Theologie und Seele - das war ungeschickt formuliert! (Straßencafé)

W.W. @, Dienstag, 16.02.2021, 08:05 (vor 9 Tagen)

Man ahnt etwas, weiß aber nicht genau, was es ist, und man irrt beim Suchen. So jedenfalls geht es mir, weil ich den Eindruck habe, dass wir uns in einer tiefen Krise befinden und nicht wissen, wo der Ausweg ist.

Es geht um meinen Platz in der Welt. Ob ich mich von Krokodilen, Vogelspinnen, Fledermäusen, Ameisen, Mücken, Bakterien und Viren umzingelt fühle, derer man mit Antibiotika, Impfungen, Gen-Scheren und Insektiziden Herr werden kann, oder ob sich dieser Weg, der ja auch ein Weg des Fortschritts und der Beherrschung ist, als Irrweg erweisen könnte.

Ich meine das nicht als Lösung - weil ich die nicht kenne -, aber zunächst einmal könnte da der Traum von einer neuen und ganz anderen Partner- und Gemeinschaft sein, das hat ja religiöse Züge und betrifft auch unsere Psychologie, und dennoch ist das, was ich mir etwas wirr vorstelle, etwas anderes als Religion und Seelenheilkunde, es ist eine andere Art, mit sich und der Welt umzugehen, möglicherweise auch eine andere Art, mit der Krankheit umzugehen, weil sie sich als etwas herausstellen könnte, was naturwissenschaftlich nicht zu besiegen ist.

Ich meine das auch nicht romantisch, aber sicher hat es etwas mit einer neuen Kultur zu tun, einem Innewerden der Natur und damit auch der Menschen um uns herum. Es geht um eine neue Einstellung und nicht ein Therapieverfahren. Vielleicht die Einstellung, dass wir kein Lust haben, in Großstädten zu leben, in Krankenhäusern zu sterben, den Tod zu fürchten wie die Pest, religiöse Verbundenheit mit Märchen und Mythen zu verwechseln und im Anderen den Rivalen zu sehen, sondern - und das klingt ziemlich romantisch - ... Aber wenn ich es sagen soll, fehlen wir die Worte.

Ich glaube, wir sind nicht individuell in eine Krise geraten, die psychotherapeutisch zu behandeln ist, sondern insgesamt als Gesellschaft, die ihre Wurzeln verloren hat.

Furchtbar - fruchtbar? Was ich vor Augen hatte, war das "öde Land" von T.S- Eliot.

W.W.

PS: Einen heiklen Punkt hatte ich nicht angesprochen: Hat unsere Lebensweise etwas mit dem Kapitalismus zu tun? Ich bin sicher, dass es so ist, meine aber eher, dass der Kapitalismus weniger eine Ideologie als eine falsche Lebenseinstellung ist.

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ungeschickt formuliert und trotzdem auf dem Holzweg imho

agno @, Dienstag, 16.02.2021, 09:16 (vor 9 Tagen) @ W.W.

Wolfgang, nach meiner Meinung bist Du auf einem Holzweg :-(
Ja, jeder der Augen hat und ehrlich ist, sieht dass da in der Medizin einiges schief läuft. Sich deshalb der Zukunft zu verweigern, kann es aber kaum sein.
Gruß agno

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Gschafft ist aber noch nix

ungeschickt formuliert und trotzdem auf dem Holzweg imho

W.W. @, Dienstag, 16.02.2021, 09:42 (vor 9 Tagen) @ agno

Ich bin erstaunt, lieber Agno, ich habe jedes Wort verstanden!!!

Was das Gegenteil einer Kritik ist, denn ich finde es nicht schlecht, wenn man jemanden versteht!

Ob ich auf dem Holzweg bin? Bestimmt, denn ich habe keine Ahnung, was der richtige Weg ist. Ich glaube, den gibt es auch nicht, denn was wir hier besprechen, sind ja keine normierten Denksportaufgaben, sondern ein Grübeln und Nachdenken, das seinen Weg erst im Dialog findet.

Ich kenne übrigens kaum ein statement, das so falsch ist, dass es sich nicht lohnt, darüber nachzudenken. Und auch der Fortschritt hat es nun einmal an sich, dass er leicht überschätzt wird: Ich erwähnte Staudämme, Insektizide, Penicillin, Dynamit und Kernkraftwerke.

Nein! Wir Menschen können nicht auf den Fortschritt verzichten, aber wir sollten bedenken, dass es viele Arten von Fortschritt gibt: Atombomben, Dynamit, Panzer und Bomber auf der einen Seite, und Wasserräder, Windmühlen, Glühbirnen und Händedesinfektion auf der anderen.

Ich glaube nicht, dass die, die dem Fortschritt kritisch gegenüberstehen, gegen jeden Fortschritt sind, ich fürchte aber, allzu leicht geht ihnen das Gespür dafür verloren, was ein guter und was ein brandgefährlicher Fortschritt ist - und die, die das am wenigsten entscheiden sollten, sind Profiteure.

Die Wahrheit hat es so an sich, dass sie schwer zu entdecken ist.

Wolfgang

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Danke / oT

agno @, Dienstag, 16.02.2021, 13:06 (vor 8 Tagen) @ W.W.

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Gruß agno

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Gschafft ist aber noch nix

Ohne Revolution!

W.W. @, Dienstag, 16.02.2021, 13:56 (vor 8 Tagen) @ agno

Das Bild habe ich jetzt zwar wieder nicht verstanden?! Aber Jakobine hat das angesprochen, worum es mir geht: Es geht darum, einen neuen Weg zu finden. Ich habe ganz persönlich das Gefühl, dass wir uns an eine Lebensweise gewöhnt haben, die wir zwar wie die Betäubung beim Zahnarzt nicht missen möchten, uns aber dennoch von einer "natürlichen" Lebensweise entfernt hat, indem wir wie selbstverständlich Auto fahren, in den Urlaub fliegen, im Winter Erdbeeren essen und sonntags nicht in die Kirche gehen.

Niemand muss sich dafür rechtfertigen, aber man könnte - auch wenn man kein Miesepeter ist - innehalten und sich fragen, ob uns nicht durch diese Lebensweise möglicherweise etwas verloren gegangen ist, was wir gar nicht bemerkt haben: Familienzusammenhalt, Spiel, Gespräch, grüblerische Gedanken über Leben und Tod, Skepsis den Konzernen gegenüber...

Kaum noch vorstellbar, dass jemand ein Rilke-Gedicht liest und mit jemandem darüber spricht. Wir könnten, wenn wir wollen, kein Fleisch mehr kaufen, das aus einer Massentierhaltung stammt, keine T-Shirts, deren Produktionsweise uns nicht koscher erscheint, keinen Kaffee, der uns zu billig ist, auf Plastiktüten verzichten, weniger fliegen und weniger Autofahren, mehr Spazierengehen und Fahrradfahren...

Wir könnten so viel tun. Das meinen vermutlich Jakobine und ich, wenn wir von einem neuen Weg sprechen. Das mag alles so harmlos klingen, aber das ist es keineswegs, denn auf diesem Weg werden wir dem Fortschritt und der Industrie großen Schaden zufügen, und wir werden auf Wohlstand verzichten müssen, weil ein einfacheres Leben uns auch für den Konsum uninteressanter macht.

Wir werden anfangen, uns gegenüber den Julia Klöckners und Theo Altmeyers zu verschließen! Es wird sich eine ganze Menge ändern. Ohne jede Revolution. Vielleicht wird das alles sogar, unsere Wirtschaft mehr umkrempeln, als Corona es tut.

Wolfgang

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Weltflucht, ungeschickt formuliert!

agno @, Dienstag, 16.02.2021, 09:33 (vor 9 Tagen) @ W.W.

Es geht um meinen Platz in der Welt. Ob ich mich von Krokodilen, Vogelspinnen, Fledermäusen, Ameisen, Mücken, Bakterien und Viren umzingelt fühle, derer man mit Antibiotika, Impfungen, Gen-Scheren und Insektiziden Herr werden kann, oder ob sich dieser Weg, der ja auch ein Weg des Fortschritts und der Beherrschung ist, als Irrweg erweisen könnte.

1. Halte ich es für müssig, den eigenen Platz in der Welt genau um die Dinge herum zu definieren, die erstens schief laufen und die man zweitens nicht selbst beeinflussen kann.

2. Halte ich das was du beklagst nicht für den Fortschritt an sich, sondern für eine unangenehme Folge, verursacht durch ungesunden und unnötigen Wettstreit.

3. Pflegt mein alter Herr zu sagen: Der Fortschritt macht zwar nicht alles besser, aber er gewinnt immer. Es bringt nichts sich ihm zu verweigern.

4. Bringst Du verschiedene Themen in Zusammenhang, was im Endeffekt sehr oft zu Zwist führt.


gruß agno

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Weltsicht

Jakobine, Dienstag, 16.02.2021, 12:56 (vor 8 Tagen) @ agno

Hallo agno, ich gehe mal davon aus, dass Dir die Philosophie nicht nahe steht und Du wenig weißt von den philosophischen Fragen und dem Denken.
Denn ohne diese Grundlage ist es müssig das Wort Streit zu benutzen, denn die Philosopie hat sehr viele Richtungen und die Fragen zum Leben sind überaus vielfältig. So wie Du sie nicht verstehen und nachvollziehen kannst und evtl. nicht willst.
Ich habe mich einige Zeit damit intensiv beschäftigt, hat mir einiges gebracht für meine Fragen an das Leben.
Muss jedoch nicht jeder tun.
Ich sehe es auch so, wie W.W. dass wir eine andere Form des Lebens suchen müssen und akzeptieren müssen, dass wir ebenso tierischen Ursprungs sind. Der Mensch hat sich zwar weiterentwickelt und hat auf der Welt eine Vormachtstellung errungen , die uns gerade als Bummerang auf unsere Lebensweise zurückschlägt. Die Viren und Bakterien sind weit aus überlebensfähiger als wir. Da hilft auch langfristig keine Impfung und keine Technik.
Zur Frage zum Kapitalismus, ist der Grund für unsere Misere? Sicher gehört der Kapitalismus und der globale Wettstreit und Handel dazu, dass wir immer mehr von dem verlieren, was uns lieb und teuer ist. Aber schon im Mittelalter hat es eine Wirtschaftsweise gegeben, die man kapitalistisch nennen kann, schon vor Marx. Diese Denkweise ist in den Menschen schon länger verwurzelt.

Möglicherweise sind diese Gedanken für einige nicht erfreulich und führen weg vom kleinen Leben, obwohl die philosopischen Fragen auch hier einen Ort haben, anderen helfen sie, bestimmte Entwickungen miteinzuordnen.

Deshalb ist es fehl am Platz, wenn Du W.W. "ungeschickt formuliert" vorwirfst, da ihr auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert und Du weit ab bis von der Philosopie. Eben bodenständig. G. Jakobine

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Weltsicht -> "Wir sollten" (außer ich)

agno @, Dienstag, 16.02.2021, 14:29 (vor 8 Tagen) @ Jakobine

Wir sollten jede Menge
auch noch...

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Weltsicht -> "Wir sollten" (außer ich) /P.S.:

agno @, Dienstag, 16.02.2021, 16:40 (vor 8 Tagen) @ agno

Keine Einfamilienhäuser bewohnen,
kein Fleisch essen,
nicht fliegen,
kein Auto fahren,
keinen Alkohol trinken,
nicht rauchen,
regelmäßig Sport treiben,
weniger süßes und weniger salzig essen,
selbst & regional & Bio kochen,
gutes tun,
reparieren anstelle von neu kaufen,
ökologisch investieren,
die Altersvorsorge ansparen,
uns zeitlebens bilden,
genügend schlafen,
to be continue...

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Retromanie

Mimmi, Mittwoch, 17.02.2021, 00:09 (vor 8 Tagen) @ W.W.

Wer sich die Zahlen/Daten/Statistiken anschaut, der müsste eigentlich zu der Schlussfolgerung gelangen: "Früher war nicht alles besser".
z.B. https://www.google.com/amp/s/amp.focus.de/wissen/mensch/psychologie/wir-sind-zu-pessimistisch-frueher-war-alles-besser-warum-diese-aussage-voellig-...

Doc Weihe außerdem müsste Ihnen doch klar sein, wie trügerisch/selektiv unsere Erinnerungen sein kann?

Und zur Erinnerung, da Sie so gerne in der Vergangenheit schwelgen: Nostalgie galt früher als Krankheit
https://www.google.com/amp/s/www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2020/07/frueher-war-alles-besser-die-guten-schlechten-seiten-der-nostalgie/amp

Na ja, vielleicht waren Sie heute einfach mal pessimistisch gestimmt.

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Philosophie manipulativ

agno @, Mittwoch, 17.02.2021, 06:39 (vor 8 Tagen) @ Mimmi

Hi Mimmi
Mich stört diese Sehnsucht nach alten Zeiten weniger. Was mir Bauchschmerzen bereitet ist ein gefühlter Missbrauch der Philosophie. Dieses verflixte "wir sollten"! Mit einem vorwurfsvollen gedachten;"Du solltest"!
Wäre das ernst gemeint gewesen, würden die Protagonisten ihren Anteil an der Weltrettung bloggen. :-D
Ich würde mal den Familienvorstand sehen wollen dem Berichtet wird, dass man mal wieder das Bad putzen sollte, während der Meckerer seine Socken im Gang fallen lässt.
Gruß agnrofl

P.S.: Eventuell könnte darüber nachgedacht werden, dass jeder Mensch einen Kompromiss macht, zwischen dem was ihm wichtig ist und dem was ihm möglich erscheint. Thema Gesundheit genauso wie Thema Weltrettung.
Insofern impliziert der Zeigefinger ein übergriffiges: An meinem Wesen soll die Welt genesen.
Der Wiederspruch geht weniger an die Sache, sondern eher daran dass man sich an dieser Baustelle schon ausgetobt hat und eigentlich kein Bedarf an zu kurz gedachten Klugscheißereien empfindet.

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Philosophie

Jakobine, Mittwoch, 17.02.2021, 12:21 (vor 7 Tagen) @ agno

Ich frage mich, woher das "sollte" gekommen ist. In meinem Beitrag habe ich zweimal müssen geschrieben. War nicht gut, aber kommt halt vor.

Das mit den Klugscheißern interpretiere ich nicht. Allerdings ist Philosopie keine Nostalgie. Denn es gibt sie schon seit der Antike.

Um das mal auf den heutigen Level zu bringen, eben bodenständig, hier ein Beispiel aus der Medizin. War die Abrechnung nach den Liegezeiten im Krankenhaus besser als die Abrechnung über die DRGs bzw. über die Fallpauschalen.

Beide Ansätze haben was gutes und was schlechtes. Bei den Liegezeiten wurde niemand nach einer OP nach kurzer Zeit wieder nach Hause entlassen, im Gegesatz dazu wurde u. U. das Wochenende rangehängt, wo der/die PatientIn bereits nach dem Krankheitsverlauf nach Hause gekonnt hätte.

DRGs haben dazu geführt, das Krankenhäuser gewinnträchtige OPs bevorzugen (Knie-, Hüfte, Herzschrittmacher etc.) und haben die Ökonomierung des Gesundheitswesen indirekt mitbegründet. Aufgrund der Fallzahlen, die bei der Durchführung bestimmter OPs erforderlich sind, ist ein Qualitätsmerkmal durch Erfahrung eingeführt worden.

War das alte Modell der Liegezeiten besser als die DRGs?

Grüße Jakobine

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Philosophie

agno @, Mittwoch, 17.02.2021, 13:01 (vor 7 Tagen) @ Jakobine

Nunja, ich spreche der Philosophie die Vollwertigkeit ab!
Nicht das Menüe das satt macht, sondern das Gewürz welches Herz und Seele erfreut.
Sind meine Grundbedürfnisse gestillt, dann ist mir Philosophie ein Bedürfnis.
Insofern halte ich es für essenziell, den Einstieg in einen philosophischen Gedankengang leicht und einladend zu gestalten.
Gruß agno
P.S.: Gelegentlich wird Philosophie als emotionale Körperverletzung empfunden. Als verletzende Verharmlosung.

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Philosophie leicht und einladend

Jakobine, Mittwoch, 17.02.2021, 14:26 (vor 7 Tagen) @ agno

Ich finde in diesem Zusammenhang Richard David Precht sehr gut. Er ist ab und an im Fernsehen, leider meistens nachts ca. 24.00 Uhr und führt ein philosopisches Gespräch mit interessanten GesprächtspartnerInnen. Da es so spät ist, kann man es sicher in der Mediathek des ZDF oder 3Sat finden. Er ist leicht verständlich und lebensnah.

"Erkenne die Welt" ist ein Buch über die Geschichte der Philosophie von der Antike bis ins Mittelalter "Erkenne Dich selbst" 2. Band "Sei Du selbst" 3. Band und "Mache die Welt" 4. Band (die Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts), das im Dez. 2021 rauskommen wird. Sozusagen viel Stoff. Wäre für mich was eher zum Nachschlagen.

Sein letztes Buch ist über die "Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens" habe ich meinem Mann zu Weihnachten geschenkt G.Jakobine

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