Welche Gene liegen auf dem X- bzw. dem Y-Chromosom? (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 03.12.2018, 09:32 (vor 7 Tagen)

Ich beziehe mich auf eine Überlegung von Michael, und ich wundere mich, warum sie nicht ernsthafter diskutiert wird -und warum ich selber nicht darauf eingegangen bin. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Chromosomen, wobei Männer je ein X- und ein Y-Chromosom haben, während Frauen zwei X-Chromosome haben.

Ins Unreine gedacht: Wenn die Anlage für die MS auf einem X-Chromosom liegen würde, würden dann eher Frauen oder eher Männer MS bekommen?

Das einfache Beispiel scheint zu zeigen, wie es in unserem Verstand zu rattern beginnt, wenn wir von dem üblichen Fall abweichen, dass immer das Genmaterial, das sich aus 2 Chromosomen befindet, für das, was wir werden (Phänotyp) verantworttlich ist.

Über diese Gedanken kann man sich leicht lustig machen, weil sie zeigt, wie einfach und nahezu primitiv ich denke. Vielleicht kann man mir auch nachweisen, inwiefern ich einer Milchmädchenüberlegung aufgesessen bin.:-( Trotzdem finde ich, dass es sich lohnt, diese Erwägung wenigstens ins Betracht zu ziehen.

W.W.

PS: Meiner Ansicht nach zeigt dieses Beispiel auch, warum es sinnvoll sein kann, systematisch vorzugehen und zwei MS-Theorien in Gänze (also in voller Länge) miteinander zu vergleichen, also auf der einen Seite die MS-Theorie der DMSG und auf der anderen Seite die hier geschilderte. Erst durch den Vergleich wird man die Haken und Ösen der jeweiligen Theorien finden, aber gerade dieses Nachdenken, Prüfen und nochmaliges Überlegen könnte ja dazu führen, dass sich die MS-Theorien verbessern (auch wenn es manchmal so aussieht, als würde immer wieder derselbe Quark breitgetreten).

Welche Gene liegen auf dem X- bzw. dem Y-Chromosom?

Marc @, Montag, 03.12.2018, 10:38 (vor 7 Tagen) @ W.W.

... Wenn die Anlage für die MS auf einem X-Chromosom liegen würde, würden dann eher Frauen oder eher Männer MS bekommen?

Wenn sie die HERV-W Theorie hinztunehmen, dann erhalten sie eigentlich sogar eine logische Erklärung, weshalb doppelt so viele Frauen wie Männer von einer schubförmigen From betroffen sind?
Es gibt da schließlich einen genetischen HERV-W Marker auf dem X Chromosom der einen direkten Zusammenhang mit dem Risiko von möglichen Entzündungsaktivitäten steht.
Frauen mit XX Chromosomen hätten demnach eine fast doppelte Wahrscheinlichkeit einer MS-Pathogenese wie XY Männer..

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24405691

Welche Gene liegen auf dem X- bzw. dem Y-Chromosom?

agno @, Montag, 03.12.2018, 11:07 (vor 7 Tagen) @ W.W.

flowers
aber
Weil ich glaube, dass jede Theorie Weltanschauungsgeschwängert ist, gebe ich mir Mühe ein paar agnostische Stöckchen zwischen ihre Speichen zu schmeißen.

Nun mal angenommen es sind mehrere genetische Marker die...
Moment mal... Marker die darauf schließen lassen, dass eine MS kommt oder
einfach nur Marker, die eine MS überhaupt erst möglich machen?
und 2. Frage:
"Frauen zwei X-Chromosomen haben, Männer nur eines"
Das bedeutet ja nur, dass Frauen eine Sicherheitskopie auf dem X-Zweig haben.
Wenn ich nun vermuten wollen würde, dass Frauen wegen dieser Sicherheitskopie häufiger erkranken, was bedeutet das?
Dass es im Körper schon einen Reparaturbetrieb gibt, bevor MS ausbricht, der durch diese Sicherheitskopie ausgehebelt wird?
Gäbe es noch einen vorstellbaren Mechanismus mit den vorgegebenen Gegebenheiten?
mfG agno

P.S.: Zwar kann ich mich im Ausland durchaus auf Englisch verständigen, Medizinische Fachtexte auf Englich sind für mich aber eher chinesische Schriftzeichengeheimnisse.

P.P.S.: Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich meine Gedanken nicht deutlich genug formuliert hätte!
Nur weil eine Sicherheitskopie vorhanden ist, auf der jener angesprochene Marker nochmal vorkommt, bedeutet das in meiner Logik nicht zwingend, dass Frauen häufiger an MS erkranken.

Ergänzung:
Nichtsdestotrotz, las ich gestern irgendwo, dass die Natur bei Männern experimentierfreudiger sei und deshalb die Geburtenrate der Jungs, wegen deren erhöhten Sterblichkeit, um 2% erhöht sei.
Wie passt das zu einer Krankheit, die doppelt so viele Frauen als Männer betrifft?

--
Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

@ MO: Das X & die Frauen

agno @, Montag, 03.12.2018, 14:45 (vor 7 Tagen) @ agno

War da ein Posting von Dir?
Wenn ja: Meine Denkrichtung verläuft diesbezüglich ähnlich.
lG agno

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Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

Immungene sitzen v.a. auf dem X-Chromosom

MO @, Zürich, Montag, 03.12.2018, 14:50 (vor 7 Tagen) @ W.W.

Meine ursprüngliche Antwort lautete: Wenn die Ursache der MS auf dem X-Chromosom sässe dann müssten Männer häufiger MS haben als Frauen. Diese provokante These begründete ich mit dem Barr-Körperchen bei der Frau, wo nach dem Zufallsprinzip in jeder weiblichen Zelle ein X-Chromsom inaktiviert ist. Deshalb ist die Frau ein genetisches Mosaik (Mosaicismus) und kann X-chromosomal vererbte Krankheiten tendenziell besser kompensieren als ein Mann, der zu 100% seinem kranken X-Chromosom ausgeliefert ist. (Ein interessantes Dokument zum Mosaicismus: http://www.ngzh.ch/archiv/1995_140/140_2/140_18.pdf)

Wäre da nicht die Tatsache, dass bei Autoimmunerkrankungen das X-Chromosom scheinbar eine ganz spezielle Rolle spielt: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0896841111001259?via%3Dihub Zitat: „Es ist bekannt, dass das X-Chromosom die größte Anzahl von immun-bezogenen Genen des gesamten menschlichen Genoms enthält.“
Scheinbar spielen Inaktivierungen und Duplikationen der X-chromosomalen Gene eine wichtige Rolle bei Autoimmunerkrankungen und so haben beispielsweise Klinefelter Männer ein ähnliches Risiko für systemischen lupus erythematosus wie Frauen. Es gibt sogar Hinweise, dass KF Männer ein ähnliches MS Risiko wie Frauen haben: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25295757

Jetzt habe ich soeben meine Antwort widerlegt :-D

Aber vielleicht helfen die beiden Publikationen jemandem von euch den Faden weiterzuspinnen. Ich war mir bis eben nicht bewusst, dass die meisten Immungene auf dem X Chromosom sitzen.

Aber alles in allem wäre das immerhin ein starker Hinweis, dass die MS eben doch eine Autoimmunerkrankung ist. :confused:
Ich mache jetzt eine Pause, wird mir grad zuviel :coffee:

--
Ich liebe den Herbst, dank seinen kühleren Temperaturen erwacht mein Geist.

danke o.w.T.

agno @, Montag, 03.12.2018, 14:54 (vor 7 Tagen) @ MO

flowers

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Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

Immungene sitzen v.a. auf dem X-Chromosom

W.W. @, Montag, 03.12.2018, 15:09 (vor 7 Tagen) @ MO

Deshalb ist die Frau ein genetisches Mosaik (Mosaicismus) und kann X-chromosomal vererbte Krankheiten tendenziell besser kompensieren als ein Mann, der zu 100% seinem kranken X-Chromosom ausgeliefert ist.

Das wusste ich gar nicht!:-( Worauf kluge Forscher so kommen...! Was geht mir alles durch den Kopf?!:confused:

- Frauen haben doppelt so viele X-Chromosomen als Männer, also müssen sie doppelt so häufig MS haben, wenn die Anlage zur MS auf dem X-Chromosom liegt?

- Wenn aber Die Anlage zur MS rezessiv ist und durch das 2. X- Chromosom ausgeschaltet werden könnte, müssten dann nicht Frauen nur halb so häufig MS haben wie Männer?

- Wenn auf dem X-Chromosom etwas liegt, was den Ausbruch der MS verhindert...?

Das wird mir zu viel. Ich höre lieber auf! :no:

W.W.

X- und Y-Chromosomen und Autoimmunerkrankungen

IceUrmel, Montag, 03.12.2018, 18:31 (vor 6 Tagen) @ W.W.

Das Immunsystem von Frauen und Männern ist sehr unterschiedlich. Frauen haben bessere Chancen, schwere Infektionen zu überleben. Bei Autoimmunerkrankungen sind sie allerdings eher betroffen: Rund 80 Prozent der Patienten sind weiblich.

Männer sind empfänglicher gegenüber pathogenen Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten. Die Vermutung liegt nahe, dass somit Sexualhormone einen gewichtigen Einfluss auf das Immunsystem haben und schließlich beim weiblichen Geschlecht für die effektivere Abwehr sorgen.

Allem Anschein nach ist das Hormon-Signalling zwar an einer Vielzahl von Effekten beteiligt. Immer deutlicher wird aber auch, dass Gene auf dem X- und Y-Chromosom eine bedeutende Rolle spielen. Das zeigt eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift PNAS ( http://www.pnas.org/content/114/13/3491 ).

Hier geht´s zum ganzen Artikel: http://news.doccheck.com/de/171917/autoimmunerkrankungen-sind-frauensache/

Liebe Grüße

X- und Y-Chromosomen und Autoimmunerkrankungen

W.W. @, Montag, 03.12.2018, 18:52 (vor 6 Tagen) @ IceUrmel

Wenn Frauen und Männer so unterschiedlich sind, wie Sie schreiben, ist es mir umso schleierhafter, warum sie in den Studien in einen Topf geworfen werden. Es könnte doch interessante Unterschiede geben. Ich meine mich zu erinnern, dass Aspirin bei Männern gegen einen neuen Herzinfarkt schützt, bei Frauen nicht.

Sicher gibt es auch Untergruppenanalysen, aber ich halte es für denkbar, dass sie nur dann veröffentlicht werden, wenn sie für den Medikamentenhersteller lukrativ sind. So könnte die Wahrheit verborgen bleiben.

W.W.

X- und Y-Chromosomen und Autoimmunerkrankungen

IceUrmel, Montag, 03.12.2018, 19:32 (vor 6 Tagen) @ W.W.

Dass unliebsame Studien in Schubladen-Untiefen verschwinden ist leider Fakt.

Geschlechtsspezifische Unterschiede finden in den letzten Jahren allerdings vermehrt Berücksichtigung in Wissenschaft und Forschung – ziemlich spät, wenn man mich fragt, aber immerhin.

Zitat aus dem Artikel: Aber auch bei der Planung und Interpretation von Studien verlangen die Kontrollbehörden in den USA und Europa immer öfter ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern – auch schon bei Tierversuchen im präklinischen Bereich. Wenn wir unsere Therapien immer weiter personalisieren wollen, kommen wir an einer Gender-Medizin nicht vorbei. Den Einfluss von Hormonen, Genen der Geschlechtschromosomen und nicht zuletzt unserer Umgebung aufzudröseln und einzeln zu studieren, ist dabei nur der erste Schritt.

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