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Buchvorstellung: Matthias Drobinski - Lob des Fatalismus (Allgemeines)

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Mittwoch, 04.07.2018, 13:07 (vor 134 Tagen)

.
"Der Fatalismus hat einen schlechten Ruf. Philosophen, Theologen und Politiker haben ihn im Namen der Willensfreiheit bekämpft.

Zeit, ihn neu zu entdecken – als Tugend, als Haltung und als Möglichkeit, das Leben zu meistern.

Wir haben uns der Souveränität verschrieben, wollen dem Leben unseren Willen aufzwingen, um doch regelmäßig zu scheitern.

Matthias Drobinski plädiert unterhaltsam und informativ für eine Neubewertung. Für ihn bedeutet Fatalismus Gelassenheit.

Vieles kann man nicht ändern im Lauf der Welt – und man muss es auch nicht können. Es ist sinnvoll, die eigene Wirkmacht nicht zu überschätzen."

Klingt spannend, ich geh hin

Lost Weekend, Schellingstr. 3, 80799 München

Termin

Mittwoch, 4. Juli 2018 - 19:30 Uhr

https://www.claudius.de/aktuell/buchvorstellung-matthias-drobinski-lob-des-fatalismus

--
Disclaimer:
Ich sprech nur für mich, lass meine Gedanken raus, gebe keine Empfehlungen.
Jede(r) hat ihren/seinen eigenen Kopf, idealerweise zum DENKEN

Irreführung ? ;-)

Boggy, Mittwoch, 04.07.2018, 13:37 (vor 134 Tagen) @ naseweis

"Der Fatalismus hat einen schlechten Ruf. Philosophen, Theologen und Politiker haben ihn im Namen der Willensfreiheit bekämpft.

(...)

Matthias Drobinski plädiert unterhaltsam und informativ für eine Neubewertung. Für ihn bedeutet Fatalismus Gelassenheit.

Lieber Naseweis,
vorweg: ich will hier nicht päpstlicher als der Papst sein. ;-)

Aber: wenn Herr Drobinski meint, daß Fatalismus Gelassenheit bedeutet,
dann soll er doch bitte einfach über Gelassenheit schreiben.

Sonst betreibt er eine etwas irreführende Effekthascherei über einen bedeutungsmäßig hochbesetzten Begriff: "Fatalismus", wo es eigentlich um ein etwas anderes Thema geht.

Vieles kann man nicht ändern im Lauf der Welt – und man muss es auch nicht können. Es ist sinnvoll, die eigene Wirkmacht nicht zu überschätzen."

Es ist sicher außerordentlich sinnvoll, die "eigene Wirkmacht nicht zu überschätzen".

Das Thema "Gelassenheit" und "Überschätzung der eigene Wirkmacht" ist ja ein uraltes.
Im Zen-Buddhismus gibt es die Leitlinie, möglichst keine (zu starken) "Anhaftungen" zu erzeugen; will meinen: erzeuge in dir keine zu starken Wünsche, Bedürfnisse usw., und bestehe auch nicht darauf, daß sie in Erfüllung gehen.

Da die Welt von Unbeständigkeit und Vergänglichkeit regiert wird, haben wir nur einen sehr begrenzten Einfluß auf den Lauf der Dinge ...

Zu glauben, etwas hätte auf Dauer Bestand, ist eine Täuschung.

usw. usw.

Der Vortrag von Herrn Dobrinski kann natürlich trotzdem anregend sein. :-)

Gruß
Boggy
flowers

P.S. Und "Fatalismus" ist natürlich nicht = "Gelassenheit"; da gibts gewichtige Unterschiede. Die konstruiert Herr Drobinski wohl weg ... oder? Wirste ja dann sehen ... ;-)

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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Irre Führung ;-)

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Mittwoch, 04.07.2018, 14:48 (vor 134 Tagen) @ Boggy

.

Lieber Naseweis,
vorweg: ich will hier nicht päpstlicher als der Papst sein. ;-)

Lieber Boggy,
Drobinski wird uns als Kirchenredakteur der SZ verzeihen, wenn wir den Papst hier aussen vor lassen ;-)


Aber: wenn Herr Dobrinski meint, daß Fatalismus Gelassenheit bedeutet,
dann soll er doch bitte einfach über Gelassenheit schreiben.

Ich bin erstaunt über dein hartes Urteil.
Meines Wissens nach gibt es so etwas wie eine "fatalistische Gelassenheit" (ich kann mich natürlich auch irren) :wink:


Der Vortrag von Herrn Dobrinski kann natürlich trotzdem anregend sein. :-)

Gruß
Boggy
flowers

P.S. Und "Fatalismus" ist natürlich nicht (nur) = "Gelassenheit"; da gibts gewichtige Unterschiede. Die kosntruiert Herr Dobrinski wohl weg ... oder? Wirste ja dann sehen ... ;-)

Da bin ich wahrscheinlich zu wenig Philosophus um die Details zu sehen.
Der Ansatz aus dem Klappentext, dass wir nicht alles in der Hand haben, Selbstoptimierung etc. (sinngemäß) spricht mich jedenfalls sehr an.

Sehr schön auch zum Thema sein Essay"wie ich lernte die Bahn zu lieben" .
(zumindest für mich als philosophischer Laie) shades

--
Disclaimer:
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Jede(r) hat ihren/seinen eigenen Kopf, idealerweise zum DENKEN

Irreführung ? ;-)

Boggy, Mittwoch, 04.07.2018, 14:56 (vor 134 Tagen) @ naseweis

Aber: wenn Herr Dobrinski meint, daß Fatalismus Gelassenheit bedeutet,
dann soll er doch bitte einfach über Gelassenheit schreiben.

Ich bin erstaunt über dein hartes Urteil.

Nur ein bißchen "hart". Eher kurz und knapp. (kräftesparende Schreibökomomie ;-) )
Ich weiß ja gar nicht, was Herr Drobinski im Einzelnen sagt ...

Meines Wissens nach gibt es so etwas wie eine "fatalistische Gelassenheit" (ich kann mich natürlich auch irren) :wink:

Meines Wissens nach könnte ich da auf die Schnelle ga nix zu sagen ... ;-)
:-)

Du siehst, ich bich nicht auf einen harten Disput aus.
Nur ein paar Gedanken in einem müden Kopf ...

Gruß
Boggy
flowers

--
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Fügung ? ;-)

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Mittwoch, 04.07.2018, 15:04 (vor 134 Tagen) @ Boggy


Du siehst, ich bich nicht auf einen harten Disput aus.
Nur ein paar Gedanken in einem müden Kopf ...

... dann überlassen wir uns jetzt ganz fatalistisch einer gepflegten Mittagsruhe

Bis später...
Gruss Naseweis


flowers

--
Disclaimer:
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So ist es geworden :-)

agno @, Donnerstag, 05.07.2018, 08:29 (vor 133 Tagen) @ naseweis

Ein interessantes Wort.
"fügen"

Man kann es fügen.
Es wird sich fügen.
Du musst dich fügen.

"Für ihn bedeutet Fatalismus Gelassenheit."
Ja, ja, die Bahn. Darüber müsste man ein spezielles philosophisches Buch der Neuzeit schreiben ;-)
Ein Wunderwerk der Technik, ein Symbol der Pünktlichkeit, ein wunderbarer sozialer Mix und ein Lehrmeister der Demut.

Und eine interessante Buchvorstellung irgendwo in Deutschland.
Würde mich das interessieren?
Würde ich wollen?
Würde ich können?
;-) Ok, man kann nicht 5 Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Aber eine, wäre gelegentlich schon schön.
*seufz* irgendwas ist immer.
Es gibt in meinem Freundeskreis ein geflügeltes Wort:
So ist es geworden :-)

liebe Grüße in den Tag

--
Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass der Mediamarkt nur Spülmaschinen montieren kann, wenn der Küchenbesitzer das Altgerät selbst ausbaut. -> Frohe Weihnachten!

Buchvorstellung:der Feind in meinem Kopf

GG, Mittwoch, 04.07.2018, 13:59 (vor 134 Tagen) @ naseweis

dann mache ich gleich weiter, habe heute das Buch bekommen
" Der Feind i meinem Kopf " Matthias Hammer

habe es angelesen liest sich leicht

Rückseite : Schluß mit Selbstsabotage ! Kennen sie das: eine innere Stimme kritisiert sie maßlos oder macht aus jeder Kleinigkeit eine Katastrophe? Höchste Zeit, solche inneren Saboteure zu entlarven und einen konstruktiven Umgang zu finden.
( Habe es auch im S.Cafe geschrieben )

G

--
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst,sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt,das wichtiger als die Angst ist

Buchvorstellung:der Feind in meinem Kopf

Boggy, Mittwoch, 04.07.2018, 14:16 (vor 134 Tagen) @ GG

dann mache ich gleich weiter, habe heute das Buch bekommen
" Der Feind i meinem Kopf " Matthias Hammer
Rückseite : Schluß mit Selbstsabotage ! Kennen sie das: eine innere Stimme kritisiert sie maßlos oder macht aus jeder Kleinigkeit eine Katastrophe? Höchste Zeit, solche inneren Saboteure zu entlarven und einen konstruktiven Umgang zu finden.

Hallo GG,
ja, man kann diese inneren Stimmen als unterschiedliche Persönlichkeitsanteile verstehen, die sich in einem inneren Dialog miteinander befinden, u.U.auch im Konflikt.

Das ist keine neue Idee.

Die Gestalttherapie arbeitet mit dieser Annahme, und läßt Klienten buchstäblich diesen Dialog ausdrücken, aussprechen, oder inszenieren. Über die Technik des "leeren Stuhls".
https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie#Beispiel:_Der_%E2%80%9Eleere_Stuhl%E2%80%9C

Ein bißchen haben die Gestalttherapeuten das vom Psychodrama geklaut, wo das auch ausführlicher in Szene gesetzt wird.

So etwas als echten Dialog mit sich selbst zu machen, kann wirklich hilfreich sein.

Gruß
Boggy

P.S. Man kann einen Teil dieser "inneren Stimmen" als "Introjekte" verstehen, als etwas, das wir z.B. in der Kindheit, in uns aufgenommen haben, das aber nicht Teil von uns geworden ist, nicht wirklich zu uns gehört, uns eventuell schadet.
(laienhafte Kurzfassung)
https://de.wikipedia.org/wiki/Introjektion#Introjektion_in_der_Gestalttherapie

P.P.S. Habe gerade gesehen, daß der Herr Hammer Verhaltenstherapeut ist (?). Dann könnte es sein, daß die Verhaltenstherapeuten mal wieder geklaut haben, bei der Gestalttherapie (oder weist Herr Hammer aus, woher seine "Ideen" und Übungen kommen?) :confused:
:-)

--
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Buchvorstellung: Matthias Drobinski - Lob des Fatalismus

fRAUb, Mittwoch, 04.07.2018, 23:01 (vor 133 Tagen) @ naseweis

.
"Der Fatalismus hat einen schlechten Ruf. Philosophen, Theologen und Politiker haben ihn im Namen der Willensfreiheit bekämpft.

Zeit, ihn neu zu entdecken – als Tugend, als Haltung und als Möglichkeit, das Leben zu meistern.

Wir haben uns der Souveränität verschrieben, wollen dem Leben unseren Willen aufzwingen, um doch regelmäßig zu scheitern.

Matthias Drobinski plädiert unterhaltsam und informativ für eine Neubewertung. Für ihn bedeutet Fatalismus Gelassenheit.

Vieles kann man nicht ändern im Lauf der Welt – und man muss es auch nicht können. Es ist sinnvoll, die eigene Wirkmacht nicht zu überschätzen."

Klingt spannend, ich geh hin

Lost Weekend, Schellingstr. 3, 80799 München

Termin

Mittwoch, 4. Juli 2018 - 19:30 Uhr

https://www.claudius.de/aktuell/buchvorstellung-matthias-drobinski-lob-des-fatalismus

Klingt interessant. Nur by the way ist das Thema "Selbstwirksamkeit", eins mit dem ich mich gerade befasse. Da kommt mir der Fatalismus als Gegenpol doch sehr gelegen. Nicht nur dass die Selbstwirkssamkeit durch die Behinderung automatisch Grenzen erfährt.
Jetzt hat man auch noch eine weltanschauliche Berechtigung dazu. Mich würde es interessieren.

Berichtest Du ?

LG

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Buchvorstellung: Matthias Drobinski - Lob des Fatalismus

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Mittwoch, 04.07.2018, 23:41 (vor 133 Tagen) @ fRAUb

Jetzt hat man auch noch eine weltanschauliche Berechtigung dazu. Mich würde es interessieren.

Berichtest Du ?

Ja,
Ich werde von dem Abend berichten und einige Auszüge aus dem Buch einstellen.

Bin aber grad erst seit ner halben Stunde wieder daheim und werd, dass ich kein Quatsch erzähl, erst mal das Buch /essay/ Gedankensammlung (A5, 132 Seiten) lesen. Der Abend war zu schön, um sich Notizen zu machen.

Morgen Physio, abends was los, am Wochenende wird Zeit sein.

Drobinski gab zu, dass der Titel durchaus reisserisch angelegt ist. Tatsache ist aber, dass fatalistische Gelassenheit das Leben leichter machen kann, im Gegensatz zu permanter Selbstoptimierung.

Er mag auch unbedingtes positives Denken so gar nicht, was Scheiße ist, muss auch als Scheiße benannt werden dürfen, Hadern muss erlaubt sein.

Schwarze Pädagogik mag er auch nicht. (alles sinngemäß)

Das bekannte Gebet von Niebuhr ist ein guter Ansatz:

"  Gott, gib mir die Gelassenheit,…
  …Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Demnächst mehr.

Gruß und gute Nacht

--
Disclaimer:
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- Lob des Fatalismus mit link zum Podcast /ARD

naseweis ⌂ @, in meinem Paradies, Donnerstag, 05.07.2018, 00:19 (vor 133 Tagen) @ naseweis

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Guter Artikel zum Buch in der Luzerner Zeitung

BUCH: Gegen den Populismus: Es kommt, wie es kommt

https://www.luzernerzeitung.ch/kultur/buch-gegen-den-populismus-es-kommt-wie-es-kommt-ld.87195 [Neuer Tab nötig]

Und noch mehr in einem frühen Essay in der SZ von 2016.

Der Artikel über den Spion Abel ist auch im aktuellen Buch verarbeitet
http://www.sueddeutsche.de/leben/lob-auf-die-schicksalsergebenheit-es-kommt-wie-es-kommt-1.2792096

PODCAST:

Tag für Tag - Beiträge

Matthias Drobinski - "Fatalismus hat was Subversives"

14.06.2018 | 20 Min. | Quelle: Deutschlandfunk

Der Autor Matthias Drobinski warnt vor einem sich ausbreitenden "Selbstoptimierungswahn". Er sehe Tendenzen, die "in eine lebensfeindliche Gesellschaft" führen, kritisierte Drobinski, Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", im Dlf. Dem setze er ein "Lob des Fatalismus" entgegen. Matthias Drobinski im Gespräch mit Andreas Main www.deutschlandfunk.de, Tag für Tag Hören bis: 21.12.2018 08:38

Direkter Link zur Audiodatei http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2018/06/14/lob_des_fatalismus_gespraech_mit_dem_journalisten_dlf_20180614_0938_545f5951.mp3


Jetzt hat nicht nur fRaub noch ein bisschen Lese-und Hörfutter für die Nacht. :wink:

--
Disclaimer:
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Jede(r) hat ihren/seinen eigenen Kopf, idealerweise zum DENKEN

- Lob des Fatalismus mit link zum Podcast /ARD

Boggy, Donnerstag, 05.07.2018, 11:08 (vor 133 Tagen) @ naseweis

Erste schnelle Reaktion:
Klingt erfreulich. Wenn es gegen den "Selbstoptimierungswahn" geht, bin ich ganz auf seiner Seite!
:-)
Wobei ich glaube, daß es hier um scheinbar freiwillig sich selbst auferlegten Zwang geht, und die scheinbar freiwillige Orientierung an fremdbestimmten Standards und Bewertungsmaßstäben.
Alles im Sinne kapitalistischer Zurichtung, auf mehr Ausbeutungsfähigkeit hin.
usw.
(Das ist wahrscheilich nur eine Seite der Medaille ... meist gibts ja mehrere ... und wie heißt es schon bei Marx: Man muß die Dinge dialektisch sehen; in ihrer Widersprüchlichkeit ;-) )

Nun muß ich aber erst mal in Ruhe lesen ...

Bin gespannt.

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

- Lob des Fatalismus mit link zum Podcast /ARD

Boggy, Donnerstag, 05.07.2018, 14:04 (vor 133 Tagen) @ naseweis

Guter Artikel zum Buch in der Luzerner Zeitung
https://www.luzernerzeitung.ch/kultur/buch-gegen-den-populismus-es-kommt-wie-es-kommt-ld.87195 [Neuer Tab nötig]

Ja, sehr gut.
Kostprobe:
"Der Autor ist nicht naiv. Dass ohne den Kick der Glückssuche und den Glauben an die Gestaltbarkeit des Lebens der Mensch noch in seiner Höhle hausen würde, ist ihm bewusst.
(...)
Ein so verstandener Fatalismus macht nicht hilflos. Zu ihm gehört die Überzeugung, so Drobinski, «dass es immer mehr Möglichkeiten» gebe, als der Einzelne «denken könne».

Ein solcher Fatalismus ist subversiv, ideologiefeindlich und oppositionell und damit ein gutes Mittel gegen totalitäre Systeme und populistische Heilsversprechen, die sich aus der Angst vor dem Kontrollverlust nähren, der paradoxerweise gerade weite Kreise der hochentwickelten Industrienationen erfasst. "

Und noch mehr in einem frühen Essay in der SZ von 2016.

Nur auf Bezahlung.

PODCAST:
Tag für Tag - Beiträge
Matthias Drobinski - "Fatalismus hat was Subversives"

Direkter Link zur Audiodatei http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2018/06/14/lob_des_fatalismus_gespraech_mit_dem_journalisten_dlf_20180614_0938_545f5951.mp3

Sehr gut, sehr differenziert.
"Selbstoptimierung" ist unmenschlich.
Trifft meine Vorstellung, daß wir als Menschen natürlicherweise begrenzt sind, in unseren Möglichkeiten, Fähigkeiten usw.
Diese Grenzen zu erkennen und zu bejahen, ist für mich Aufgabe und beständige Übung.
Und dann, worauf auch Drobinski hinweist, loslassen können, wenns nicht anders geht.

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Ich weiß es nicht - was für eine Erleichterung!

Boggy, Freitag, 06.07.2018, 14:54 (vor 132 Tagen) @ naseweis

Herr Drobinski, und naseweisens Anregungen beschäftigen mich noch - produktiv.

Dobrinski: "Die große Unvorhersehbarkeit verträgt sich nicht gut mit der Vorstellung, dass man die Zügel des Lebens fest in der Hand halten muss, dass die Regierung der großen Geschichte und man selber der kleinen den eigenen Willen aufzwingen muss."

Der Umgang mit der Ungewißheit ist eine schwierige Aufgabe. Das muß man wohl lernen, üben, und hoffentlich bekommt man dabei Orientierungen, echte, gute Leitlinien, Hilfen an die Hand ...
Ungewißheit ist ein schwieriger Aspekt der MS.

Dobrinski: "Dieser Fatalismus ist subversiv. Er beugt sich dem Unausweichlichen und bewahrt doch das Eigene. Er richtet sich wieder auf, selbst wenn er weiß, dass er sich dem nächsten Unausweichlichen beugen muss. Er verzieht gewissermaßen den Mund zum Spott, wenn einer mit seiner quälenden Sorge kommt und seiner namenlosen Angst, mit brennendem Hass oder dunkler Verzweiflung: Und - was hilft das alles?"

Das erinnert mich ein bißchen ans Camus' "Der Mythos von Sisyphos", nicht ganz und gar ... aber erfreulich nah
(s. http://ms-ufos.org/forum/index.php?id=39604 )

Und dies stimmt natürlich auch und ist wichtig: "Dieser Fatalismus verbietet sich für den Architekten, der eine Brücke entwirft, für den Arzt am Operationstisch oder den Polizisten bei der Terrorfahndung."

Aber eben auch:
"Diese Form des Fatalismus befreit. Sie trennt das Mögliche vom Unmöglichen. Sie lenkt den Blick auf das Machbare, auf die Möglichkeiten, auf das Gute auch im Ausweglosen, auf den Genuss der Zigarette im Angesicht des elektrischen Stuhls."

Vor vielen Jahren hörte ich einen Vortrag des amerikanischen Zen-Meisters Richard Baker. Ein Satz hat mich elektrisiert und mich seither nicht mehr verlassen. An einer Stelle sagte er: "Not-knowing - what a relief." ("Nicht-Wissen - was für eine Erleichterung.")
Ich hatte auf der Stelle begriffen.

Alle meine Vorstellungen (in meinem Geist/Bewußtsein) über die Zukunft, JETZT, in diesem Moment, sind NICHT die Zukunft, sondern nur Vorstellungen. Das, was ich mir (vielleicht mit Angst und Anspannung) vorstelle, EXISTIERT jetzt (noch) nicht. Vielleicht wird es nie Wirklichkeit.

Ich weiß es nicht. Ich kann all diese Vorstellungs-Last sofort fallenlassen.
Welch eine Erleichterung!

(Und natürlich und gleichzeitig weiß ich auch, daß es Situationen geben kann, in der der es eine Qual sein kann, etwas (noch) nicht zu wissen. Eine Qual, die man nur schwer oder gar nicht fallenlassen kann.)

Gruß
Boggy

--
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Ich weiß es nicht - was für eine Erleichterung!

klaigo, Freitag, 06.07.2018, 15:54 (vor 132 Tagen) @ Boggy

Wie recht du hast Boggy!

Und hast gleich die Essenz der Achtsamkeit mitgeliefert.
Leben im Hier und Jetzt. Keinen Gedanken an die Zukunft verschwenden - sie ist noch nicht da - und auch nicht an die Vergangenheit - sie ist vorbei.

Einziges Problem : unser schönes lädiertes Gehirn (und auch das nicht lädierte) fängt immer wieder damit an.

Aber wir können trotzdem immer wieder daran arbeiten und uns freuen wenn es uns ab und zu gelingt, das Gedankenkarussell anzuhalten.

Lg klaigo

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