Der begrabene Riese (Bücherecke)

W.W. @, Dienstag, 03.09.2019, 08:38 (vor 17 Tagen)

Ein sehr merkwürdiger Roman. Von einem englischen Japaner: Ishiguro. Nobelpreisträger! Das Buch beginnt gleich mit Elfen, Menschenfressern und Nebel - und spielt im 5. Jahrhundert. Nicht vor, sondern nach Chr. Ich dachte, das muss ein Fantasy-Roman sein, und das ist er auch tatsächlich. Nur auf eine sonderbare Art. Mythologischer als "Der Herr der Ringe".

"Der Herr der Ringe" ist sehr weit weg, tatsächlich mehr ein 3D-Spektakel, die uns mit unvorstellbarem Aufwand auf eine unvorstellbare Weise mitreißen. Hier aber scheint ein Geist aus der Vergangenheit zu uns zu sprechen. Weil der Autor ein Japaner ist?

Und die Protagonisten: Zwei alte Menschen, die Axl und Beatrice heißen. Sie versuchen, wieder ihrer Erinnerung habhaft zu werden, die im Nebel verloren gegangen ist. Eine Parabel! Was ist der Mensch, der keine Erinnerungen mehr hat? Axl nennt seine Frau immer "Prinzessin". Meiner Frau gefällt das.

W.W.

Der begrabene Riese

tournesol @, Dienstag, 03.09.2019, 18:25 (vor 17 Tagen) @ W.W.

Es ist typisch für japanische Romane, dass oft Wirklichkeit und Traum oder Fantasiewelt nicht klar zu trennen sind und ineinander übergehen. Beim Lesen fand ich es manchmal schwierig zu entscheiden, was Realität ist. Ich mag es eigentlich lieber real.

Dieses Buch von Kazuo Ishiguro kenne ich nicht, sondern nur das hier sehr bekannte 'Was vom Tage übrig blieb', das Leben eines Butlers.

Der begrabene Riese

W.W. @, Dienstag, 03.09.2019, 18:32 (vor 17 Tagen) @ tournesol

Es ist typisch für japanische Romane, dass oft Wirklichkeit und Traum oder Fantasiewelt nicht klar zu trennen sind und ineinander übergehen. Beim Lesen fand ich es manchmal schwierig zu entscheiden, was Realität ist. Ich mag es eigentlich lieber realistisch.

Ja, dieses Changieren ist sehr merkwürdig, als ob einen Altertümliches, längst Vergangenes anwehen würde. Ich meine, ob etwas dran wäre, dass etwas Mythisches aus der Vorzeit zu uns spricht. Als ob die Phantasie, die durch so etwas angeregt wird, weniger Hollywoodhaft wäre.:-)

Z.B. wie sie in der verfallenen römischen Villa, in der sie vor einem Gewitter Zuflucht gesucht haben, zwei Personen antreffen: eine alte Frau, die irgendwo sitzt und etwas in ihrem Schoß versteckt, und ein mittelalter Mann am Fenster. Der Mann berichtet, dass er Fährmann ist, und sich mit seinen Kollegen ablöst, und wie er hier, wenn er einen Tag Pause hat, herkommt. Aber kaum ist er da, kommt die alte Frau, beschimpft und verflucht ihn, und schneidet vor seinen Augen einem Kaninchen die Kehle durch...

W.W.

Der begrabene Riese

W.W. @, Donnerstag, 05.09.2019, 17:21 (vor 15 Tagen) @ W.W.

Ich habe das Buch nun weiter und weiter gelesen, einerseits abgeschreckt, weil es offensichtlich ein Fantasy-Roman ist, und gleichzeitig merkwürdig angezogen durch das Schicksal von Axl und Beatrice, die er nur "Prinzessin" nennt.

Mir geht durch den Kopf, wie wir nachts träumen und uns morgens nur erinnern, dass wir geträumt haben. In dem England zur Zeit des Königs Artus liegt der Nebel des Vergessens über dem Land, und die Menschen vergessen innerhalb von Stunden und Tagen. Wie wir unsere Träume vergessen?!

Ishiguro soll von den Ereignissen in Ruanda und Jugoslawien zu diesem Roman inspiriert worden sein, wie die Tutsis und die Hutus sich gegenseitig umgebracht haben, weil sie nicht vergessen konnten.

Ist es eigentlich so wichtig, wie wahr unsere Erinnerungen sind?

W.W.

PS: Das letzte Kapitel ist das Schönste, was ich je gelesen habe.

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