Austherapiert (Allgemeines)

tournesol @, Freitag, 27.09.2019, 17:20 (vor 26 Tagen)

Als ich heute bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Patientenbücherei war, traf ich auf eine Frau, die sagte, sie könne nicht lesen, da ihre Brille im Heim zurückgeblieben sei. Sie lag im Bett am Tropf und sah noch nicht so uralt aus, dass ich auf Heimbewohnerin getippt hätte. Ich habe mich ein bisschen mit ihr unterhalten und sie hat mir erzählt, dass sie MS hat, welche Medikamente sie bekommt und dass sie austherapiert sei und man nichts mehr machen könne. Sie konnte auch nur noch sehr leise reden und hat sich dafür entschuldigt.

Ich habe ihr gesagt, dass ich auch MS habe, aber ich weiß nicht, ob das richtig war? Vielleicht hat es sie auch noch weiter runtergezogen zu sehen, dass es mir trotz/mit MS gut geht. Zum Schluss fragte sie mich, ob ich keine Angst habe.

Ein paar Zimmer weiter traf ich schon wieder auf eine Patientin mit MS. Sie konnte sich fast gar nicht bewegen, so dass ihr die Klingel in die Hand gelegt werden musste, damit sie sie überhaupt betätigen konnte, aber sie schien mir besser drauf zu sein als die 1. Frau.
Lesen konnte sie auch nicht, weil sie keine Bücher halten kann.

Die Station war nicht die Neurologie.

Austherapiert

IceUrmel, Samstag, 28.09.2019, 11:39 (vor 25 Tagen) @ tournesol

Als ich heute bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Patientenbücherei war, traf ich auf eine Frau, die sagte, sie könne nicht lesen, da ihre Brille im Heim zurückgeblieben sei. Sie lag im Bett am Tropf und sah noch nicht so uralt aus, dass ich auf Heimbewohnerin getippt hätte. Ich habe mich ein bisschen mit ihr unterhalten und sie hat mir erzählt, dass sie MS hat, welche Medikamente sie bekommt und dass sie austherapiert sei und man nichts mehr machen könne. Sie konnte auch nur noch sehr leise reden und hat sich dafür entschuldigt.

Ich habe ihr gesagt, dass ich auch MS habe, aber ich weiß nicht, ob das richtig war? Vielleicht hat es sie auch noch weiter runtergezogen zu sehen, dass es mir trotz/mit MS gut geht. Zum Schluss fragte sie mich, ob ich keine Angst habe.

Hi Tournesol,

da kann man pauschal wenig zu sagen.

Ich würde das von der Situation, meinem Bauchgefühl und meiner Einschätzung des Individuums mir gegenüber abhängig machen, ob ich meine Krankengeschichten erzähle.

Weshalb hast Du es ihr denn erzählt?

Ein paar Zimmer weiter traf ich schon wieder auf eine Patientin mit MS. Sie konnte sich fast gar nicht bewegen, so dass ihr die Klingel in die Hand gelegt werden musste, damit sie sie überhaupt betätigen konnte, aber sie schien mir besser drauf zu sein als die 1. Frau.

Das könnte das Phänomen des individuellen Krankheitsumgangs sein. Menschen, die es scheinbar gar nicht so schlimm getroffen hat, fühlen sich bisweilen schlechter als die, die das Worst-Case-Szenario abbekommen haben.

Ob das dann tatsächlich so ist, sei mal dahingestellt und ob das in dem von Dir beschriebenen Fall zutrifft, weiß man auch nicht. Dafür ist der Ausschnitt, den Du zu sehen bekommen hast, viel zu klein.

Liebe Grüße

P.S. Toll, dass Du ehrenamtlich in der Patientenbücherei tätig bist!

Austherapiert

tournesol @, Samstag, 28.09.2019, 12:54 (vor 25 Tagen) @ IceUrmel

'Weshalb hast Du es ihr denn erzählt?'

Spontan, Konversation. Ich hatte vorher auf dieser Station noch nie jemand mit MS getroffen und hätte dort auch keinen vermutet, da es auch eine Neurologie gibt.

'P.S. Toll, dass Du ehrenamtlich in der Patientenbücherei tätig bist!'

Ich mache das schon lange, weil ich es kann und Lust dazu hatte, als ich gelesen habe, dass Leute gesucht wurden. Manchmal ist es auch ziemlich frustrierend, aber jedes Mal, wenn ich dachte, mir ist das jetzt zu blöd, ich höre auf, haben sich Patienten gefreut, als ich mit Büchern gekommen bin und so habe ich weitergemacht.

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Austherapiert

GG, Samstag, 28.09.2019, 15:37 (vor 25 Tagen) @ tournesol

solange du es noch kannst, würde ich nicht aufhören, auch wenn du manchmal Elend siehst, ist ja ein Krankenhaus, da liegen

Kranke und die freuen sich, wenn jemand vorbeikommt.

Ich hatte in der Tafel gearbeitet, auch dort gibt es Elend, vor allem die alten Omis, war gerne dort, war auch dankbar, dass ich

da nicht hin muß, leider hat die MS verhindert und ich konnte kräftemäßig nicht mehr.:crying:

G

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Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst,sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt,das wichtiger als die Angst ist

Austherapiert

tournesol @, Samstag, 28.09.2019, 16:12 (vor 25 Tagen) @ GG

'solange du es noch kannst, würde ich nicht aufhören, auch wenn du manchmal Elend siehst, ist ja ein Krankenhaus, da liegen'

Mich frustriert nicht das Elend, das ich im Krankenhaus sehe, da komme ich schon mit klar, auch wenn manches wirklich traurig ist, sondern, dass diese ehrenamtliche Tätigkeit oft wenig erfolgreich ist, wenn manche so tun, als sei es eine Zumutung, dass ich überhaupt frage, ob sie etwas lesen möchten. Wenn jemand zu erschöpft ist oder sich nicht konzentrieren kann, habe ich Verständnis, das ging mir auch so, als ich im Krankenhaus lag und man muss ja auch nicht lesen.
Manchmal gibt es aber auch überraschende 'Erfolge', gestern sagte ein junger Mann zu mir, er habe schon ewig keinen Roman gelesen und hat 2 Bücher ausgeliehen.

Es ist schade, dass du nicht mehr bei der Tafel mitarbeiten kannst, wenn du es gern gemacht hast. Kannst und / oder willst du etwas anderes, weniger anstrengendes, machen?

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Austherapiert

GG, Samstag, 28.09.2019, 17:02 (vor 25 Tagen) @ tournesol


Es ist schade, dass du nicht mehr bei der Tafel mitarbeiten kannst, wenn du es gern gemacht hast. Kannst und / oder willst du etwas anderes, weniger anstrengendes, machen?

Geht nicht mehr, war eine schöne Zeit.

G

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Austherapiert

ulma, Samstag, 28.09.2019, 15:56 (vor 25 Tagen) @ tournesol

Jetzt fällt mir ein, dass ich vor Jahren bei der Visite in der Chirurgie eine junge Frau mit MS sah, die neben dem Bett einen Rollstuhl stehen hatte. Früher hatte man noch Zeit und wir unterhielten uns, als ich das Zimmer verließ, dachte ich wortwörtlich: Armes Schwein, ohne zu ahnen, dass ich auch zum Club gehörte, denn leichte Probleme hatte ich schon, aber nie beachtet.
Denkt man heute, wenn man mich sieht auch so? Wahrscheinlich

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Mudda !! Hol mich vonne Zeche, ich kann datt Schwatte nich mehr sehn

Austherapiert

tournesol @, Samstag, 28.09.2019, 16:20 (vor 25 Tagen) @ ulma

Ich habe eigentlich nie Rollstuhlfahrer als besonders bedauernswert gesehen, sondern mir haben immer relativ junge Leute leidgetan, die sich mühsam mit Rollator fortbewegen.

Austherapiert

ulma, Samstag, 28.09.2019, 18:06 (vor 25 Tagen) @ tournesol

:-) die gab es damals noch nicht

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Mudda !! Hol mich vonne Zeche, ich kann datt Schwatte nich mehr sehn

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