Rente und haben u.a. für die Krankheit Multiple Sklerose noch immer kein Erklärungsmodell. Wozu dann all Ihre Arbeit und Bemühungen?

;-) Der Weg ist das Ziel

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woher weht der Wind?

agno @, Samstag, 20.02.2021, 07:14 (vor 6 Tagen) @ Mimmi

Hi Mimmi
Ich glaube das man im reiferen Alter manchmal so ein Gefühl einer Lebensessenz hat.
Normalerweise wird diese als recht intim empfunden. Wolfgang versucht daraus eine allgemeingültige (MS)Regel zu machen und das ohne diese "Essenz" genau fassen zu können.
schwierig
Wo endet die individuelle Weltanschuung und wo dringt er in die Intimspäre seiner Mitmenschen ein und wann wird es etwas peinlich?
Oder ist es deshalb wertvoll, weil sich sonst niemand daran versuchen würde?
gruß agno

--
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Rote Faden?

UWE @, Samstag, 20.02.2021, 10:56 (vor 5 Tagen) @ Mimmi

Mir tut jeder Neurologie in der Seele leid, der sich mit MS-Patienten beschäftigen (muss)

Seit 40 Jahren nur Cortison, Interferon, Baclofen..

Und in dieser Zeit keinerlei Erkenntnisgewinn zu den Ursachen

Wenn ICH den Job hätte wäre ich EXTREM frustriert.

LG
Uwe

--
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Rote Faden?

W.W. @, Sonntag, 21.02.2021, 11:50 (vor 4 Tagen) @ Mimmi

- ich bin strenggläubig erzogen worden und bis heute ist es mir nicht gelungen, mich komplett von den christlichen Normen und Wertvorstellungen zu befreien, worüber sich mein Mann gerne mal amüsiert. MS habe ich trotzdem bekommen. Dann war mein Glaube wohl nie fest/kindlich/tiefgreifend genug. Oder ich habe meine Sünden nicht genug bereut

Das ist eine sehr ernstzunehmende Kritik, denn man könnte ja aus dem, was ich sage, heraushören: Wenn du dich wirklich immer wie ein Christ verhalten hättest, dann wärst du nicht an MS erkrankt!

So formuliert, macht mir dieser Satz Angst, obwohl ich nicht in Abrede stellen möchte, dass es nicht ganz falsch ist, wenn man mir unterstellt, so zu denken.

Was mich an der Behauptung so entsetzlich stört, ist der versteckte Calvinismus, dass man also an dem, wie es einem ergangen ist, ablesen kann, ob man "richtig" gelebt hat. Und wenn man krank geworden ist, dann hat man eben "falsch" gelebt.

Jedes Unglück ist also im Grunde genommen ein Versagen, und jede Krankheit ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass man vom richtigen Weg abgewichen ist.

Je öfter ich mir diesen Satz wiederhole, desto unheimlicher erscheint er mir. Aber liegen die Menschen wirklich falsch, wenn sie sagen, im Grunde würde ich so etwas Ähnliches behaupten?

Wie ich mich auch drehe und wende, ich komme aus der Zwickmühle nicht heraus. Und auch, wenn ich so klug zwischen "Schuld" und "Mitverantwortung" differenziere, ist das ein Herausreden. So erscheint es mir. Aber ich bleibe dabei, dass ich den Gedanken für abstoßend halte. Darum muss er falsch sein.

Ein hässlicher Gedanke ist immer falsch.

W.W.

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Rote Faden? (Schuld&Angst)

agno @, Sonntag, 21.02.2021, 13:32 (vor 4 Tagen) @ W.W.

Man könnte die Argumentation drehen?
Von "Du bist krank weil du falsch lebst" weg
Nach, Du hast in deinem Leben sehr vieles richtig gut gemacht. Du bist irgendwann gestrauchelt. Jeder strauchelt gelegentlich. Wenn das zufällig am Abgrund ist, dann ist das etwas ungünstig.
Insgesammt geht es nicht um Schuld sondern darum um sich soviel zu stützen, um so wenig Hilfe wie möglich, zu benötigen.
Nur böse Menschen nutzen das System Angst.
agno

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MS für Heidenkinder ?? :-(

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Sonntag, 21.02.2021, 14:48 (vor 4 Tagen) @ W.W.

Wenn du dich wirklich immer wie ein Christ verhalten hättest, dann wärst du nicht an MS erkrankt!

Mann, Mann, Mann ....
gibt es da ne Studie von der Glaubenskongregation dazu ??

"Lasst euch taufen und die MS ist weg ?? ":-(

[Ironiemodus off]

Mir hat mal eine Bekannte dringend einen Heilungsgottesdienst mit Handauflegen empfohlen. Heilungschance laut ihrer Angabe 95%. (Hatte Erich Honecker nicht auch solche Zahlen bei den Wahlen?)

Klingt wie bei Coimbra. Und wennste net geheilt wirst biste selber schuld weil du nicht geglaubt hast (Gottesdienst) oder weil du noch Stress in dir hast (coimbra).

Warum fällt mir gerade eine gewisse Parallele zwischen Kirche und Coimbra auf ??? :-(

Ein hässlicher Gedanke ist immer falsch.

W.W.

PS: Glaube kann angeblich Berge versetzen (lt. Bibel),
von Remyelenisierung steht leider (noch) nix in der Bibel.

Der Sonntag Reminiscere ist nicht biblisch, sondern eine Erfindung der evangelischen Kirche. (Reminiscere hat aber leider nix mit Remyelenisierung zu tun)

da fehlt noch eine neue Übersetzung. Wer macht sich drüber ??

--
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Sisyphos hatte es auch nicht leicht

MS für Heidenkinder ?? :-(

W.W. @, Sonntag, 21.02.2021, 16:11 (vor 4 Tagen) @ naseweis

Ich beginne langsam zu begreifen, dass ich mich nicht nur falsch ausgedrückt habe, sondern den Zusammenhang zwischen Lebensweise und MS falsch gesehen habe. Mimmi hat zu Recht darauf hingewiesen.

Ich merke, dass ich mich immer wieder herausgeredet habe mit anscheinend differenzierten Unterscheidungen, aber es waren Worte, nichts als Worte.

Mimmi hat es auf den Punkt gebracht, und ich muss darüber nachdenken. Der Konflikt ist, dass ich tatsächlich immer angenommen habe, wenn jemand "vernünftig" lebt, dass er damit gegen die MS geschützt ist.

Ich habe immer vermieden, das so krass zu sagen, aber eigentlich habe ich es so gemeint.

Als Beispiel (weil ich mir das geschworen habe, immer das mit Beispielen zu belegen, was ich meine): Wenn jemand normallgewichtig ist, nicht raucht, kaum Alkohol trinkt und in seiner Ehe oder seinem Beruf das gefunden hat, was er gesucht hat, dann ist er vor der MS gefeit!

So in etwa habe ich es zwischen den Zeilen zum Ausdruck gebracht, und mich darüber gewundert, dass viele Menschen das als anmaßend empfanden. Jetzt allmählich beginne ich zu begreifen, warum. Ich habe den Menschen etwas unterstellt!

Wolfgang

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unvernünftige MS :-(

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Sonntag, 21.02.2021, 17:21 (vor 4 Tagen) @ W.W.

-> Der Konflikt ist, dass ich tatsächlich immer angenommen habe, wenn jemand "vernünftig" lebt, dass er damit gegen die MS geschützt ist.
...

Wolfgang

Ich kenne so viele "Unvernünftige" die keine MS haben.

Das find ich ja jetzt fast gemein. :-( :-( :-(

So in etwa habe ich es zwischen den Zeilen zum Ausdruck gebracht, und mich darüber gewundert, dass viele Menschen das als anmaßend empfanden. Jetzt allmählich beginne ich zu begreifen, warum. Ich habe den Menschen etwas unterstellt!

--
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MS für Heidenkinder ?? :-(

UWE @, Sonntag, 21.02.2021, 18:32 (vor 4 Tagen) @ W.W.

Lieber Doc

Seien Sie nicht so streng mit sich. shades

Bevor ich MS bekam habe ich es im studentischen Leben jahrelang mal so richtig krachen lassen.
Wir haben gesoffen, gekifft ungesund gegessen, wenig geschlafen...

FAZIT
.. Von meinen Kommilitonen habe NUR ICH MS bekommen..

Alles wird gut

LG
Uwe

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sehr schön gesagt

MO @, Zürich, Sonntag, 21.02.2021, 19:09 (vor 4 Tagen) @ UWE

Bevor ich MS bekam habe ich es im studentischen Leben jahrelang mal so richtig krachen lassen.
Wir haben gesoffen, gekifft ungesund gegessen, wenig geschlafen...

FAZIT
.. Von meinen Kommilitonen habe NUR ICH MS bekommen..


Danke Uwe

Dem kann ich mich nur anschliessen!

--
Ich liebe den Herbst, dank seinen kühleren Temperaturen erwacht mein Geist.

Muss man die Bibel neu übersetzen?

W.W. @, Samstag, 20.02.2021, 10:18 (vor 5 Tagen) @ W.W.

Ich finde es schön, dass man hier die Gelegenheit hat, sich über das auszutauschen, was man gerade gelesen oder gehört hat, ohne andere Menschen damit mit dem zu belästigen, was sie nicht lesen wollen (Rubrik "Straßencafé", Titel "Bibel").

Das hat auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas mit der MS zu tun, sondern bezieht das tägliche Leben und den Frühling mit ein - und auch unsere Hoffnungen und Träume. Dann kann es sogar passieren, dass uns plötzlich etwas vor die Augen tritt, was im weitesten Sinn doch etwas mit der MS, der Krankheit und unserem Bild von ihr zu tun hat.

Ich lese ja gerade die Lebenserinnerungen von Jörg Zink. Er berichtet, wie zur Zeit seines Theologiestudiums mit der Bibel umgegangen wurde, dass sich z.B. niemand Gedanken über die Mythen machte (Garten Eden, Arche Noah), die in die Bibel eingeflossen sind und in ihr eine neue Gestalt bekamen.

Eindrucksvoll fand ich, was er über die sesshaften und die Nomadenstämme im Nahen Osten berichtete. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber in seiner Schilderung hingen die sesshaften Stämme, die den Boden bearbeiteten, eher den Muttergottheiten an, für die das Bewahrende und Schützende im Vordergrund stand, aber dann kamen die kriegerischen und räuberischen Nomaden und brachten ihr männliches Gottesbild, das Krieger beschützt und Eigentum verteidigt.

Das mag alles falsch und unergründbar sein, aber wirft es nicht ein neues Licht auf den Paradiesgarten, die Schlange und den Baum des Lebens? Zumindest dieses, dass die Menschen immer dazu geneigt haben, in ihrer Religion das zu verehren, was für sie besonders wichtig war.

Auch unsere Sicht von der christlichen Religion könnte sich in den letzten Jahrzehnten wieder gewandelt haben, so dass langsam, aber sicher die Sorge um die Schöpfung in den Vordergrund tritt.

So hat sich unmerklich unser Gottesbild verändert, und viele Menschen haben sich von dem, was die Kirchen in ihren "Dogmen" lehren, abgewendet, weil diese ihnen nichts mehr sagen. Keinen Menschen interessiert es mehr, ob die Jungfrau Maria eine Jungfrau war. Alles dreht sich darum, wie wir die Erde erhalten können, die durch Raubbau bedroht wird. Das hat übrigens weniger etwas mit der Sprache als mit ihrem Weltbild zu tun.

Und der rote Faden? Auch das Bild, das wir von der MS haben, könnte sich gewandelt haben. Viele denken, dass die MS eine naturwissenschaftliche Tatsache ist, die immer dieselbe bleibt.

Aber auch das ptolemäische Weltbild war auch eine gut begründete wissenschaftliche Tatsache und wurde dennoch von Kopernikus, Galilei und Kepler umgestürzt, weil die Welt eine andere geworden war und weil auch wissenschaftliche Weltbilder dem Rechnung tragen müssen. Auch die Quantentheorie könnte ein Weltbild sein?!

Wir haben oft darüber gestritten, ob Heinrich Heine oder Lidwina von Schidam MS hatten. Ich bin sicher, dass einer der ersten MS-Kranken Auguste d'Este war, aber ich will es auch nicht ausschließen, dass man vor 300, 400 oder 1000 Jahren gar nicht von einer MS sprechen konnte, weil die MS "aufgetaucht" ist, nicht wie ein neuer Kontinent, der schon immer dagewesen war, sondern sie entstand, wie Lokomotiven und Elektrizität entstanden.

Auch die Elektrizität hatte es übrigens immer schon gegeben. Daran sieht man, wie fraglich die Unterscheidung von "erfinden" und "entdecken" sein kann.

In der Hoffnung, meinen Überlegungen etwas von ihrer Peinlichkeit genommen zu haben,

W.W.

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Anderer Ansatz die Bibel neu zu übersetzen

UWE @, Samstag, 20.02.2021, 10:49 (vor 5 Tagen) @ W.W.

Ich finde in diesem Zusammenhang die Arbeiten von Günter Schwarz interessant, der sich mit der Rückübersetzung der Bibel aus dem Aramäischen befasst.

Rückübersetzung der Bibel

Zitat
.. Rückübersetzung
Wegen der unter beschriebenen zum Teil schwerwiegenden Fehler der ältesten bekannten griechischen Vorlagen für unser heutiges Neues Testament, hat Günther Schwarz versucht, den aramäischen Urwortlaut wiederherzustellen. Und zwar durch eine spezielle Technik, die von bestimmten Grundannahmen der Rede- und Lehrweise Jesu ausgeht. Aber lassen wir Günther Schwarz selbst zu Wort kommen. Die nachfolgenden Auszüge – leicht gekürzt und an wenigen Stellen geringfügig umgestellt – stammen aus einem bis zu seinem Tod unveröffentlichten Werk aus dem April 2007 mit dem Titel „Jetzt hilft nur noch die Wahrheit – Was Jesus wirklich meinte. Ein Handwörterbuch über den Sprachgebrauch Jesu“. Sie stammen aus dem Teil, der – in einer gesonderten Datei gespeichert – wohl dessen Einführung bilden sollte. [Vorbemerkung der Herausgeber dieser Internetseite]


Ein interessanter Ansatz aber mit MS hat das mal gar nichts zu tun, imho

LG
Uwe

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W.W. @, Samstag, 20.02.2021, 11:03 (vor 5 Tagen) @ UWE

Ja, diese "Kirchenkrankheit" bemängelte auch Jörg Zink. Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns von einem mehr oder weniger guten Übersetzung aus einer mehr oder weniger gut bekannten Sprache, die in einem mehr oder weniger gut bekannten Umfeld gesprochen wurde, befreien könnten.

W.W.

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Muss man die Bibel neu übersetzen?

UWE @, Samstag, 20.02.2021, 11:06 (vor 5 Tagen) @ W.W.

Ich fand in diesem Zusammenhang interessant, dass Jesus bei seinen Predigten angeblich aramäisch gesprochen hat.
Ob das wirklich so war, da bin ich noch nicht näher eingestiegen.

LG
Uwe

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Muss man die Bibel neu übersetzen?

W.W. @, Samstag, 20.02.2021, 13:00 (vor 5 Tagen) @ UWE

Wenn ich mich recht entsinne, hatte Naseweis angesprochen, dass es möglicherweise nicht darauf ankomme, was Jesus genau gesagt hätte?! Das mag manchem eine Zumutung erscheinen, aber ich persönlich glaube auch, dass es unsinnig wäre, anzunehmen, man könne Jesu Worte, wenn er sie im Aramäischen und in ganz anderer Umgebung gesprochen hätte, ins Deutsche übersetzen: traddutore - traditore.

Die Botschaft ist nicht der wortwörtliche Text, sondern wie wir sie verstehen. Ich weiß, dass das unakzeptabel klingt. Es ist wie Musik, die sich in keine Sprache der Welt übersetzen lässt.

Aber man streitet sich wohl immer noch über die "Transsubstantiation", ob also Blut tatsächlich in Wein verwandelt werden kann.

Mir steht es nicht zu, mich darüber lustig zu machen, und ich erkenne, dass das Problem ein ewiges ist, nur meine ich, es müsste um Gottes Willen überwunden werden.

Ich glaube, beide Kirchen können das nicht. Warum eigentlich nicht? Es muss einen tiefen Grund haben, den ich als Laie nicht ermessen kann. Aber mir als Evangelen ist auch der Zölibat fremd. Der Unterschied ist: Ich verurteile ihn, ohne dafür eigentlich das Recht zu haben.

Aber man sieht, wie mächtig Wörter sind. Es ist eine merkwürdige Sache, dass man das Wort als so wichtig erachtet, dass man sich jahrhundertelang darüber erbittert streiten kann. Als ginge es um das Himmelreich.

W.W.

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Die Sprache ans Leben anpassen

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Samstag, 20.02.2021, 16:23 (vor 5 Tagen) @ W.W.

.
... zur besseren Verständlichkeit.
Das muss man nicht neu übersetzen.
Da muss man vielleicht bestimmte Begriffe austauschen, dabei aber den Kontext wahren.

Wenn ich mich recht entsinne, hatte Naseweis angesprochen, dass es möglicherweise nicht darauf ankomme, was Jesus genau gesagt hätte?!

Das hab ich so nicht gesagt.


Die Botschaft ist nicht der wortwörtliche Text, sondern wie wir sie verstehen. Ich weiß, dass das unakzeptabel klingt. Es ist wie Musik, die sich in keine Sprache der Welt übersetzen lässt.

ja, ich hatte ja schonmal auf das "Evangelium der Bauern von Solentiname" von Ernesto Cardenal hingeweisen, wo die Menschen im Gespräch sich über die Bibel austauschen, ihrer ganz persönliche Lebenssituation nach zu unterschiedlichen Bewertungen der Botschaft kommen.

Du hattest dir das glaub ich damals auch direkt gekauft.
Alle anderen können, wenn sie Interesse haben, das bei zvab gebraucht finden.

Leider ist Cardenal im Frühjahr 2020 gestorben

. Der Unterschied ist: Ich verurteile ihn, ohne dafür eigentlich das Recht zu haben.

Ich würde den Zölibat freistellen.
"Wer es fassen kann, der fasse es"

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Die Sprache und das Leben

agno @, Samstag, 20.02.2021, 17:22 (vor 5 Tagen) @ naseweis

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/polemik-protest-polizei-ein-aufsatz-zum-genderstern-und-was-er-ausloeste/26917508.html

"...Sprachgebrauch sei „latent manipulativ, unausgewogen, latent ideologisch, polarisierend und zudem an falscher Stelle sprachsensibel“..."


Ich frage mich: Was hätte ich, wenn eine fehlerhafte Übersetzung gefunden wäre?
Möglichkeit a: Den kirchlichen Dogmatismus aufgebrochen?
Möglichkeit b: Mich länger mit der Bibel und den guten Zielen des Lebens, beschäftigt?
Möglichkeit c: Ganz einfach die "Kirche" wieder ins Gespräch gebracht. Die Eingesessenen ändern sich nicht mehr und den "Klug-flexibeln" ist das eh egal.

agnangel smile

--
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