rettet die grumsligen Neurologen (Allgemeines)

agno @, Freitag, 03.08.2018, 16:06 (vor 74 Tagen)

Man hört so Geschichten
Von Neurologen denen ein wichtiger Teil ihres Gelderwerbs genommen wurde!
Wenn jetzt ein armer Patient zum kleinen Gottvater in die Praxis geht und klagt dass er mit der kleinen Basistherapie nicht zufrieden ist, entweder weil man bei diesem besch. Wetter noch einen verflixten Schub bekommen hat oder weil die Lebenssäfte nicht reichen um die Nebenwirkungen der Basistherapie und noch das ganz normale verrückte Leben zu stemmen.
Jetzt kann der arme Kleingott in Weiß ohne zertifizierte Gemeinschaftspraxis, nicht mehr mit einem lächeln das nächste Hochglanzwunderprospekt präsentieren.
Antikörper gegen den autoimmunen Hirnlochfraß, die Pumpgun der MS-Medis.
Diese Wunderwaffe (manchmal geht Sie auch nach hinten los) ist jetzt den Spezialpraxen vorbehalten.
Das könnte sich auf das Wohlbefinden des Arztes auswirken.
Imho ist dieser "Grummelstatus" des Nervenarztes, ein Grund für den Patienten um sich entspannt wohlzufühlen.
lG agno
P.S.: Wem von kompetenter Seite zur Superpraxis geraten wird, bitte lächeln, ja sagen vieleicht nächstes mal oder übernächstes mal oder...

--
Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

rettet die Hamster im Rad

jerry @, Freitag, 03.08.2018, 19:09 (vor 74 Tagen) @ agno

Man hört so Geschichten
Von Neurologen denen ein wichtiger Teil ihres Gelderwerbs genommen wurde!

Danke für den Link, lieber agno!

Erstaunlich, was da inzwischen auf seiten medizinischer Versorger alles so auffällt an Unerfreulichem im Zusammenhang mit dem zertifiziert-interessenkonfliktträchtig-etablierten Management der MS!

Und erstaunlich spät überdies... :-D

Gar nicht erstaunlich, dass es beim Zurückrudern vordergründig um erschröckliche Nebenwirkungen geht von Therapeutika, deren Hauptwirkung nicht befriedigend belegt werden kann. Und nicht (auch) um hohe Kosten fürs System, die sich auf seiten der Industrie als satte Gewinne gutschreiben lassen.

Wer weiß - vielleicht krieg ich nach fünf Jahren diesmal leichter (m)einen angepassten Rollstuhl durch gegenüber meiner PKV? Der kostet ca. ein Fünftel dessen, was niedrigpreisige Immuntherapeutika jährlich verschlingen.

Wird man mir gar fünfe gleichzeitig anbieten? (Oder 25?!) rofl

Meine Tagträumereien gehen zu weit, eindeutig. Sorry, sind der Hitze geschuldet! :wink:


jerry

rettet die Hamster im Rad

W.W. @, Freitag, 03.08.2018, 19:49 (vor 74 Tagen) @ jerry

Hat sich die DMSG eigentlich irgendwann einmal in letzter Zeit entschuldigt? Dass die allgemeine Empfehlung der Basistherapie zwar gut gemeint war, aber letztendlich ihr Ziel nicht erreicht hat? Gibt es überhaupt bei der DMSG ein Bewusstsein dafür, dass die Basistherapie auch viel Leid, Unsicherheit, Ängste erzeugt hat? Oder haben alle diese kritischen Studien alle ein schlechtes Niveau, so dass sie nicht der Rede wert sind?

Ist die Basistherapie also sang- und klanglos gestorben und kräht kein Huhn und kein Hahn mehr danach. Manchmal kommt mir das so vor wie die Dieselaffäre, dass man sie einfach vergisst, was da eigentlich genau war; denn alle wollten ja eigentlich nur das Gute. Sicher auch Herr Winterkorn. Und Herr Dobrindt. Und unsere Kanzlerin.

Ich finde, die DMSG müsste kritisch Bilanz ziehen und ihre Fehler einräumen. Vorausgesetzt, sie hätte sich welche vorzuwerfen.

W.W.

rettet die Hamster im Rad

jerry @, Freitag, 03.08.2018, 23:18 (vor 74 Tagen) @ W.W.

Hat sich die DMSG eigentlich irgendwann einmal in letzter Zeit entschuldigt? Dass die allgemeine Empfehlung der Basistherapie zwar gut gemeint war, aber letztendlich ihr Ziel nicht erreicht hat? ...

Ist die Basistherapie also sang- und klanglos gestorben und kräht kein Huhn und kein Hahn mehr danach. ...


Lieber Wolfgang,

in den von agno verlinkten Artikeln ist nicht etwa 'Basistherapie' in der Schusslinie. Es geht um sieben neue Immuntherapeutika, die seit 2011 eingeführt wurden, und deren Verordnung nach Empfehlung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) künftig Schwerpunktzentren vorbehalten sein sollte.

Wenn das so befolgt würde, könnte ich mir im Gegenteil vorstellen, dass der Griff nach den neuen Präparaten zwar eingedämmt würde, (eine NEDA-Strategie somit schwieriger zu verfolgen wäre), und stattdessen die Verordnungen von Interferonen und Glatirameracetat wieder zunähmen, die man als risikoärmer und besser dokumentiert ansieht.


Gruß, jerry

was ich nicht verstehe...

fRAUb, Samstag, 04.08.2018, 07:30 (vor 74 Tagen) @ jerry

Lieber Wolfgang,

in den von agno verlinkten Artikeln ist nicht etwa 'Basistherapie' in der Schusslinie. Es geht um sieben neue Immuntherapeutika, die seit 2011 eingeführt wurden, und deren Verordnung nach Empfehlung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) künftig Schwerpunktzentren vorbehalten sein sollte.

Wenn das so befolgt würde, könnte ich mir im Gegenteil vorstellen, dass der Griff nach den neuen Präparaten zwar eingedämmt würde, (eine NEDA-Strategie somit schwieriger zu verfolgen wäre), und stattdessen die Verordnungen von Interferonen und Glatirameracetat wieder zunähmen, die man als risikoärmer und besser dokumentiert ansieht.


Gruß, jerry

Was ich nicht verstehe ist, warum mein Neuro mich vergrault hat, wo ich doch sowas alles gar nicht haben wollte. Ich glaube, dass das unglaublich blöde von ihm war.

rettet die schlecht gelaunten Neurologen...

agno @, Samstag, 04.08.2018, 08:11 (vor 74 Tagen) @ fRAUb

Naja, ich habe mitbekommen, wie einem unzufriedenen MSler zu einer Hochglanzschwerpunktpraxis geraten wurde. Er war imho auf dem Weg zum empörten & reflektierten selbstwirksamen Therapieverweigerer.
Was jetzt passieren wird ist imho absehbar.
Deshalb halte ich diese teilkastrierten Kleinpraxen mit eventuell schlechtgelaunten Neurologen, für extrem wertvoll.
agno

--
Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

Müsste nicht wenigstens einer seine Stimme erheben?

W.W. @, Samstag, 04.08.2018, 09:48 (vor 74 Tagen) @ agno

Naja, ich habe mitbekommen, wie einem unzufriedenen MSler zu einer Hochglanzschwerpunktpraxis geraten wurde. Er war imho auf dem Weg zum empörten & reflektierten selbstwirksamen Therapieverweigerer.
Was jetzt passieren wird ist imho absehbar.
Deshalb halte ich diese teilkastrierten Kleinpraxen mit eventuell schlechtgelaunten Neurologen, für extrem wertvoll.

Ja, ja, ja!:-) Die Hochglanzschwerpunktpraxen sind ein Verhängnis! Weil die Hochglanzschwerpunktpraxenneurologen die Arzneimittelindustrie anziehen wie ein Licht die Motten.

Ich habe das ja damlas vor 30 Jahren mitbekommen: Wie wir Neurologen begeistert waren, als die Betainterferone auf den Markt kamen. Wie wir gedacht haben: "Es mag sein, dass sie irrsinnig teuer ist, und dass sie störende Nebenwirkungen haben, aber endlich ist die MS-Forschung auf dem richtigen Weg gelandet!" Und wir haben uns wegen der hohen Preise keinen Kopf gemacht. Das war nicht unser Bier, wieviel die Pharmafirmen damit verdienen, für uns war wichtig, dass endölich, endlich ein erfolgversprechender Weg gefunden worden war!

Anfänglich hätte sich also nur ein verbohrter Naturheilarzt gegen die Betainterferone stellen können, und wir haben natürlich den Versprechungen der Pharmaindustrie und der in ihren Chor einstimmenden Ärzte geglaubt. Ein Schuft, der anders gehandelt hätte.

Aber dann kam im Lauf der Jahre die Ernüchterung. Viele Neurologen vermissten die Erfolge der neuen Therapie, die jetzt Basistherapie genannt wurde. Zunächst konnte man das mit dem Fehlen von Langzeitstudien erklären, gut Ding will eben Weile haben. Aber die Zweifel nahmen zu.

Dann gaben die Neurologen selbst zu, dass zwar ein riesiger Fortschritt gemacht worden wäre, aber dass es geradezu vermessen wäre, anzunehmen, man wäre am Ende der Fahnenstange angelangt. So wurde die Kritik wieder leiser, und neue und noch teurere Medikamente wurden entwickelt, z.B. Tysabri und Tecfidera.

Man kann die Entwicklung gut nachvollziehen mit ihren zu hochgespannten Hoffnungen und ihren Enttäuschungen, was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist dies: We,, z.B. 10 Mitglieder im Ärztlichen Beirat der DMSG säßen, dann müsste es im Verlauf von 30 Jahren wenigstens einem Zweifel gekommen sein! Einer hätte seine Zweifel öffentlich äußern müssen, ob der Kaiser tatsächlich Kleider anhat oder nackt ist?

Aber die Mitglieder des Ärztlichen Beirats schwiegen und schweigen meiner Ansicht nach noch immer. Wie kann das sein? Und warum sagt der Patientenbeirat nichts? So wird die Sackgasse, in die sie MS-Therapie hineingeraten ist, immer dunkler und verwinkelter, und das Unheil wächst. Warum sagt niemand etwas?

Wie kann es sein, dass die Neurologen in der DMSG nicht zugeben, dass sie falsche Hoffnungen geweckt haben? Müsste es nicht wenigstens einer oder eine tun???:confused:

W.W.

PS: Schlimm ist, wenn etwas via Leitlinie zu einem Standard der Therapie erhoben wird. Es ist kein Verbrechen, aber grenzt daran, wenn man sich diese Leitlinie teuer bezahlen lässt.

rettet die tapferen Mediziner ...

Edithelfriede @, Nordhessen, Samstag, 04.08.2018, 10:02 (vor 74 Tagen) @ agno

Liebe/r agno


Wie kann man mit seiner MS besser umgehen lernen?

Wie ua Dr J.Evers, Prof O.Adan, Prof R. Bakshi usw veganer ernähren also mehr Obst und rohes Gemüse essen ?

Von den für mich erreichbaren Neurolgen war ich so über die Jahre bei einigen und in diesem Quartal hatte ich auf Anraten wieder bei einer anderen mich gemeldet nahe meinem Wohnort. Prof Ludolph aus Ulm hatte mir zu den Universitätsklininiken in Marburg oder Göttingen geraten.
Einmal war ich mit meinen Kindern in einer Mutter-Kindkur gewesen wegen der Neurodermitis meines Sohns aber dort im Schwarzwald wollte der Arzt meinen Sohn in die Psychiarie schicken! Auf mein Weinen vor Verzweiflung dann hatte er mir die Empehlung für Atosil und Eunerpan und auch eine für die Psychiatrie also G20.9 gegeben!
In der Psychiatrie Uniklinik Marburg überwiesen/eingewiesen vor mitterweile 19 Jahren mit einer völlig falschen Diagnose bin ich gewesen! Aber dort war glücklicherweis ein Neurologe und Psychiater angestelt der wohl auch anhand meiner Unterlagen festgestellen hatte können das ich besser wieder zum Neuro vor Ort gehen solle!

An einige Namen der "behandelten" Mediziner kann ich mich noch gut erinnern aber Bewertungen möchte ich nicht geben denn sie hatten wohl angesichts ihres Kenntnisstands richtig/korrekt gehandelt :crying: Richtig traurig ist es das Mediziner so überfordert werden! Lange tägliche Arbeitszeiten, Streß bei Nacht- und Notdiensten das dürfte wie auch die Klimaerwärmung nicht sein!

Mein Kopf sinkt beim Tippen oder schlafe ich ein von der Wärme?

lg e

--
Angst die Hoffnung zu verlieren soll nicht mein Leben bestimmen!

rettet die schlecht gelaunten Neurologen...

jerry @, Samstag, 04.08.2018, 10:55 (vor 74 Tagen) @ agno

Deshalb halte ich diese teilkastrierten Kleinpraxen mit eventuell schlechtgelaunten Neurologen für extrem wertvoll.
agno

Hab keinen blassen Schimmer, was mir Deine markigen Worte sagen mögen ;-)

Falls Du meinen solltest, dass es etwas für sich haben könnte, nicht in einem Schwerpunktzentrum mit sog. heroischen Maßnahmen der Entwicklungsjahre ab 2011 versorgt zu werden, sondern in einer kleineren Praxis von einem übelgelaunten Arzt mit knappem Zeitfenster sowie Betainterferon ...

... so hielte ich dies weder für extrem wertvoll, noch würde ich Freude empfinden angesichts eines kleineren Übels... :-(


jerry

rettet die schlecht gelaunten Neurologen...

agno @, Samstag, 04.08.2018, 11:47 (vor 74 Tagen) @ jerry

...dass es etwas für sich haben könnte, nicht in einem Schwerpunktzentrum mit sog. heroischen Maßnahmen der Entwicklungsjahre ab 2011 versorgt zu werden, sondern in einer kleineren Praxis von einem übelgelaunten Arzt mit knappem Zeitfenster sowie Betainterferon ...

jerry

Du verstehst mich!
Mehr ist nicht zu haben.
lG agno

--
Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

rettet die schlecht gelaunten Neurologen...

W.W. @, Samstag, 04.08.2018, 12:48 (vor 74 Tagen) @ jerry

Deshalb halte ich diese teilkastrierten Kleinpraxen mit eventuell schlechtgelaunten Neurologen für extrem wertvoll.
agno


Hab keinen blassen Schimmer, was mir Deine markigen Worte sagen mögen ;-)

Falls Du meinen solltest, dass es etwas für sich haben könnte, nicht in einem Schwerpunktzentrum mit sog. heroischen Maßnahmen der Entwicklungsjahre ab 2011 versorgt zu werden, sondern in einer kleineren Praxis von einem übelgelaunten Arzt mit knappem Zeitfenster sowie Betainterferon ...

... so hielte ich dies weder für extrem wertvoll, noch würde ich Freude empfinden angesichts eines kleineren Übels... :-(

Auch ich würde es als hilfreich empfinden, wenn die Anerkannten und Berühmten verlässlich wären und nicht aus sehr menschlichen Gründen besonders mit Vorsicht zu genießen sind. Aber egal, ein grummelnder Neurologe in einer kleinen Praxis ist mit ion aller Regel lieber als ein Strahlemann in einer zertifizierten Praxis - auch wenn er einen Porsche fahren sollte!;-) .

W.W.

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