Was läuft schief bei der MS? (Allgemeines)

W.W. @, Donnerstag, 04.04.2019, 09:01 (vor 22 Tagen)

Ich beziehe mich auf einen Thread in Sallys Café.

Es scheint doch alles gut zu laufen: Wenn man ihn braucht, kriegt man rasch einen Termin beim Neurologen, der untersucht und berät einen und schickt einen zur näheren Abklärung ins MRT. Dann, wenn die Diagnose 'MS' bestätigt ist, rät er einem zu einem Medikament, und man kann selbst entscheiden, ob man es nehmen will oder lieber erst mal abwarten möchte.

Wie sollte es idealer gehen?

W.W.

Was läuft schief bei der MS?

Bernhard @, in der Gegenwart, Donnerstag, 04.04.2019, 09:16 (vor 22 Tagen) @ W.W.

Eventuell noch Alternativen aufzeigen (Ernährung, aktuelle Situation beleuchten) und zu Betroffenen vernetzen die ohne Medikamente ganz gut zurecht kommen bzgl. eines Austausches.

Was läuft schief bei der MS?

W.W. @, Donnerstag, 04.04.2019, 09:33 (vor 22 Tagen) @ Bernhard

Ich denke auch, es läuft eine ganze Menge schief, und dennoch wirken alle Verbesserungsvorschläge merkwürdig blass und ineffektiv.

Und selbst wenn Jutta Scheiderbauer recht hat - und ich glaube, sie hat recht - wird man auf sie nicht hören wollen. Wie kann man ihr helfen, dass man auf sie hört?! Ich habe Angst, sie könnte zwischen den Mühlsteinen der Interessen zerrieben werden.

W.W.

Was läuft schief bei der MS?

Bernhard @, in der Gegenwart, Donnerstag, 04.04.2019, 09:54 (vor 22 Tagen) @ W.W.

Warum Blass? Da es ein Einzeiler war?
Da sich der "Professionelle" zurück nehmen muss oder abgeben sollte?

In der Psychiatrie gibt es ein solches Modell welches sich seit einem Jahrzehnt in Deutschland nicht wirklich integriert.
Recovery und Koproduktion heißt dies.
In der Schweiz sehr weit verbreitet.
Ein erfahrener (Peer genannt) ist mit im Behandlungsteam integriert und bringt wesentlich mehr Akzeptanz und Authentizität für Betroffene... für Interessierte

Was läuft schief bei der MS?

W.W. @, Donnerstag, 04.04.2019, 10:03 (vor 22 Tagen) @ Bernhard

Das ist sehr interessant, weil ich mir gerade Gedanken darüber mache, wie es in der Psychiatrie und in Pflegeheimen hinsichtlich der Demenzkranken "menschlicher" zugehen könnte. Aber meine Gedanken waren ins Stocken geraten, weil ich mich "erschlagen" fühlte.

W.W.

Neben Thema: Was läuft schief in der Pflege?

Bernhard @, in der Gegenwart, Donnerstag, 04.04.2019, 10:20 (vor 22 Tagen) @ W.W.

.... Gedanken darüber mache, wie es in der Psychiatrie und in Pflegeheimen hinsichtlich der Demenzkranken "menschlicher" zugehen könnte....

W.W.

Fühle mich auch oft erschöpft und brauche viel Ruhe....
Aber ich kann nur für mich/meine Arbeitsweise und meinen "schwierigen" Arbeitsplatz sprechen.
Ruhe, Zeit, Validation, und Humor sind auf jede fall sehr wichtige Komponenten die es dem erkrankten leichter machen und Konflikte minimieren.

Nun arbeite ich in der Psychiatrie und habe somit den Vorteil mehr Zeit zu haben (ab und zu) und meistens auch eine gute Besetzung bei relativ wenigen Patienten.
Im Gegensatz zu Altenheimen, wo eine examinierte Kraft mit evtl. einem Pflegehelfer und Schüler für etwa zwei Etagen a 25 Menschen welche sich teilweise am Ende ihres Lebens befinden......

Neben Thema: Was läuft schief in der Pflege?

W.W. @, Donnerstag, 04.04.2019, 12:14 (vor 22 Tagen) @ Bernhard

Nun arbeite ich in der Psychiatrie und habe somit den Vorteil mehr Zeit zu haben (ab und zu) und meistens auch eine gute Besetzung bei relativ wenigen Patienten.

Genau so habe ich früher auch gearbeitet, denke ich, und dann ist irgendetwas passiert, dass diese Zeit vorüberging.

Wer hat das gewollt? Waren es die Schwestern und Pfleger, die sich gegenüber den Ärzten besser behaupten wollten? Oder die Psychologen, Krankengymnasten und Ergotherapeuten, die sich zu Unrecht bevormundet fühlten?

Ich fürchte, es war die Arroganz der Ärzte!:-(

Auf jeden Fall ist diese Zeit vorbeigegangen. Es könnte sein, dass wir Ärzte es vergeigt haben.:confused:

W.W.

Was läuft schief bei der MS?

W.W. @, Donnerstag, 04.04.2019, 12:33 (vor 22 Tagen) @ Bernhard

Ich habe eben das Konzept von dem Kilchberg-Sanatorium im Café gelesen. Natürlich kann ich mich noch nicht fundiert genug darüber äußern, aber zunächst stieß ich mich an dem Begriff "Recovery". Zunächst dachte ich an die Scientology-Sekte, dann an etwas Amerikanisches, was man nicht ins Deutsche übersetzen kann und schließlich auch noch an etwas Esoterisches.

Nein, das ist nicht abwertend gemeint. Warum sollten uns die Amerikaner nicht überlegen sein: Thoreau, Walden, Bob Dylan, Pierce und William James??!

Und dennoch: "Recovery" könnte etwas Aufgepfropftes, Bemühtes und Unechtes haben. So, wie der "Zauberberg" in Davos etwas Unechtes hatte. Ich glaube, es war kein Einheimischer dort! Nur Hamburger, Russen, Settembrini und Naphtha.

Was amerikanisch ist, könnte ja modern und gut sein. Ich fing an, mir über das Wort "recovery" Gedanken zu machen. Bedeutet das nicht Wiedererweckung, dass man also etwas in sich wiedererweckt, was verlorengegangen ist? Die Kindheit? Die Liebe zur Natur? Ideale, die verloren gegangen sind? Ein Glaube, der seinen Sinn verloren hat?

Ich könnte mich also an all das, was in mir verschüttet worden ist, wieder erinnern, und die Welt würde auf einmal für mich neu erstrahlen. Aber da ist ja dieses Messianische, das mir Misstrauen einjagt.

W.W.

Was läuft schief bei der MS?

W.W. @, Donnerstag, 04.04.2019, 15:54 (vor 22 Tagen) @ W.W.

Vielleicht ist es dies, was schief läuft: Ist es so selbstverständlich, wie es klingt, dass Ärzte über die MS und ihre Therapie mehr Ahnung haben müssen als ihre Patienten?

Das scheint mir in den Zeiten, wo man sich selbst leicht im Internet informieren kann, nicht mehr selbstverständlich zu sein. Auch die Beschreibungen von Wirkungsmechanismus, Nebenwirkungen, Risiken und Erfolgsaussichten sind oft so allgemeinverständlich formuliert, dass man keine besondere Vorbildung braucht, um sie zu verstehen.

Ich glaube, ein naives Vertrauen seinem Arzt gegenüber ist nicht mehr zeitgemäß, vielleicht sogar zu verurteilen.

W.W.

Was läuft schief bei der MS?

Edithelfriede @, Nordhessen, Donnerstag, 04.04.2019, 18:21 (vor 22 Tagen) @ W.W.

Vielleicht ist es dies, was schief läuft: Ist es so selbstverständlich, wie es klingt, dass Ärzte über die MS und ihre Therapie mehr Ahnung haben müßten als ihre Patienten?

Leider habe ich oft erfahren das zb der/die Mediziner nicht bereit waren zuerst die Ursachen zu finden sondern Medikamente wie Eisen bei Fatique zu verordnen/ oder mir sogar zu infundieren!
Boggy schrieb darüber https://www.sallys-ms-cafe.de/forum/index.php?id=173518
und den Hinweis wie ein niedriger HB, Fatique und kognitive Defizite zusammenhängen wird mein HA wohl nicht gewußt haben. Ganz vorsichtig formuliert müßte ich sonst kräftigere Ausdrücke als versehentlicher Behandlungsfehler nennen!

Ich glaube, ein naives Vertrauen seinem Arzt gegenüber ist nicht mehr zeitgemäß, vielleicht sogar zu verurteilen.

Da Sie W.W. dies schrieben möchte ich voll zustimmen!

lg e

--
Angst die Hoffnung zu verlieren soll nicht mein Leben bestimmen!

Was läuft schief bei der MS?

W.W. @, Freitag, 05.04.2019, 09:11 (vor 21 Tagen) @ W.W.

"Doctor knows best!" Das stimmt nicht mehr. Oft wissen die Betroffenen besser Bescheid, weil sie sich im Internet kundig gemacht haben, und sie im Gegensatz zum Arzt, der alle Krankheiten irgendwie kennen sollte, nur die eine Krankheit, die er selbst hat, besonders gut kennen muss.

Dazu kommt: Patienten sollten mitentscheiden, weil es um ihre Sache geht. Das ist mein Hauptargument gegen die DMSG. (Das andere ist, dass der, der entscheidet, frei von Interessenskonflikten sein muss.)

W.W.

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