Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein? (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 19.01.2021, 19:25 (vor 36 Tagen)

Ich habe es mir lange hin und her überlegt, ob ein mRNA-Impfstoff nicht doch ein Riesenfortschritt für MS-Betroffene sein könnte. Ich will erklären, warum und beziehe mich zunächst einmal auf die aktuelle Corona-Impfung:

Bei herkömmlichen Impfstoffen ist es so, dass ein abgeschwächter oder inaktivierter Krankheitserreger injiziert wird, z.B. damals beim Pockenvirus.

Dabei passierte es anfänglich, dass man das Pockenvirus, das man für schwach hielt, in einen Gesunden injizierte, es sich hier aber als aggressiv herausstellte. Dieses Risiko wurde erst beseitigt, als Jenner mit „Kuhpocken“ impfte, die erstaunlicherweise auch die richtigen Pocken verhinderten.

Bei der mRNA-Impfung ist es anders: Es handelt sich nicht um ganze abgeschwächte oder inaktivierte Krankheitserreger, sondern um kleine unschädliche Bruchstücke des Covid-19-Virus, z.B. die Antennen, die sich an seiner Außenseite befinden.

Das Entscheidende ist also, dass der mRNA-Impfstoff ungefährlich ist. Er besteht also aus einem mRNA-Strang, der von Lipiden umhüllt wird, die dafür sorgen, dass der Impfstoff unversehrt in die Zelle, also z.B. in eine Antigen-präsentierende Zelle (APZ) gelangt. Dort produziert er Immunogene, das sind die Antigene, die von der APZ an ihre Oberfläche transportiert und dort den Immunzellen präsentiert werden, die dann die schädlichen Viren an ihren z.B. Antennen erkennen und sie eliminieren.

Der 2. Vorteil ist, dass diese Substanz anders als die üblichen MS-Medikamente nicht das ganze Immunsystem unterdrückt, sondern spezifisch die angreifenden Erreger.

Ocrelizumab (OcrevusR) ist ein monoklonaler Antiköper. Die ursprüngliche Substanz (RituximabR) führte zu einem massenhaftes Zerplatzen von B-Lymphozyten mit Freisetzen ihrer Botenstoffe, was zu heftigen Nebenwirkungen führte).
Fingolimod: Das ist eine Substanz, die den Übertritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten in die Blutbahn verhindert. (siehe W. Weihe „Multiple Sklerose" (2020)

3. glaube ich nicht, dass der Impfstoff in die DNA eingebaut werden kann.

Der Mechanismus scheint mir sehr ausgeklügelt zu sein. Gibt es auch Nachteile? Ich sehe zwei:

1. könnten sich die Erreger so verändern (mutieren), dass der Impfstoff nicht mehr wirkt, und

2. könnte sich der Erreger so verändern, dass er immer harmloser wird, dass es sich also gar nicht mehr lohnt, dagegen zu impfen.

Und was ist der besondere Nachteil eines mRNA-Impfstoffs bei der MS?

Es wurde lange Jahre vermutet, es sei nur eine Frage der Zeit, bis man das „MS-Antigen“, weil man meinte, die "oligoklonalen Bande" seien die Antikörper und es müsse doch ein Leichtes sein, das dazugehörige Antigen zu finden.

Das hat sich als Irrtum herausgestellt, und wir kennen das MS-Antigen“ immer noch nicht, aber es erscheint sehr sicher, dass es nichts mit dem Stoff zu tun hat, der bei Mäusen die EAE verursacht. Die MS ist keine EAE!

Dennoch erscheint mir der ganze Mechanismus so kompliziert zu sein, dass ich mir unsicher bin, alles richtig verstanden zu haben und darum eine Diskussion begrüßen würde.

W.W.

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BioNTech Aktie: Denn sie wissen, was sie tun!, meint Claudia Wallendorf

agno @, Dienstag, 19.01.2021, 21:22 (vor 36 Tagen) @ W.W.

https://www.finanztrends.info/biontech-aktie-denn-sie-wissen-was-sie-tun/

"...BioNTech wolle demnach „Wegbereiter für individualisierte Immuntherapien“ sein. Ein Feld, auf dem die Nachfrage so schnell nicht abreißen dürfte. Oder anders ausgedrückt: Das hört sich nach einem erfolgreichen Geschäftsmodell an."

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

Michael27, Mittwoch, 20.01.2021, 11:12 (vor 36 Tagen) @ W.W.

Hallo Herr Weihe,

ich zitiere ausnahmsweise mal etwas länger, und zwar die entscheidenden 3 Absätze aus der BioNTech-Pressemitteilung vom 7. Januar. Dabei markiere ich die aus meiner Sicht entscheidenden Sätze fett und in rot:

"In der Studie wurde ein entzündungshemmender Nanopartikel-mRNA-Impfstoffkandidat, der für ein MS-assoziiertes Antigen kodiert, per Infusion an Mäuse mit experimenteller Autoimmun-Enzephalomyelitis (EAE) verabreicht. EAEs sind klinisch relevante Mausmodelle für humane MS. Der mRNA-Impfstoffkandidat wurde so konzipiert, dass er das kodierte Zielantigen, welches mit der Autoimmunkrankheit assoziiert ist, zu Antigenpräsentierenden Zellen in den Lymphknoten im ganzen Körper liefert, wobei eine Entzündungsreaktion vermieden wird. Dies ermöglicht eine körperweite Präsentation der Zielantigene in Lymphgeweben, wodurch eine Immuntoleranz gegen diese Antigene induziert wird.

Der Impfstoff konnte in allen untersuchten EAE-Mausmodellen eine symptomatische Krankheit verhindern oder, in Mäusen mit bestehender Krankheit im Frühstadium, das Fortschreiten der Krankheit verhindern und motorische Funktionen wiederherstellen. Die Infiltration von pro-inflammatorischen Effektor-T-Zellen (Teff) in Gehirn und Rückenmark sowie die De-Myelinisierung des Rückenmarks wurden deutlich reduziert. Diese Effekte wurden durch die Induktion krankheitsunterdrückender regulatorischer T-Zellen (Treg) erzielt, welche sich ausschließlich gegen das Impfstoff-kodierte Antigen
richten. Weiterhin induzierten die Treg-Zellen in allen MS-Mausmodellen einen starken, immunsuppressiven „Bystander“-Effekt. Dies bedeutet, dass die Treg-Zellen, einmal durch ihr Ziel-Antigen aktiviert, bei komplexen Erkrankungen auch Teff-Zellen, die gegen andere Antigene gerichtet sind, im entzündeten Gewebe unterdrücken können. Dies ist ein essenzieller Faktor, um auch polyklonale Erkrankungen, die auf verschiedenen, zum Teil
unbekannten Antigenen basieren, sowie um die inter-individuelle Heterogenität zwischen einzelnen Patienten adressieren zu können.

Wichtig ist, dass der präklinische Impfstoffkandidat keine Immunreaktionen gegen andere, Nicht-Myelin-Antigene (z. B. Antigene des Influenza-Impfstoffs) unterdrückt hat und somit in den Untersuchungen eine der zentralen Herausforderungen bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen adressiert: die Induktion einer unspezifischen, systemischen Immunsuppression. Des Weiteren führte der Impfstoffkandidat auch nach wiederholter
Verabreichung nicht zur Entstehung von Autoantikörpern gegen das Zielantigen. Dies ist eine weitere potenzielle Herausforderung aktueller Autoimmuntherapien, die letztendlich dazu führen könnte, die Krankheit zu verschlimmern. Insgesamt verdeutlichen diese ersten Ergebnisse zur Immunantwort zusammen mit der Flexibilität des mRNA-Ansatzes, die es ermöglicht, individuelle Antigene der Patienten zu adressieren, das große Potenzial von mRNA-basierten Therapeutika für die Behandlung von hochkomplexen und seltenen Autoimmunerkrankungen.
"

Ich fasse die Knackpunkte aus meiner Sicht zusammen:
- körperweite Verbreitung des mRNA-Impfstoffs
- die mRNA enthält den Code für ein vermeintliches MS-Antigen
- das MS-Antigen wird körperweit in den Zellen produziert
- Treg-Zellen werden aktiv und unterdrücken die Teff-Zellen, die bei der MS überreagieren
- die Treg-Zellen unterdrücken auch Teff-Zellen, die gegen andere Antigene aktiv sind ("Bystander"-Effekt; sehr wichtig, da bisher kein MS-Antigen gefunden wurde und es sich vermutlich um eine komplexe Kombination von mehreren MS-Antigenen handelt)
- keine Immunreaktion gegen andere Nicht-Myelin-Antigene (daher keine diffuse pauschale Immunsuppression)
- keine Entstehung von Auto-Antikörpern gegen das Zielantigen (und damit keine potentielle Verschlimmerung der MS-Erkrankung)

Ich hoffe, ich habe in etwa den Ansatz verstanden. Da ich biochemischer und medizinischer Laie bin, bitte ich ggfs. darum, mich zu korrigieren.

Michael

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

Boggy, Mittwoch, 20.01.2021, 12:41 (vor 35 Tagen) @ Michael27

Ich möchte nur kurz auf einen Kommentar von Marc bei den Amseln hinweisen. Ansonsten kann ich mich zu dem Thema nicht weiter äußern. :-(

Gruß
Boggy

https://www.amsel.de/multiple-sklerose-forum/index.php?kategorie=forum&kategorie2=forum

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

agno @, Mittwoch, 20.01.2021, 14:01 (vor 35 Tagen) @ Boggy

Danke @ Marc & Boggy
Ich stell mir das so vor, dass da erstmal gegen z.B. Ebstein-Bar "recursiv" imunisiert wird. Mit dieser Vorgehensweise würde entweder hilfreiches gefunden oder alte Glaubenssätze, die bisher ein weiterkommen verhinderten, zerstört.
Gruß agno

P.S.: Könnte man sich als Nebenwirkung vorstellen, dass sich ein geimpfter MS-Patient nicht mehr gegen EBV wehren kann?

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Mittwoch, 20.01.2021, 12:49 (vor 35 Tagen) @ Michael27

Lieber Michael,

ich danke Ihnen für Ihre gründliche Stellungnahme! Das scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein, dass wir uns durch diese schwierigen Mechanismen durchwursteln müssen, nicht, um sie auf Anhieb zu verstehen, sondern um sie durch Versuch und Irrtum bzw. in der Diskussion zu verstehen.

Wenn ich Sie recht verstehe, meinen sie, dass das Fehlen eines "MS-Antigens" zwar bedauerlich ist, aber dadurch kompensiert werden könnte, dass ein MS-Impfstoff auf der Basis von mRNA vor allem durch eine Beeinflussung des Teff-Treg-Verhältnisses wirksam werden könnte?!

W.W.

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

Michael27, Mittwoch, 20.01.2021, 15:33 (vor 35 Tagen) @ W.W.

Wenn ich Sie recht verstehe, meinen sie, dass das Fehlen eines "MS-Antigens" zwar bedauerlich ist, aber dadurch kompensiert werden könnte, dass ein MS-Impfstoff auf der Basis von mRNA vor allem durch eine Beeinflussung des Teff-Treg-Verhältnisses wirksam werden könnte?!

W.W.

Lieber Herr Weihe,

ich will das gar nicht bewerten ("Fehlen eines MS-Antigens bedauerlich"), sondern nur den derzeitigen Stand der Erkenntnis widergeben - wenn ich es richtig sehe.

Ja, und dann scheint die BioNTech-Idee zu sein: wenn wir die Treg-Zellen zum Reagieren bringen (man müsste allerdings zumindest ein "MS-assoziiertes Antigen" beim Menschen kennen - das dürfte meiner Meinung nach der Knackpunkt sein), kümmern sie sich auch um die überaktiven, myelin-zerstörenden Teff-Zellen (sog. Bystander-Effekt) - und nur um genau diese/solche Teff-Zellen. Und dämpfen/unterdrücken sie.

So habe ich die PM verstanden.

Michael

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Mittwoch, 20.01.2021, 16:12 (vor 35 Tagen) @ Michael27

Ja, so etwas Ähnliches meinte ich: Wenn wir das "MS-Antigen" nicht kennen, aber so etwas Ähnliches (das zwar keine MS, aber immerhin eine EAE auslöst), dann könnte es ja sein, dass die Immunreaktion, auch wenn sie ein wenig ungenau ist, auf eine heilsame Weise in das Teff-Treg-Gleichgewicht eingreift.

Ich entschuldige mich dafür, wenn ich das nicht recht verstanden habe, aber läuft es nicht etwas darauf hinaus, dass Biontech hofft, die MS günstig beeinflussen zu können, auch wenn das Antigen dem tatsächlichen "MS-Antigen" nur etwas ähnlich ist?

Aber auch, wenn das die Idee im Hintergrund wäre, könnte sie ja interessant genug sein, um diesem Gedankenfaden weiter zu folgen.

Mich interessiert dieser Gedanke sehr.

W.W.

PS: Vielleicht fürchte ich ein wenig, dass angenommen werden könnte, das "MS-Antigen" sein irgendwie im EAE-Antigen versteckt, oder dass ich fürchte, man habe irgendetwas beim EBV falsch verstanden, dass es also doch das "MS-Antigen" sei. (Gerade weil ich die EBV-Theorie sehr schätze, wie ich ja schon oft zum Ausdruck gebracht habe.)

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Donnerstag, 21.01.2021, 11:47 (vor 34 Tagen) @ W.W.

Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wird man gegen die MS impfen können, auch wenn man nicht weiß, was die Ursache der MS ist?

W.W.

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

UWE @, Freitag, 22.01.2021, 23:23 (vor 33 Tagen) @ W.W.

Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wird man gegen die MS impfen können, auch wenn man nicht weiß, was die Ursache der MS ist?

W.W.

Ich sage das ja schon länger, bereits vor Corona und ganz unwissenschaftlich.

Heilung "trifft" uns einmal völlig unerwartet aus einer unbekannten Ecke.

Die Chancen stehen aktuell nicht schlecht..

LG
Uwe

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Samstag, 23.01.2021, 02:59 (vor 33 Tagen) @ UWE

Wenn man sich gegen eine MS, deren Ursache man nicht kennt, impfen lassen könnte, wäre das eine Katastrophe.

W.W.

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

agno @, Samstag, 23.01.2021, 09:35 (vor 33 Tagen) @ W.W.

Wenn man sich gegen eine MS, deren Ursache man nicht kennt, impfen lassen könnte, wäre das eine Katastrophe.

W.W.

Wolfgang, mit dem Gedanken wirst du relativ einsam sein.
Ich frage mich was von der MS bleibt, wenn der MSler geimpft ist.
Insofern erwarte ich im Idealfall Wissensgewinn und Gewinn an Lebensqualität.
Wobei....
agno
P.S.: [image]

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

UWE @, Samstag, 23.01.2021, 23:46 (vor 32 Tagen) @ W.W.

So kann nur jemand schreiben, der diese Scheiße nicht an der Backe hat.

Sorry, das war mal wieder ein echter WW

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

agno @, Sonntag, 24.01.2021, 09:35 (vor 32 Tagen) @ UWE

Was könnte die schlimmste zu erwartende Nebenwirkung sein, die nach einer ordentlichen Zulassung einer MS-Impfung, überraschen könnte?
überlegt agno

P.S.: Ich bin zwar grundsätzlich mistrausch, mit den Ideen mit denen uns die Pharma beglücken möchte, aber es ist doch ein riesiger Fortschritt, dass vom Holzhammer auf das Skalpell gewechselt werden soll.

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Samstag, 23.01.2021, 11:32 (vor 32 Tagen) @ W.W.

Nach wie vor bin ich ja von der EBV-Stress-Hypothese fasziniert. Sie geht so:

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) besitzt einen Eiweißmantel, dessen Erkennungsmerkmal eine Kette aus den fünf Aminosäuren (abgekürzt R-R-P-F-F) ist. Genau dieses R-R-P-F-F findet sich in einem Eiweiß, dass sich nur unter Stress in der weißen Hirnsubstanz ausbildet. Demgemäß lautet die EBV-Stress-Hypothese: Irgendwann einmal in der Kindheit infiziert man sich mit dem Epstein-Barr-Virus, und die Lymphozyten werden gegen R-R-P-F-F „allergisiert“. Das führt zunächst zu keinen Problemen, weil im Körper kein R-R-P-F-F vorkommt. Entsteht aber später in belastenden Lebenssituationen das Stressprotein in der weißen Hirnsubstanz, dann greifen die Lymphozyten die vermeintlichen Erreger an und zerstören sie. (W. Weihe "Multiple Sklerose" 2020)

Nach dieser Annahme ist eine EBV-Infektion eine Conditio sine qua non, um an MS zu erkranken.
Das Gegenargument lautet natürlich, dass nicht jeder, der das Pfeiffersche Drüsenfieber oder eine EBV-Infektion durchgemacht hat, an MS erkrankt. Damit könnte man das EBV leicht abtun und sagen: "Damit ist gezeigt, dass eine EBV-Infektion nichts mit MS zu tun hat."

Ich halte das für kurzschlüssig. Stellen wir uns einmal vor, der EBV-Strang würde mutieren, was Viren ja gerne tun, und unser Immunsystem würde Antikörper gegen mutierte Teile des EBV-Fadens entwickeln, die zufällig Ähnlichkeit mit einem Bestandteil des Myelins hätten, z.B. R-R-P-F-F.

Könnte also nicht ein mutiertes Bruchstück des EBV eine Ursache der MS sein? Antikörper, die eigentlich das EBV angreifen sollten, aber irrtümlicherweise das körpereigene Myelin zerstören?

Und könnte man dann nicht gegen Bruchstücke des EBVs impfen oder sie modifizieren? Ich weiß, dass das müßige Spekulationen sind, aber ich denke, es fehlt uns etwas, wenn man darüber nicht diskutieren kann!

Ich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels, meine aber, dass der Darwinismus und auch der Neo-Darwinismus noch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Es wird sich etwas entwickeln, was die neuen Erkenntnisse der Epigenetik (Vererbung von erworbenen Eigenschaften!!!) und Psychoimmunologie (Veränderungen des Immunsystems in Stressphasen) mit einschließen.

Das scheint mir ein erfolgversprechender Weg zu sein, und nicht, dass man irgendeine Substanz findet, die von irgendeiner anderen Substanz eliminiert wird, ohne dass man weiß, wie und warum das Geschehen im Menschen abläuft. Darum bin ich sehr skeptisch der Überlegung gegenüber, man könne gegen die MS impfen, ohne sie zu verstehen.

Wir müssen die MS verstehen, um eine Impfung oder ein Medikament gegen sie entwickeln zu können!!! Und dieses "Verstehen" oder "Erklären" muss sich im menschlichen Umfeld entwickeln. Wer eine MS aufgrund eines Tiermodells erklärt, der hat sie nicht verstanden.

W.W.

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Sonntag, 24.01.2021, 11:01 (vor 32 Tagen) @ W.W.

Wenn wir nicht genau wissen, was die MS ist und was hinter ihr steckt, und wir nehmen etwas, was ihr ähnlich zu sehen scheint, dann laufen wir in die Irre. So wie ein verkrüppelter Baum keine Hexe ist.

W.W.

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

agno @, Sonntag, 24.01.2021, 13:36 (vor 31 Tagen) @ W.W.

Ich nehme an dass man schon vor 1000 Jahren, das Feuer bei Bedarf mit Wasser gelöscht hat. Und das auch ohne die chemischen Hintergründe zu kennen.
Verflixt!
Deine Wortwahl bringt mich intuitiv dazu die MS-Impfung zu verteidigen, obwohl weder ich noch sonst wer, im Moment tieferes Detailwissen hat.
Ich sehe mehrere verschiedene Forscherpopulationen. Aktuell sehe ich die großen Jungs die eine Idee haben. Das erweckt bei mir mehr Hoffnung als die durchorganisierte Pharmaherde. Vertrauen ist nochmal etwas anderes. Ich glaube dass man sich vor dem Mediengehypten Detailwissen teilweise schützen muss. Nicht überbewerten und nicht verfluchen.
agno

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

UWE @, Sonntag, 24.01.2021, 14:32 (vor 31 Tagen) @ agno

Du drückst Dich gegenüber WW eindeutig gewählter aus als ich..

Ich bin da direkter.
Dem Herrn fehlt es eindeutig an Empathie, imho.

Er zerstört mit seinen Kritteleien Hoffnungen, die es in den letzten 40 Jahren so noch nicht gegeben hat.

LG
Uwe

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

tournesol @, Sonntag, 24.01.2021, 14:58 (vor 31 Tagen) @ UWE

Du drückst Dich gegenüber WW eindeutig gewählter aus als ich..

Ich bin da direkter.
Dem Herrn fehlt es eindeutig an Empathie, imho.

Er zerstört mit seinen Kritteleien Hoffnungen, die es in den letzten 40 Jahren so noch nicht gegeben hat.

LG
Uwe

W.W. schreibt hier seine Meinung, wie jede(r) andere auch. Auch bei anderen Themen ist seine Meinung eine von mehreren verschiedenen.

Was hat das mit mangelnder Empathie zu tun? Vielleicht hält seine Skepsis manche davon ab, sich falsche oder übertriebene Hoffnungen zu machen.

Wenn du deine Hoffnung als MS-Betroffener auf einen mRNA-Impfstoff setzt, wirst du dich ja wohl umfassend darüber informieren und dich nicht durch W.W. von deiner Hoffnung abbringen lassen, es sei denn, er überzeugt dich mit seinen 'Kritteleien'.

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

agno @, Sonntag, 24.01.2021, 15:36 (vor 31 Tagen) @ tournesol

Wenn du deine Hoffnung als MS-Betroffener auf einen mRNA-Impfstoff setzt, wirst du dich ja wohl umfassend darüber informieren und dich nicht durch W.W. von deiner Hoffnung abbringen lassen, es sei denn, er überzeugt dich mit seinen 'Kritteleien'.

Nunja, ich glaube dass die Gemeinde unterschiedliche Meinungsäußerungen verkraftet. Dass Wolfgang die Tendenz hat, seine Worte so zu formulieren, als ob er für alle Homo Sapiens sprechen würde. Das ist eine Tatsache die man schon länger kennen könnte.
Immer wenn Emotionen kochen, wird es interessant. Was bewegt ohne dass es ausgesprochen wurde?
Während ich schon glücklich bin, dass die Hochrisikoschiene verlassen wurde, scheint Wolfgang fast zu platzen, wenn nur eine Vermutung durch eine andere ersetzt wird. Er kämpfte schließlich sein ganzes Arbeitsleben gegen die Theorie, dass mit den gängigen MS-Immunmanipulationen am System der Multiplen Sklerose gedoktert wird.
Anstelle der Auflösung des MS-Rätsels nach ca 30 Jahren, einfach eine neue Theorie?
Das scheint zuviel verlangt, um das ruhig zu ertragen.
Eventuell zeigt das auch wie weichgekocht man als MSler inzwischen ist, wenn man das als Hoffnung interpretiert.
Gruß agno

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

tournesol @, Sonntag, 24.01.2021, 17:13 (vor 31 Tagen) @ agno

Mich nervt vor allem der Vorwurf mangelnder Empathie gegen eine andere Sichtweise. Damit wird versucht, jemand zu diskreditieren und mundtot zu machen.

Was soll der Beschuldigte dem entgegensetzen? Beteuerungen, dass er doch empathisch ist, Gegenbeweise, Gegenbeschuldigungen?

Ja, W.W. ist nicht von MS betroffen und hat auch deshalb eine andere Sicht. Ich bin davon betroffen, aber weniger schwer als andere hier. Ich komme bis jetzt mit meiner MS, trotz einiger Einschränkungen im Vergleich zu früher, ganz gut klar und brauche nichts, worauf ich diesbezüglich meine Hoffnung setzen könnte. Deshalb interessiere ich mich nicht besonders für diese Impfung und stehe ihr eher skeptisch gegenüber, so lange sie nur auf einem Mausmodell beruht.
Bin ich deshalb weniger empathisch?

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

agno @, Sonntag, 24.01.2021, 18:49 (vor 31 Tagen) @ tournesol

Uwe und Weihe sind nur zwei conträre Sichtweisen auf das selbe Problem.
Da darf mit überschießenden Emotionen gerechnet werden. Beide teilen gerne aus und beide halten etwas aus. :-)
Gruß agno
P.S.: Spruch des Tages
"Altersweisheit gibt es nicht. Wenn man altert, wird man nicht weise, sondern nur vorsichtig."

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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

kirstenna @, Montag, 25.01.2021, 18:24 (vor 30 Tagen) @ agno

Gebiss.

Jetzt, wo das mit der Maus Hypothese so ins Wanken gerät, rückt mir das plötzlich mit den Mäusen so nah.

Die kleinen Knopfaugen, das weiche Fell und die nackten Schwänzchen.

Vielleicht sind wir uns ja doch ein bisschen ähnlich?

Wir lieben die Freiheit, den Käse und rennen am liebsten unkontrolliert ohne Anziehsachen herum.

Und wenn wir plötzlich die Hinter Beinchen und das Schwänzchen kaum mehr hochheben können, werden wir sehr traurig und zweifeln an unserer Lebensphilosophie.

Wir haben nur noch zwei Interessen, erstens schlafen und zweitens fressen.

Ich schlafe ja jetzt immer bis Mittag.

Ich verbete mir Anrufe vor 14.00 Uhr von meiner Familie.

Meiner Mutter macht das nichts aus.

Sie sagt, dann isst du wenigstens nicht.

Ich bin eine nachtaktive Maus.

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Mausmodell für MS-Betroffene

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Montag, 25.01.2021, 20:23 (vor 30 Tagen) @ kirstenna

Gebiss.

Jetzt, wo das mit der Maus Hypothese so ins Wanken gerät, rückt mir das plötzlich mit den Mäusen so nah.

Die kleinen Knopfaugen, das weiche Fell und die nackten Schwänzchen.

Vielleicht sind wir uns ja doch ein bisschen ähnlich?

Wir lieben die Freiheit, den Käse und rennen am liebsten unkontrolliert ohne Anziehsachen herum.

Und wenn wir plötzlich die Hinter Beinchen und das Schwänzchen kaum mehr hochheben können, werden wir sehr traurig und zweifeln an unserer Lebensphilosophie.

Wir haben nur noch zwei Interessen, erstens schlafen und zweitens fressen.

Ich schlafe ja jetzt immer bis Mittag.

Ich verbete mir Anrufe vor 14.00 Uhr von meiner Familie.

Meiner Mutter macht das nichts aus.

Sie sagt, dann isst du wenigstens nicht.

Ich bin eine nachtaktive Maus.

Du hast anscheinend ein recht wohltuendes "Mausmodell" für dich gefunden.
Klasse!
Gruß aus'm Schnee :wink:

--
das Geheimnis der Medizin besteht darin,
den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht

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gammeln als Lebenskunst :-)

agno @, Dienstag, 26.01.2021, 06:44 (vor 30 Tagen) @ kirstenna

rofl
Danke!
Das habe ich jetzt gebraucht!
gruß agno
P.S.:
Zu meinem 30sten Geburtstag, bekam ich eine Karte:
Wenn kämpfen nichts bringt,
verstecken nicht funktioniert,
weglaufen auch nicht:
Gib auf und genieße!

--
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Lebenskunst :-)

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Dienstag, 26.01.2021, 12:09 (vor 29 Tagen) @ agno

... und genieße!

Gammeln hat so einen negativen Touch.

Aktuelle Trends sind doch:

Entspannung
auf den Körper hören
Achtsamkeit (jetzt kommt gleich Boggy ;-) )

--
das Geheimnis der Medizin besteht darin,
den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht

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gammeln als Lebenskunst :-)

agno @, Mittwoch, 27.01.2021, 08:14 (vor 29 Tagen) @ naseweis

Gammeln hat so einen negativen Touch.
Aktuelle Trends sind doch:...

Das war doch das Besondere von Kirstenna.
Es juckt sie nicht. rofl
Die Basis dieser Kunst ist Zuversicht. :herzle:

--
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mRNA-Impfstoff für MS-Betroffene? P.S.

agno @, Sonntag, 24.01.2021, 17:29 (vor 31 Tagen) @ agno

Ich frage mich, wenn der Impfstoff gegen Corona zwischen Acht und Zwanzig Euro kostet, wie würde das Kostenmodell der mRNA-MS-Impfung aussehen?
Wenn die mRNA-MS-Impfung nicht heilt, werden Pharmaphilosophen die Basistherapie weiterhin empfehlen?
Werden sich Ugur Sahin und Özlem Türeci in das "System" integrieren?
Viele Fragen, die Zeit wirds zeigen.
Gruß agno

--
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Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

kerstin @, Sonntag, 24.01.2021, 15:37 (vor 31 Tagen) @ UWE

Hallo Uwe,

das sehe ich ähnlich wie tournesol. Wenn du Hoffnung hast, dann wird diese wohl kaum durch eine abweichende Meinung zerstört werden. Es sei denn, diese Meinung trifft auf eigene Zweifel?

Also, locker bleiben, der Durchbruch ist sowieso noch nicht in Sicht.

Kerstin

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

Nalini @, Sonntag, 24.01.2021, 15:43 (vor 31 Tagen) @ UWE

Widersprichst du dir hier nicht selbst?

Schreibst du nicht oft in den Foren in etwa dieses:

"Solange die MS noch nicht ansatzweise verstanden ist, wie soll dann ein funktionierendes Heilmittel gefunden werden?"

Wieso soll das nun plötzlich anders sein?

Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein?

W.W. @, Sonntag, 24.01.2021, 17:25 (vor 31 Tagen) @ W.W.

Ich glaube, dass erst die Ursache gefunden werden muss, bevor an eine Therapie gedacht werden kann. Wenn man das nicht tut, sehe ich die Gefahr, dass wir auf Verdacht hin in einen komplizierten Immunmechanismus eingreifen, den wir nicht verstehen.

Bei der MS denke ich eher an so eine Ursache-Wirkungskette wie Vitamin C-Mangel -> Skorbut oder zu wenig Sonnenschein -> MS oder Erreger -> MS.

Wenn man den Erreger hat, kann man ihn bekämpfen - durch Medikamente oder durch Impfungen, aber nicht, wenn man ihn nur vermutet. Imho.

Das soll aber nicht heißen, dass ich überhaupt keine Hoffnung sehe, dass mRNA-Impfstoffe bei der MS helfen können, aber vor die Therapie haben die Götter die Ursache gestellt. Oder gibt es hierfür eine Ausnahme?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns molekularbiologisch verrannt haben, weil wir die Neuroimmunologie oder die Epigenetik für zu exotisch halten und deswegen ignorieren.

W.W.

PS: Wenn wir etwas tun, was wir nicht richtig verstehen, kann es dazu kommen, einen Assuan-Staudamm zu bauen oder Unkrautvernichtungsmittel einsetzen. Oder Stechmücken unfruchtbar machen, oder Nilbarsche im Victoriasee zu züchten. Oder Atomkraftwerke bauen, weil uns bestimmt noch etwas einfallen wird, den Atommüll zu beseitigen.

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