Versagen (Allgemeines)

stefan ⌂ @, Berlin, Freitag, 03.07.2020, 09:34 (vor 34 Tagen)

. Man könnte also ein Kind, einen Ehepartner, Freund oder Freundin verlassen, wenn er oder sie den eigenen Vorstellungen nicht mehr entspricht?!

Das Gefühl, selbst zu versagen, den eigenen Erwartungen nicht mehr zu entsprechen, Demenz oder Inkontinenz, Impotenz oder Inkompetenz, einfach nicht mehr den Erwartungen zu entsprechen, abgelehnt und ausgeschlossen, abgeschoben zu werden, entsprechende Sorgen, das ist in einem „MS“Forum wahrscheinlich nicht unbekannt.

Diese Sorge ist einerseits sicher berechtigt wie die Trauer über den realen Verlust. Gleichzeitig besteht eine Gefahr, sich selbst damit aufzugeben, zu übersehen, was auch immer „es ist“.

Hey, das bin ICH, ich bin ein Mensch, dies ist mein Leben, meine „Realität“, und statt „Euthanasie“ gilt es jetzt gerade das Besondere, Wertvolle, Einzigartige, Menschliche, Großartige an mir mit meinem Leiden, Schwächen, Einschränkungen nicht nur nicht zu übersehen, sondern anzuerkennen, zu leben.

Versagen

W.W. @, Freitag, 03.07.2020, 09:50 (vor 34 Tagen) @ stefan

. Man könnte also ein Kind, einen Ehepartner, Freund oder Freundin verlassen, wenn er oder sie den eigenen Vorstellungen nicht mehr entspricht?!


Das Gefühl, selbst zu versagen, den eigenen Erwartungen nicht mehr zu entsprechen, Demenz oder Inkontinenz, Impotenz oder Inkompetenz, einfach nicht mehr den Erwartungen zu entsprechen, abgelehnt und ausgeschlossen, abgeschoben oder abgelehnt zu werden, das

geht gleich weiter...

Ja. Vor allem habe ich das Gefühl, diese Gutmenschen, Sanftmütigen oder wie man sie sonst nennen will, seien nicht ganz echt, sondern halbgefüllte Masken. Sie hätten ein Stewardess-Lächeln aufgesetzt, hätten aber nicht die Freundlichkeit von Stewardessen.

Und dennoch: Wenn wir in diese Grenzsituation geraten, dürfen wir den anderen nicht im Stich lassen, selbst wenn wir lügen und betrügen müssten.

Wolfgang

Versagen hier das gesamte Beitrag

stefan ⌂ @, Berlin, Freitag, 03.07.2020, 09:53 (vor 34 Tagen) @ W.W.

Ich war noch nicht fertig mit dem Artikel, das Thema ist auch an anderer Stelle noch wichtig.

. Man könnte also ein Kind, einen Ehepartner, Freund oder Freundin verlassen, wenn er oder sie den eigenen Vorstellungen nicht mehr entspricht?!

Das Gefühl, selbst zu versagen, den eigenen Erwartungen nicht mehr zu entsprechen, Demenz oder Inkontinenz, Impotenz oder Inkompetenz, einfach nicht mehr den Erwartungen zu entsprechen, abgelehnt und ausgeschlossen, abgeschoben zu werden, entsprechende Sorgen, das ist in einem „MS“Forum wahrscheinlich nicht unbekannt.

Diese Sorge ist einerseits sicher berechtigt wie die Trauer über den realen Verlust. Gleichzeitig besteht eine Gefahr, sich selbst damit aufzugeben, zu übersehen, was auch immer „es ist“.

Hey, das bin ICH, ich bin ein Mensch, dies ist mein Leben, meine „Realität“, und statt „Euthanasie“ gilt es jetzt gerade das Besondere, Wertvolle, Einzigartige, Menschliche, Großartige an mir mit meinem Leiden, Schwächen, Einschränkungen nicht nur nicht zu übersehen, sondern anzuerkennen, zu leben.



Mit dem Ziel mir Mut zu machen:

Der Schmerz verschenkt seine Heilkraft dort, wo wir sie nicht vermuten.


Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.

Versagen

W.W. @, Freitag, 03.07.2020, 09:59 (vor 34 Tagen) @ stefan

Das Gefühl, selbst zu versagen, den eigenen Erwartungen nicht mehr zu entsprechen, Demenz oder Inkontinenz, Impotenz oder Inkompetenz, einfach nicht mehr den Erwartungen zu entsprechen, abgelehnt und ausgeschlossen, abgeschoben zu werden, entsprechende Sorgen, das ist in einem „MS“Forum wahrscheinlich nicht unbekannt.

Diese Sorge ist einerseits sicher berechtigt wie die Trauer über den realen Verlust. Gleichzeitig besteht eine Gefahr, sich selbst damit aufzugeben, zu übersehen, was auch immer „es ist“.

Hey, das bin ICH, ich bin ein Mensch, dies ist mein Leben, meine „Realität“, und statt „Euthanasie“ gilt es jetzt gerade das Besondere, Wertvolle, Einzigartige, Menschliche, Großartige an mir mit meinem Leiden, Schwächen, Einschränkungen nicht nur nicht zu übersehen, sondern anzuerkennen, zu leben.

Ich fürchte - und wage das kaum auszusprechen, weil ich daran gemessen werden könnte -, dass wir den anderen nicht im Stich lassen dürfen, ohne uns schuldig zu machen, auch wenn er dement, kriminell oder rollstuhlabhängig wird.

Wir können uns nicht damit entschuldigen, dass wir entscheiden, wir würden nicht wegen des Schicksals des anderen unser eigenes Leben versauen wollen. Ich glaube, das geht nicht!

Wolfgang

PS: Ich hoffe, ich habe dich nicht missverstanden!:-( Aber ich merke, wie wir mit diesem Gespräch an die Grenze des Sagbaren kommen.

Versagen

stefan ⌂ @, Berlin, Freitag, 03.07.2020, 10:07 (vor 34 Tagen) @ W.W.

Ich bitte darum, den gesamten Artikel zu beachten.

Nicht zuletzt wegen der beiden Heidegger Zitate am Ende.
(Als Professor einerseits Nationalsozialist zu sein und mit der 18-jährigen (jüdischen) Studentin Hannah Arendt ein Verhältnis zu haben...)

Giftige Gedanken

stefan ⌂ @, Berlin, Freitag, 03.07.2020, 10:15 (vor 34 Tagen) @ W.W.

Das Gefühl, selbst zu versagen, den eigenen Erwartungen nicht mehr zu entsprechen, Demenz oder Inkontinenz, Impotenz oder Inkompetenz, einfach nicht mehr den Erwartungen zu entsprechen, abgelehnt und ausgeschlossen, abgeschoben zu werden, entsprechende Sorgen, das ist in einem „MS“Forum wahrscheinlich nicht unbekannt.

Diese Sorge ist einerseits sicher berechtigt wie die Trauer über den realen Verlust. Gleichzeitig besteht eine Gefahr, sich selbst damit aufzugeben, zu übersehen, was auch immer „es ist“.

Hey, das bin ICH, ich bin ein Mensch, dies ist mein Leben, meine „Realität“, und statt „Euthanasie“ gilt es jetzt gerade das Besondere, Wertvolle, Einzigartige, Menschliche, Großartige an mir mit meinem Leiden, Schwächen, Einschränkungen nicht nur nicht zu übersehen, sondern anzuerkennen, zu leben.


Ich fürchte - und wage das kaum auszusprechen, weil ich daran gemessen werden könnte -, dass wir den anderen nicht im Stich lassen dürfen, ohne uns schuldig zu machen, auch wenn er dement, kriminell oder rollstuhlabhängig wird.

Wir können uns nicht damit entschuldigen, dass wir entscheiden, wir würden nicht wegen des Schicksals des anderen unser eigenes Leben versauen wollen. Ich glaube, das geht nicht!

Wolfgang

PS: Ich hoffe, ich habe dich nicht missverstanden!:-( Aber ich merke, wie wir mit diesem Gespräch an die Grenze des Sagbaren kommen.

Manchmal habe ich den Eindruck, du lebst und denkst zu viel in der Vergangenheit und Zukunft. Was hätte ich getan, wenn ich damals dabei gewesen wäre und was werde ich irgendwann mal tun…

Wir leben aber immer nur im Jetzt und Augenblick. Entsprechend geht es darum, jetzt und im Augenblick sich zu entscheiden, möglichst sich selbst gerecht zu werden und das zu tun, was ich jetzt für richtig halte. Wenn ich jetzt etwas nicht mehr ertrage, dann ist das so.

Da geht es nicht um Schuld. Da geht es um den Moment, die Idee, ich kann mir selbst nicht schaden und was ich für richtig halte, ist jetzt richtig.

Vielleicht bin ich auch auf dem Holzweg, manches kann man auch wieder korrigieren, anderes nicht, ich glaube, deine Gedanken sind teilweise ziemlich giftig.

Wenig freundlich Dir selbst gegenüber.

Ich danke dir sehr, für die anregende Diskussion! Ich halte die für sehr wichtig.

Giftige Gedanken

W.W. @, Freitag, 03.07.2020, 10:50 (vor 34 Tagen) @ stefan

Da geht es nicht um Schuld. Da geht es um den Moment, die Idee, ich kann mir selbst nicht schaden und was ich für richtig halte, ist jetzt richtig.

Obwohl es keiner wahrhaben will: Es geht um Schuld, wenn wir es uns zu leicht machen wollen! Aber wozu sollten wir es uns schwer machen?:confused:

Wolfgang

PS: Gerade habe ich "Zeit der Zauberer" in meiner Bibliothek gefunden und werde das Buch am Wochenende lesen.

Giftige Gedanken

stefan ⌂ @, Berlin, Freitag, 03.07.2020, 15:52 (vor 33 Tagen) @ W.W.

Schuld, leicht oder schwer, das sind alles Worte, die mir ins Leere greifen.

JedeS tut immer, was für richtig gehalten wird, auf die Gefahr des Irrtums, der meist auch korrigiert werden kann.

Wenn du glaubst, es ist leicht zu flüchten, es könnte sein, das macht dich dann auch nicht glücklich.

Schön, dass du das Buch entdeckt hast, vielleicht schließt sich dann ja auch ein Kreis?!

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

Stefan

--
Alles was lebt ist heilig.

Versagen

tournesol @, Freitag, 03.07.2020, 13:43 (vor 33 Tagen) @ W.W.

Ich fürchte - und wage das kaum auszusprechen, weil ich daran gemessen werden könnte -, dass wir den anderen nicht im Stich lassen dürfen, ohne uns schuldig zu machen, auch wenn er dement, kriminell oder rollstuhlabhängig wird.

Wir können uns nicht damit entschuldigen, dass wir entscheiden, wir würden nicht wegen des Schicksals des anderen unser eigenes Leben versauen wollen. Ich glaube, das geht nicht!

Wolfgang

PS: Ich hoffe, ich habe dich nicht missverstanden!:-( Aber ich merke, wie wir mit diesem Gespräch an die Grenze des Sagbaren kommen.

Für mich ist es kein Versagen, zu sagen, 'ich kann das nicht leisten, es muss eine andere Lösung gefunden werden.'

Das ist für mich kein 'im Stich lassen'. Auch wenn ich nicht mehr mit dem Anderen zusammenlebe, kann ich seine Frau oder Mutter bleiben. Ich würde nicht wollen, dass ein Angehöriger sein Leben aufgibt um mich zu pflegen.

Als das Zusammenleben mit unserem Sohn unerträglich war, haben wir nach einer anderen Unterbringungsmoeglichkeit gesucht. Wir sind weiterhin seine Eltern geblieben.
Inzwischen lebt er mit seiner Familie wieder dicht bei uns.

Versagen

W.W. @, Freitag, 03.07.2020, 16:05 (vor 33 Tagen) @ tournesol

Das ist für mich kein 'im Stich lassen'. Auch wenn ich nicht mehr mit dem Anderen zusammenlebe, kann ich seine Frau oder Mutter bleiben. Ich würde nicht wollen, dass ein Angehöriger sein Leben aufgibt um mich zu pflegen.

Das ist schön, und so denke ich ja auch und habe deswegen absichtlich nicht von mir und einer drohenden weiteren Hirnblutung gesprochen, weil ... und damit beginnt das schreckliche Dilemma wieder von vorn!:-(

Als das Zusammenleben mit unserem Sohn unerträglich war, haben wir nach einer anderen Unterbringungsmoeglichkeit gesucht. Wir sind weiterhin seine Eltern geblieben.
Inzwischen lebt er mit seiner Familie wieder dicht bei uns.

Das freut mich:-) , es hätte aber auch schiefgehen können! Was Stefan und ich vielleicht suchen (aber ich bin mir da nicht so ganz sicher), ist, wie wir vermeiden können, anderen zur Last zu fallen.

Und ich sehe keinen Ausweg, egal, ob ich oder der andere mir zur Last fällt. Man bleibt nicht erschöpft an dem Berghang liegen, auf dem man immer wieder einen Felsbrocken hinaufrollt, und stirbt mit dem Ziel vor Augen. Schön wäre es, aber der Tod ist anders!

Aber ich will Sie nicht mit diesen trüben Gedanken quälen. Trotzdem ist es schön, hierüber einmal sprechen zu dürfen.:-) Weil es so ehrlich ist.

W.W.

Versagen

tournesol @, Freitag, 03.07.2020, 18:08 (vor 33 Tagen) @ W.W.

Was Stefan und ich vielleicht suchen (aber ich bin mir da nicht so ganz sicher), ist, wie wir vermeiden können, anderen zur Last zu fallen.

Und ich sehe keinen Ausweg, egal, ob ich oder der andere mir zur Last fällt. Man bleibt nicht erschöpft an dem Berghang liegen, auf dem man immer wieder einen Felsbrocken hinaufrollt, und stirbt mit dem Ziel vor Augen. Schön wäre es, aber der Tod ist anders!

Aber ich will Sie nicht mit diesen trüben Gedanken quälen. Trotzdem ist es schön, hierüber einmal sprechen zu dürfen.:-) Weil es so ehrlich ist.

W.W.

Sie quälen mich mit diesen Gedanken nicht.

Es muss nach einer Lösung gesucht werden, mit der beide leben können. Am schlimmsten finde ich an schwierigen, belastenden Situationen, wenn sie ausweglos erscheinen, ohne Perspektive, dass sie sich zum Guten verändern können. Wenn ich unglücklich bin, weil ich mein Leben aufgeben habe um jemand zu pflegen, worauf soll ich dann hoffen? Dass er stirbt, nicht damit er erlöst wird, sondern ich? Das fände ich am schlimmsten daran.

Auch in der Situation mit unserem Sohn hat mich diese zeitweise Hoffnungslosigkeit am meisten belastet, wo wir nichts tun konnten, da wir von Ämtern abhängig waren und die Mitarbeiter/innen alles anders gesehen haben.

Jetzt in der Situation mit Corona ist es für mich ähnlich. Als man allgemein davon ausging, dass die Maßnahmen für eine begrenzte Zeit nötig sind, waren sie für mich kein Problem.
Aber worauf soll ich jetzt hoffen? Dass das Virus irgendwie von selber wieder verschwindet, auf einen Impfstoff, mich an die Abstandsregeln zu gewöhnen als 'neue Normalität' auf unabsehbare Zeit …? Und wieder gibt es welche, die das alles für gar nicht so schlimm erachten.

Versagen

W.W. @, Freitag, 03.07.2020, 18:14 (vor 33 Tagen) @ tournesol

Es muss nach einer Lösung gesucht werden, mit der beide leben können. Am schlimmsten finde ich an schwierigen, belastenden Situationen, wenn sie ausweglos erscheinen, ohne Perspektive, dass sie sich zum Guten verändern können. Wenn ich unglücklich bin, weil ich mein Leben aufgeben habe um jemand zu pflegen, worauf soll ich dann hoffen? Dass er stirbt, nicht damit er erlöst wird, sondern ich? Das fände ich am schlimmsten daran.

Ja, das sind quälende Gedanken. Ich fürchte, aus diesem Teufelskreis gibt es nur eine Lösung: die Religion. Ich sage das, obwohl ich von mir wirklich nicht behaupten kann, ich sei religiös angehaucht. Eher nicht..., aber nichtsdestotrotz wäre es gut, wenn es etwas Erlösendes gäbe.

W.W.

Versagen

tournesol @, Freitag, 03.07.2020, 18:21 (vor 33 Tagen) @ W.W.

Ja, das sind quälende Gedanken. Ich fürchte, aus diesem Teufelskreis gibt es nur eine Lösung: die Religion. Ich sage das, obwohl ich von mir wirklich nicht behaupten kann, ich sei religiös angehaucht. Eher nicht..., aber nichtsdestotrotz wäre es gut, wenn es etwas Erlösendes gäbe.

W.W.

So religiös bin ich nicht. Für mich kann die Lösung nur von mir selber und den anderen Beteiligten kommen. Manchmal bekommt man dabei, wie wir, plötzlich Hilfe von ganz unerwarteter Seite.

Versagen

W.W. @, Freitag, 03.07.2020, 18:35 (vor 33 Tagen) @ tournesol

So religiös bin ich nicht. Für mich kann die Lösung nur von mir selber und den anderen Beteiligten kommen. Manchmal bekommt man dabei, wie wir, plötzlich Hilfe von ganz unerwarteter Seite.

Das hat etwas, was durchaus dem Religiösen vergleichbar sein könnte, aber ich spreche wie ein Blinder von der Farbe.

W.W.

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Versagen - Schwäche - Egoismus ? ? ?

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Samstag, 04.07.2020, 21:50 (vor 32 Tagen) @ W.W.

-> Ich fürchte, aus diesem Teufelskreis gibt es nur eine Lösung: die Religion. ¿¿¿

Warum wäre Religion zu fürchten?

Und warum kann nur Religion die Lösung sein ? ? ?

Ich kenn auch nicht religiöse Menschen die füreinander da sind, in guten und schlechten Zeiten, die füreinander einstehen, sich um einander kümmern...

Ist das
Liebe
Zuneigung
Vertraut sein miteinander
oder wie immer man das benennen mag,
auf jeden Fall scheint mir das gut und wohltuend

aber nichtsdestotrotz wäre es gut, wenn es etwas Erlösendes gäbe.
W.W.

Das oben Geschilderte ist doch erlösend, befreiend

PS: Das Leben kennt auch andere Konstellationen, ich weiß.

--
...---... # s t a y _ a t _ h o m e
# f l a t t e n _ t h e _ c u r v e ...---...

Disclaimer:
Ich sprech nur für mich, lass meine Gedanken raus, gebe keine Empfehlungen.
Jede(r) hat ihren/seinen eigenen Kopf, idealerweise zum DENKEN

Versagen oder verantwortungsvolles Handeln?

IceUrmel, Sonntag, 05.07.2020, 14:20 (vor 31 Tagen) @ W.W.

Was Stefan und ich vielleicht suchen (aber ich bin mir da nicht so ganz sicher), ist, wie wir vermeiden können, anderen zur Last zu fallen.

Und ich sehe keinen Ausweg, egal, ob ich oder der andere mir zur Last fällt. Man bleibt nicht erschöpft an dem Berghang liegen, auf dem man immer wieder einen Felsbrocken hinaufrollt, und stirbt mit dem Ziel vor Augen. Schön wäre es, aber der Tod ist anders!


W.W.

Lieber W.W.,

den Wunsch, anderen nicht oder möglichst wenig zur Last zu fallen, kennen wir vermutlich alle, und doch tun wir es: willentlich und wissentlich sowie völlig unbeabsichtigt unser ganzes Leben lang.

Denn das gehört zum Leben dazu – wir können es schlichtweg nicht vermeiden - und ist beileibe nicht nur negativ zu beurteilen, da Belastungen nicht nur niederdrücken sondern auch anregen können.

Es sind also nicht nur wir selbst, die bewerten ob es sich um eine Last handelt und wie sie zu tragen ist; es handelt sich vielmehr um eine Verfasstheit, die nicht losgelöst von unserem Umfeld und den darin agierenden Personen, vorhandenen Ressourcen etc. betrachtet werden kann.

Womit allerdings nicht gemeint ist, sich einzugestehen, nicht alles bewältigen zu können, sowohl bei uns selbst als auch im Umgang mit anderen, was wiederum gar nichts mit „im Stich lassen“ zu tun hat.

Im Gegenteil führt das krampfhafte Nichteingestehen der eigenen Begrenztheit in solchen Fällen häufig zu Beschädigungen des Selbst und des/der Nächsten.

Ein Beispiel dafür ist die Pflege von demenziell erkrankten Angehörigen im familiären häuslichen Bereich, die schnell überfordern kann und dann nicht selten zu Gewalt führt.

In solchen Fällen ist dringend angeraten, sich beizeiten Hilfe von außen zu holen und/oder nach einem geeigneten Platz in einer professionellen Einrichtung zu suchen, falls das Konzept der Pflege Zuhause durch Angehörige und/oder Pflegedienst nicht (mehr) trägt.

Das ist kein „im Stich lassen“ oder Versagen - das ist verantwortungsvolles Handeln.

Liebe Grüße

IU

Versagen

fRAUb @, Samstag, 04.07.2020, 06:37 (vor 33 Tagen) @ W.W.


Ich fürchte - und wage das kaum auszusprechen, weil ich daran gemessen werden könnte -, dass wir den anderen nicht im Stich lassen dürfen, ohne uns schuldig zu machen, auch wenn er dement, kriminell oder rollstuhlabhängig wird.

Wir können uns nicht damit entschuldigen, dass wir entscheiden, wir würden nicht wegen des Schicksals des anderen unser eigenes Leben versauen wollen. Ich glaube, das geht nicht!

Wolfgang

PS: Ich hoffe, ich habe dich nicht missverstanden!:-( Aber ich merke, wie wir mit diesem Gespräch an die Grenze des Sagbaren kommen.

Das ist, wer hätte das erwartet(?!) eine sehr einfache Sichtweise.

Selbst wenn man den Menschen lediglich auf seine Funktion reduziert betrachten mag, gibt's wohl immer noch mehr als alles oder nichts.

Und, in der Tat, ich hätte bei allen hoch- geistigen, philosophischen Exkursionen ihrerseits etwas anderes erwartet.

...tja...

Versagen: bad-boy

Mimmi, Samstag, 04.07.2020, 20:43 (vor 32 Tagen) @ fRAUb

"Ich fürchte - und wage das kaum auszusprechen, weil ich daran gemessen werden könnte -, dass wir den anderen nicht im Stich lassen dürfen, ohne uns schuldig zu machen, auch wenn er dement, kriminell oder rollstuhlabhängig wird."

Interessant, dass Sie Rollstuhlfahrer, Kriminelle und Demente in einen Topf werfen.

Eine Trennung aufgrund von Kriminalität kann ich, je nach Art des Verbrechens, durchaus nachvollziehen.

An Demenz erkrankt der Mensch überwiegend im fortgeschrittenen Lebensalter- d.h. in der Regel hat man schon viele gemeinsame Lebensjahre miteinander verbracht. Es verbindet einen also eine ganze Menge.

Vielleicht bin ich altmodisch, aber wozu eigentlich heiraten wenn das Versprechen "...in guten wie in schlechten Zeiten..." nur heiße Luft ist.
In einem anderen Post schrieben Sie, dass Ihre Frau befürchtet verlassen zu werden im Falle einer demenziellen Erkrankung???

Zur Erinnerung, dass hier ist ein MS-Forum! Den Gebrauch eines Rollstuhles als Trennungsgrund aufzuführen rofl
Ich gebe Ihnen Recht: meine MS-Erkrankung versaut in gewisser Weise auch das Leben meines Mannes. Allerdings gehört nicht die Benutzung eines Rollstuhles für längere Wegstrecken dazu. Wenn es sein muss schiebt er mich fröhlich durch die Gegend.

Der "bad-boy" kommt wieder zum Vorschein...

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bad-thinking

agno @, Samstag, 04.07.2020, 21:32 (vor 32 Tagen) @ Mimmi

"Ich fürchte - und wage das kaum auszusprechen, weil ich daran gemessen werden könnte -, dass wir den anderen nicht im Stich lassen dürfen, ohne uns schuldig zu machen, auch wenn er dement, kriminell oder rollstuhlabhängig wird."

...

Interessant, dass Sie Rollstuhlfahrer, Kriminelle und Demente in einen Topf werfen.

...

Hi Mimmi
Es steht jedem frei, die Nähe gewisser Buchstaben zueinander als böswillig einzustufen.
Ich sehe allerdings die Gemeinsamkeit darin, dass die Aufgezählten als Last für ihre Partner empfunden werden könnten.
Ob sich Wolfgang seine Ängste von der Seele schreibt, oder ob er eine Beobachtung ergründen möchte, oder ob er auf seltsame Weise trösten will?
Wer weiß das schon?
nur....
Wer möchte schon versorgt sein, weil sich der Pfleger sonst in der Hölle wähnt?
[image]
Es könnte sein, dass beide in der Vorhölle wohnen.
agno

--
Gschafft ist aber noch nix

bad-thinking

Mimmi, Sonntag, 05.07.2020, 00:41 (vor 32 Tagen) @ agno

" Wer möchte schon versorgt sein, weil sich der Pfleger sonst in der Hölle wähnt?"

Hallo agno,
meiner Auffassung nach ist es der Beziehungskiller schlechthin, wenn der Partner zum Pfleger mutiert. Trennung oder Pflege des Erkrankten sind aber zwei Extreme.

Die Schuld- und Aufopferungs-Konstellation meinte ich nicht. In dem Fall würde ich auch ganz klar eine Trennung befürworten!

Mir ist nur nicht klar warum die Liebe endet, wenn körperliche und/oder geistige Gebrechen mit ins Spiel kommen?

An meinem Beispiel: wir waren jung, topfit und unreif als wir uns kennen gelernt haben - dann sind wir zusammen erwachsen geworden - und jetzt bin ich im A...(u.U. könnte es noch sehr unschön werden).
Sollte mein Mann im Laufe der Jahre so belastet sein, dass er die Situation nicht mehr erträgt, könnte ich eine Trennung absolut verstehen - auch wenn er zum aktuellen Zeitpunkt noch festen Willens ist den Weg mit mir zu gehen.
Hätte er allerdings relativ zügig nach bekanntwerden der Diagnose das Weite gesucht, so wären mir doch starke Zweifel an der Echtheit seiner Gefühle gekommen.

thinking

sole, Sonntag, 05.07.2020, 01:14 (vor 32 Tagen) @ Mimmi

*~* Mir ist nur nicht klar warum die Liebe endet, wenn körperliche und/oder geistige Gebrechen mit ins Spiel kommen? *~*

Das ist mir auch nicht klar.

bad-thinking

fRAUb @, Sonntag, 05.07.2020, 07:23 (vor 32 Tagen) @ Mimmi

Die Frage ist doch auch, wie weit der/die Betroffene das zulassen will?

Möchte man selbst von nahen Angehörigen gewaschen, gefüttert oder sonst beim toilettengang versorgt werden?

Es wird insgesamt in dem Beitrag lediglich ein pauschalisierte Horrorszenario erstellt aufgrunddessen eibe Be- oder besser formuliert Ab- Wertung stattfindet.

Und ja, im Falle einer Demenz ist das vermutlich etwas anderes. Aber auch da, glaube ich dass die Dinge frühzeitig regelbar sind, ohne hier pauschal für Rollstuhl- fahrerInnen, demente und Verbrecher pauschalisiert ab- oder besser ver-urteilen zu müssen.

Ein gewisses Maß an Eigenständigkeit im vorangegangenen Leben betrachte ich unter diesen Umständen durchaus als Vorteil. Wenn ich alles zuvor ausgeblendet habe und es ist irgendwann soweit, steh ich natürlich da...

Ich Rolle übrigens selbst. Dazu hat die Firma alber gute Konzepte entwickelt. Es geht auch nicht anders, da ich oft genug alleine, mit Kind unterwegs bin.
Cave: der Motor in den Rädern hat massig Gewicht und einfach mal eben ins Auto heben ist nicht.

bad-thinking

Mimmi, Sonntag, 05.07.2020, 02:20 (vor 32 Tagen) @ agno

" Wer möchte schon versorgt sein, weil sich der Pfleger sonst in der Hölle wähnt?"

Hallo agno,
meiner Auffassung nach ist es der Beziehungskiller schlechthin, wenn der Partner zum Pfleger mutiert. Trennung oder Pflege des Erkrankten sind aber zwei Extreme.

Die Schuld- und Aufopferungs-Konstellation meinte ich nicht. In dem Fall würde ich auch ganz klar eine Trennung befürworten!

Mir ist nur nicht klar warum die Liebe endet, wenn körperliche und/oder geistige Gebrechen mit ins Spiel kommen?

An meinem Beispiel: wir waren jung, topfit und unreif als wir uns kennen gelernt haben - dann sind wir zusammen erwachsen geworden - und jetzt bin ich im A...(u.U. könnte es noch sehr unschön werden).
Sollte mein Mann im Laufe der Jahre so belastet sein, dass er die Situation nicht mehr erträgt, könnte ich eine Trennung absolut verstehen - auch wenn er zum aktuellen Zeitpunkt noch festen Willens ist den Weg mit mir zu gehen.
Hätte er allerdings relativ zügig nach bekanntwerden der Diagnose das Weite gesucht, so wären mir doch starke Zweifel an der Echtheit seiner Gefühle gekommen.

bad-thinking

fRAUb @, Sonntag, 05.07.2020, 07:28 (vor 32 Tagen) @ Mimmi

" Wer möchte schon versorgt sein, weil sich der Pfleger sonst in der Hölle wähnt?"

Hallo agno,
meiner Auffassung nach ist es der Beziehungskiller schlechthin, wenn der Partner zum Pfleger mutiert. Trennung oder Pflege des Erkrankten sind aber zwei Extreme.

Definitiv!
Du hast meine absolute Zustimmung.
Auch stellt sich die Frage, wo das beim erkrankten selbst aufhört. Und ob die Situation nicht doch auch für den Partner immer noch an irgendeiner Stelle einen Gewinn mit sich bringt?!


Die Schuld- und Aufopferungs-Konstellation meinte ich nicht. In dem Fall würde ich auch ganz klar eine Trennung befürworten!

Mir ist nur nicht klar warum die Liebe endet, wenn körperliche und/oder geistige Gebrechen mit ins Spiel kommen?

An meinem Beispiel: wir waren jung, topfit und unreif als wir uns kennen gelernt haben - dann sind wir zusammen erwachsen geworden - und jetzt bin ich im A...(u.U. könnte es noch sehr unschön werden).
Sollte mein Mann im Laufe der Jahre so belastet sein, dass er die Situation nicht mehr erträgt, könnte ich eine Trennung absolut verstehen - auch wenn er zum aktuellen Zeitpunkt noch festen Willens ist den Weg mit mir zu gehen.
Hätte er allerdings relativ zügig nach bekanntwerden der Diagnose das Weite gesucht, so wären mir doch starke Zweifel an der Echtheit seiner Gefühle gekommen.

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bad-thinking

agno @, Sonntag, 05.07.2020, 09:18 (vor 32 Tagen) @ Mimmi

Mir ist nur nicht klar warum die Liebe endet, wenn körperliche und/oder geistige Gebrechen mit ins Spiel kommen?

eine 80jährige jüdische Forscherin meinte dazu:
Ohne Sex gibt es keine funktionierende Beziehung.

--
Gschafft ist aber noch nix

Liebe

Boggy, Sonntag, 05.07.2020, 10:55 (vor 32 Tagen) @ agno

Mir ist nur nicht klar warum die Liebe endet, wenn körperliche und/oder geistige Gebrechen mit ins Spiel kommen?


eine 80jährige jüdische Forscherin meinte dazu:
Ohne Sex gibt es keine funktionierende Beziehung.

Das ist Quatsch.
Sex ist Klasse.
Aber seine Art, sein Vorhandensein oder nicht, sagt nicht unbedingt etwas über die Tiefe der Liebe :herzle: zwischen zwei Menschen aus.

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Geteilte „Perversionen“

stefan ⌂ @, Berlin, Sonntag, 05.07.2020, 11:11 (vor 32 Tagen) @ agno

eine 80jährige jüdische Forscherin meinte dazu:
Ohne Sex gibt es keine funktionierende Beziehung.

Die Frau hat vermutlich Otto Kernbergs „Liebesbeziehungen“ gelesen.

Da geht es mehr um die gemeinsamen „Perversionen“, aber man kann das sicher auch so darstellen.

Das ist tiefes Psychoanalytisches Gedankengut, und nicht unbedingt mit dem alltäglichen Begriff von LIEBE“ zu verwechseln.

https://www.klett-cotta.de/buch/Psychoanalyse/Liebesbeziehungen/4251

„Perversion“ ist hier übrigens kaum abwertend gemeint. Eher als etwas, was eben begeistert, ggf. Ängste minimiert..., ein umfangreiches Thema...

--
Alles was lebt ist heilig.

Geteilte „Perversionen“

Edithelfriede @, Nordhessen, Sonntag, 05.07.2020, 19:58 (vor 31 Tagen) @ stefan

HALLO.
So oft wie das geschrieben steht kanns gar nicht oft genug sein, weil
meine Kinder haben des wegen das Haus gewechselt und meine Tochter
sogar das Land. Sie wohnte und arbeitete zwar nur bei ihrem Vater aber
der hat ihr ein Abbruchhaus zurechtgemacht und das Haus hat er nun ihrem
Vater zwar renoviert geschenkt aber sie soll das immer bewohnen.
Obwohl er immer Schokolode gab als sehr süchtiger Vater.
Meinem Sohn wollte er auch ein Schokoladengrog geben im Winter.
Aber mein Sohn wollte das nicht schon als Kind trank er keiner Grog den
der Ersatzvater ihm anbot.
Das ich deswegen Konflikte mit Brotwaren hatte stimmt nicht denn nun oder
jetzt ist sie längst erwachsen und bereiten sich alle daheim alles
selber zu.
Also ich auch schon immer außer wenn ich mit Schlaganfall ins
Krankenhaus komme.

lg ed

--
Angst die Hoffnung zu verlieren soll nicht mein Leben bestimmen!
Sommer 2o19 bewußtlos ins ins Krankenhaus war nach vier Wochen wieder heim unter Betreuung meiner Tochter.

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