Der Name der Rose (Allgemeines)

W.W. @, Sonntag, 19.07.2020, 10:43 (vor 17 Tagen)

Ich habe gestern zusammen mit meiner Frau noch einmal den grottenschlechten Film mit Sean Connery gesehen. Wie kann man ein so schönes Buch so miserabel verfilmen (was übrigens nicht an Sean Connery lag)? Genauso wie die "Unendliche Geschichte" grottenschlecht verfilmt worden ist. Aber die Verfilmung bzw. das Buch bringt mich auf etwas, was ich hier schon einmal auf Stefans Anregung hin zur Sprache bringen wollte.

Ich weiß, dass Umberto Eco ein Strukturalist war, aber ich habe nie so richtig verstanden, was ein Strukturalist ist. Jedenfalls fällt auf, dass das Buch "Der Name der Rose" heißt, aber diese Rose nirgendwo in dem Roman vorkommt. Jeder kann sich denken, was vielleicht mit der Rose gemeint ist, und jeder hat vermutlich eine andere Interpretation: die Liebe zu dem Zigeunermädchen?

Um noch einmal auf mein Bild vom halbvergrabenen Schachbrett am Strand zurückzukommen: Man kratzt ein Feld frei und trägt dort ein Zeichen ein, z.B. eine goldene Schlange. Warum gerade dieses Zeichen? Weil man gedankenverloren in den Sonnenuntergang schaut und einem nichts anderes einfällt.

Vielleicht ist das Zeichen sogar eine Hieroglyphe, also ein Zeichen, das zunächst einmal keine Bedeutung hat. Aber je mehr man dieses Zeichen anstarrt, desto mehr erwacht es zum Leben und sogar die leeren Felder um das Zeichen herum beginnen wie der Boden eines Urwalds zu grünen und zu sprießen. Aus der Hieroglyphe wird innerhalb von kurzer Zeit eine Geschichte! So, wie es ja wohl auch mit Tarotkarten ist: Wenn die Wahrsagerin drei Karten vor uns legt: einen Narr, einen König und einen Henker, dann geht es nicht anders: Man verknüpft diese drei Karten zu einer Geschichte, in deren Mittelpunkt wir stehen.

An dieser Stelle vielleicht ein Sprung in einer andere Zeit, wo vor hunderttausenden von Jahren unser Urururgroßvater (oder unsere Urururgroßmutter) am Lagerfeuer saß und über die Welt nachdachte.

"Aus irgendetwas müssen doch die Erde, das Meer, die Jahreszeiten, die Blumen, die Vögel und die Wölfe entstanden sein? Aus Nichts entsteht doch nichts!"

Was könnte es wohl zu Beginn gewesen sein, wir sind ja nicht dabei gewesen. Und so entsteht ein Zeichen, das unser Vorfahre Gott nennt und das ziemlich wenig konkret ist. Wie in meiner Geschichte vom Schachbrett wird um ein Zeichen herum eine Geschichte erzählt, die immer weiter ausgeschmückt wird, bis eine Religion daraus entsteht.

Und ein letzter Sprung - damit nicht der Eindruck entsteht, hier wäre von Gott und der Welt die Rede: Wenn wir in schlaflosen Nächten darüber nachdenken, woher die MS kommt, dann wissen wir es natürlich nicht. Aber wir denken, es gibt doch Anhaltspunkte, die uns das Bild der MS immer deutlicher werden lassen. Und so entsteht aus dem Bild der MS eine Krankheit, die wir leicht mit dem verwechseln, was wir uns ausgedacht haben.

Ist ein Strukturalist vielleicht jemand, der eine Struktur in dieser Welt vorfindet und daraus eine Geschichte macht?!:confused:

W.W.

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Der Name der Wahrheit

agno @, Sonntag, 19.07.2020, 13:00 (vor 17 Tagen) @ W.W.

...in schlaflosen Nächten darüber nachdenken, woher die MS kommt,...

Dann fallen dem Menschen sicher einige Dinge ein, die ihn am glücklichen Leben hindern.
Stress, Ernährung usw
Wen nun der Mensch zum Entschluss kommt, das er sein Leben entschleunigen möchte und wieder mehr auf gute und leckere Ernährung achtet...
dann...
besteht Möglichkeit
a. Die MS beruhigt sich und das Leben wird glücklicher.
b. Die Ms macht was sie will und das Leben wird trotzdem glücklicher.
c. Die MS macht was sie will und das Leben schlägt weiterhin seine gewohnten Kapriolen.

agnrofl

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Gschafft ist aber noch nix

Der Name der Wahrheit

W.W. @, Sonntag, 19.07.2020, 13:24 (vor 17 Tagen) @ agno

...in schlaflosen Nächten darüber nachdenken, woher die MS kommt,...

Dann fallen dem Menschen sicher einige Dinge ein, die ihn am glücklichen Leben hindern.
Stress, Ernährung usw
Wen nun der Mensch zum Entschluss kommt, das er sein Leben entschleunigen möchte und wieder mehr auf gute und leckere Ernährung achtet...
dann...
besteht Möglichkeit
a. Die MS beruhigt sich und das Leben wird glücklicher.
b. Die Ms macht was sie will und das Leben wird trotzdem glücklicher.
c. Die MS macht was sie will und das Leben schlägt weiterhin seine gewohnten Kapriolen.

Die Frage ist, ob es so etwas gibt: Das Kind ist in den Brunnen gefallen, so what?!"
Kann man das Kind auch dann noch retten, auch wenn es schon in den Brunnen gefallen ist? Oder ist dann sowieso alles zu spät?

Ich persönlich meine, wenn wir relativ früh auf die ersten Warnschüsse der MS hören, ist die Chance groß, dass es gut geht. Ich denke, dass es mir nach meinen beiden Hirnblutungen noch recht gut geht, hat natürlich etwas mit meiner Frau, aber auch damit zu tun, dass ich berentet bin, nicht mehr rauche und keinen Alkohol trinke.

W.W.

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Der Name der Wahrheit bzw Das Kind ist in den Brunnen gefallen

agno @, Sonntag, 19.07.2020, 14:01 (vor 17 Tagen) @ W.W.

Die Frage ist, ob es so etwas gibt: Das Kind ist in den Brunnen gefallen, so what?!"

Das ist eine lebensfeindliche Aussage.
Darüber kann man bei sehr begrenzter Restlebenserwartung reden.
Manches was reflexartig zur MS geschoben wird, passt da nicht hin, weil die zu erwartende Restlebenszeit andere Denkstrukturen benötigt.
Die Aussage ist, wenn es gesund ist und glücklich macht, warum soll man sich dann tiefer um die Relevanz kümmern?
agno

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Gschafft ist aber noch nix

Im Brunnen

stefan ⌂ @, Berlin, Sonntag, 19.07.2020, 14:48 (vor 17 Tagen) @ agno

Wenn ein Kind in einen Brunnen fällt, dann hat wahrscheinlich irgendjemand etwas übersehen oder falsch gemacht.

Wenn jemand eine Diagnose wie MS bekommt, Krebs, ALS, Chorea Huntington, Mukoviszidose..., ich finde, es ist besser da sehr vorsichtig mit solchen Metaphern und Beschreibungen zu hantieren.

Wir drehen uns im Kreis und der Radius wird enger.

In gewisser Weise sitzen wir also im selbst gewählten Brunnen gefangen.

Wer kann, klettert vielleicht doch besser raus.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag!

--
Alles was lebt ist heilig.

Der Name der Wahrheit bzw Das Kind ist in den Brunnen gefallen

W.W. @, Sonntag, 19.07.2020, 15:19 (vor 17 Tagen) @ agno

Die Aussage ist, wenn es gesund ist und glücklich macht, warum soll man sich dann tiefer um die Relevanz kümmern?

Es ist das Relevante, was glücklich macht!

W.W.

Der Name der Wahrheit bzw Das Kind ist in den Brunnen gefallen

fRAUb @, Montag, 20.07.2020, 08:07 (vor 16 Tagen) @ W.W.

Die Aussage ist, wenn es gesund ist und glücklich macht, warum soll man sich dann tiefer um die Relevanz kümmern?


Es ist das Relevante, was glücklich macht!

W.W.

Wer entscheidet, was von Relevanz ist?

Ach Doc, das ist so mühselig! Und irgendwer hat's am Ende doch immer gewusst. Meistens besser. Und so - oder so.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Wie auch immer. Ich bin eher für es ist, wie es ist. 3x rum und raus aus'm Kessel.

Wenn man sich ewig vergangenen Problemen befasst, verstellt das den Blick für das, was auf der Hand liegt.

Im übrigen steigen sich windende Aale, selten aus dem Brunnen hervor. Gemäß ihrer Art, wäre auch nicht unbedingt empfehlenswert.

Daraus können Sie mir jetzt einen Strick drehen. Es war aber mit einem zwinkernden Auge gemeint, da mir persönlich die Vorlieben und Präferenzen anderer Menschen, die mich nicht betreffen, ziemlich egal sind. Das müssen die selber wissen- und jeder Mensch hat das Recht so zu leben, wie er glücklich ist. Außer Haie. Besser geschrieben "Finanzhaie"
Aber vielleicht sind die auch gar nicht glücklich?!
Da könnte man direkt Abhilfe schaffen...

Es ist aber auch egal...Darum, müssen sich andere Gedanken machen...

Der Name der Rose

W.W. @, Sonntag, 19.07.2020, 15:33 (vor 17 Tagen) @ W.W.

Eine offensichtliche "Struktur" ist, dass Bruder und Schwester nicht heiraten dürfen. Man kann das so hinnehmen und als biologisch verhängnisvoll ansehen, aber vielleicht dienst es ja nur dazu, den Zusammenhalt eines Stammes oder eines Volkes durch dieses Inzestverbot zu fördern.

Ebenso offensichtlich scheint die "Struktur" zu sein, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind. Man kann daraus auch eine Moral oder Religion ableiten, dass Männer eben nur Frauen und Frauen nur Männer heiraten dürfen. Alles andere wäre homosexuell und würde den Zusammenhalt eines Stammes oder Volkes untergraben.

Hat der Unterschied zwischen Mann und Frau unsere Kultur geprägt und tut er es immer noch? Wie würde es praktisch aussehen, wenn dieser Unterschied im Laufe der Zeit immer geringer würde?

Hat also auch unsere "Ehe" im Grunde einen "strukturellen" Grund? Oder ist der Unterschied zwischen Mann und Frau nicht mehr als eine etwas übertrieben dargestellte Geschichte, die erfunden und weitererzählt wurde, damit Gesellschaften besser funktionieren, dass also z.B. Soldaten "anständig" bleiben?

Das heißt: Vieles ist nicht widernatürlich, sondern das Widernatürliche wird uns eingeredet.

W.W.

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