Depressionen sind ein Dilemma! (Allgemeines)

W.W. @, Mittwoch, 16.05.2018, 18:14 (vor 97 Tagen)

Aus vielen Gründen!

Erstens glaube ich, dass man die Ursachen einer Depression genauso wenig wie die einer MS kennt. Viele Depressionen kommen nicht unerklärlich über einen, sondern sind lebensbedingt.

Zweitens halte ich Antidepressiva vom SSRI-Typ für möglicherweise gefährlich. Natürlich kenne ich das außerordentlich häufige Argument, ein Beginn mit einer SSRI-Behandlung erleichtere den Zugang zur Psychotherapie. Und ich kenne auch das ebenso häufige Argument, es seien nicht die SSRI, die die Selbstmordgefahr erhöhten, sondern die Depression selbst. Viele werden auch damit getäuscht, dass behauptet wird, die Selbstmordgefährdung sei zu Beginn auch deshalb erhöht, weil die SSRI erst den Antrieb steigerten (und damit das Risiko, sich selbst umzubringen, weil einem in einer tiefen Depression der Schwung dafür fehlt) und erst später die Depression lösen würden. Dazu kommt eine weitere Behauptung, die ich für falsch halte: Antidepressiva würden die Suizidalität nur in den ersten Wochen beeinflussen.

Drittens stehe ich einer psychotherapeutischen Behandlung skeptisch gegenüber. Ist der Psychotherapeut gut, bekommt man erst nach Monaten einen Termen, ist er schlecht, kann es sofort klappen.

Viertens ist es schwierig, einen guten von einem schlechten Psychotherapeuten zu unterscheiden, wobei das "Bauchgefühl" eher täuschen kann als der gute Rat eines Freundes oder einer Freundin. Denn der Psychotherapeut, der einem gefällt, könnte genau der falsche sein, und der, mit dem man anscheinend nicht klarkommt, der richtige.

Sechstens habe ich größte Bedenken denen gegenüber, die "vorsichtshalber" regelmäig eine mehr oder weniger geringe Dosis SSRI täglich einnehmen, weil sie meinen, ganz ohne gehe es nicht. Das hätten sie ausprobiert! Ich glaube, diese Leute sind auf eine untypische und schwer zu beschreibende Art süchtig.

Das sind natürlich alles keine wissenschaftlichen Fakten, sondern nur Befürchtungen!

W.W.

Depressionen sind ein Dilemma!

moritz, Mittwoch, 16.05.2018, 18:35 (vor 97 Tagen) @ W.W.

was raten sie einem depressiven menschen?
oft sind keine freunde vorhanden.

Depressionen sind ein Dilemma!

W.W. @, Mittwoch, 16.05.2018, 19:37 (vor 97 Tagen) @ moritz

was raten sie einem depressiven menschen?
oft sind keine freunde vorhanden.

Ich glaube, es geht nur mit Freunden! Psychotherapeuten können keine Freunde ersetzen.

W.W.

Depressionen sind ein Dilemma!

moritz, Mittwoch, 16.05.2018, 21:05 (vor 97 Tagen) @ W.W.

wenn keine freunde da sind, soll man lieber siuzid in kauf nehmen als antidepressiva?

sind sie als arzt nie depressiven menschen begegnet? haben sie dann auf freunde verwiesen und den depressiven, die keine freunde hatten, diesen deswegen noch ein schlechtes gewissen verpasst?

oder haben sie geflissentlich nix vom ganzen elend bemerkt?

Depressionen sind ein Dilemma!

Nalini @, Donnerstag, 17.05.2018, 08:59 (vor 96 Tagen) @ W.W.

was raten sie einem depressiven menschen?
oft sind keine freunde vorhanden.


Ich glaube, es geht nur mit Freunden! Psychotherapeuten können keine Freunde ersetzen.

Psychotherapeuten können keine Freunde ersetzen, das ist klar.

Aber eine Depression kann auch nicht alleine durch Freundeshilfe aufgefangen werden. Freunde können bei Depressionen punktuell unterstützen, aber sie werden es nicht zu 100 Prozent bewältigen können.

Professionelle Hilfe kann sehr hilfreich sein, vor allem wenn es sich um Therapeuten handelt, die hinsichtlich der eigenen Problematik Expertenwissen haben, zum Beispiel Expertenwissen zur Problematik "Depression wegen Erkrankung".

Zudem kann es Freundschaften überfordern, wenn sie zu stark in die Depressionen der Betroffenen involviert werden.

Depressionen sind ein Dilemma!

W.W. @, Donnerstag, 17.05.2018, 09:50 (vor 96 Tagen) @ Nalini

Sie haben natürlich völlig Recht!:-) Es geht um das Dilemma, das hölzerne Eisen, die Quadratur des Kreises. Richtige Freunde sind gut, aber was sind richtige Freunde? Und kann man ihnen nicht auch auf die Nerven gehen, wenn man ewig in seiner pechkohlrabenschwarzen Höhle bleibt? Wenn man immer wieder auf dem Bauch landet?

Und die professionellen Helfer? Was hilft mir das Lächeln einer Stewardess? Und keine Ausbildung kann verhindern, dass sie sich irren. Und wenn ich meine Therapeutin schätze und richtig gern habe, kann es nicht sein, dass sie mir nach dem Mund redet und mich möglichst lange scheren will?


So zwiespältig man Freunden und Psychotherapeuten gegenüberstehen kann, desto sicherer bin ich mir jedoch, dass die pharmakologische Hilfe, die viele so schätzen, die schlechteste ist. Die Menschen lieben es, krank zu sein und dagegen Tabletten einnehmen zu können.

Und dann kommt natürlich: "Wenn Sie einmal eine richtige Depression gehabt hätten, dann würden Sie nicht so reden!" Aber was ist eine "richtige" Depression? Die Depressionen sind ein Dilemma!

W.W.

PS: Drei wichtige Fragen könnten sein: 1. "Kann man sich Depressionen einbilden?" Das kann man natürlich nicht. 2. "Sind Depressionen eine Krankheit?" Ich weiß es nicht. Und 3. "Kann man richtige Depressionen von lebensbedingten Depressionen unterscheiden?" Ich bin mir nicht sicher.

Depressionen sind ein Dilemma!

fRAUb, Donnerstag, 17.05.2018, 09:52 (vor 96 Tagen) @ Nalini


Zudem kann es Freundschaften überfordern, wenn sie zu stark in die Depressionen der Betroffenen involviert werden.

Ja. Definitiv.

Depressionen sind ein Dilemma!

W.W. @, Donnerstag, 17.05.2018, 10:34 (vor 96 Tagen) @ fRAUb


Zudem kann es Freundschaften überfordern, wenn sie zu stark in die Depressionen der Betroffenen involviert werden.


Ja. Definitiv.

Depressive können sehr wertvolle Menschen sein, aber wenn sie reden, reden und reden, nicht uu Potte kommen, dann wieder von vorn anfangen, und auch ihren Gesprächspartner mit in den Sumpf der Verzweiflung ziehen... Vielleicht sind hier ja die professionellen Helfer besser geschult und die zeitliche Begrenzung der Therapiestunden ist sicher auch eine Hilfe.

Wenn ich mir vorstelle, jemand wäre so gestört wie Dr. Falk in der neuen ARD-Serie, und niemand könnte ihn ertragen - nur sein Therapeut, der viel Geld dafür bekommt... Wäre das nicht schrecklich?

Ist das ganze Leben nicht dieses "Eine Hand wäscht die andere"? Ein do ut des, ein Geben und Nehmen. Dass eine Freundschaft auf der Gegenseitigkeit beruht? Dass man sich irrt, wenn man sagt, wahre Freundschaft sei uneigennützig? Wenn ich an meinen Freund denke, den ich immer mittwochs im Café treffe, oder meinen Freund, mit dem ich täglich spazieren gehe, oder an die Beiden, die ich freitags immer in der Markthalle treffe?

Erwarte ich nicht von ihnen oder erwarten sie nicht von mir, dass man gibt und nimmt? Das ist kein kaufmännisches gegeneinander aufrechnen...? Aber kann ich mit Hilfe rechnen, wenn ich nicht liebenswürdig bin?

W.W.

Depressionen sind ein Dilemma!

Nalini @, Donnerstag, 17.05.2018, 17:05 (vor 96 Tagen) @ W.W.

Ist das ganze Leben nicht dieses "Eine Hand wäscht die andere"? Ein do ut des, ein Geben und Nehmen. Dass eine Freundschaft auf der Gegenseitigkeit beruht? Dass man sich irrt, wenn man sagt, wahre Freundschaft sei uneigennützig? Wenn ich an meinen Freund denke, den ich immer mittwochs im Café treffe, oder meinen Freund, mit dem ich täglich spazieren gehe, oder an die Beiden, die ich freitags immer in der Markthalle treffe?

Erwarte ich nicht von ihnen oder erwarten sie nicht von mir, dass man gibt und nimmt? Das ist kein kaufmännisches gegeneinander aufrechnen...? Aber kann ich mit Hilfe rechnen, wenn ich nicht liebenswürdig bin?

Ich denke, Freundschaften sind ideal, wenn sich Geben und Nehmen die Waage halten. Zumindest in etwa, grob gerechnet über die Zeit.
Wenn die Bilanz auf Dauer zu einseitig wird, wird die Freundschaft gefährdet. Meiner Meinung nach.
Das gilt, in abgeschwächter Form, auch für verwandtschaftliche Beziehungen.

Aus diesem Grund halte ich staatlich bzw. gesellschaftlich organisierte Hilfe für bedürftige Personen, die auch unabhängig vom Familien- und Freundeskreis funktioniert, für absolut notwendig.

Depressionen sind ein Dilemma!

W.W. @, Donnerstag, 17.05.2018, 17:21 (vor 96 Tagen) @ Nalini

Ich denke, Freundschaften sind ideal, wenn sich Geben und Nehmen die Waage halten. Zumindest in etwa, grob gerechnet über die Zeit.

Ja, das denke ich auch. Obwohl es auf den ersten Blick unsympathisch und kleinkariert klingt, scheint es mir notwendig zu sein, auch in Freundschaften das Do-ut-des-Prinzip nicht zu verletzen.

W.W.

Depressionen sind ein Dilemma!

Nalini @, Mittwoch, 16.05.2018, 18:48 (vor 97 Tagen) @ W.W.

Erstens glaube ich, dass man die Ursachen einer Depression genauso wenig wie die einer MS kennt. Viele Depressionen kommen nicht unerklärlich über einen, sondern sind lebensbedingt.

Ich kenne mich nicht gut aus mit der wissenschaftlichen Analyse der Depressionen. Ich kenne aber meine depressiven Phasen. Diese kamen niemals unerklärlich über Nacht, sondern waren immer lebensbedingt !

Es gibt ein gutes Buch zum Thema Depressionen. Der Autor ist David Servan-Schreiber. Er steht den Antidepressiva sehr kritisch gegenüber und diskutiert und empfiehlt verschiedene "alternative" Methoden zur Behandlung.

Depressionen sind ein Dilemma!

W.W. @, Mittwoch, 16.05.2018, 19:42 (vor 97 Tagen) @ Nalini

Erstens glaube ich, dass man die Ursachen einer Depression genauso wenig wie die einer MS kennt. Viele Depressionen kommen nicht unerklärlich über einen, sondern sind lebensbedingt.

Ich glaube auch, dass die meisten Depressionen lebensbedingt sind!:-(

W.W.

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Depressionen sind ein Dilemma!

Lore Ipsum @, Mittwoch, 16.05.2018, 18:55 (vor 97 Tagen) @ W.W.

Erstens glaube ich, dass man die Ursachen einer Depression genauso wenig wie die einer MS kennt. Viele Depressionen kommen nichtunerklärlich über einen, sondern sind lebensbedingt.


Genau. Die MS macht Depressionen. Nicht bei jedem, aber die fortgeschrittene, spuerbare MS ist einfach so superscheisse, dass sie depressiv stimmt.

Da helfen sowieso keine Antidepressiva wie SSRI oder so, vielleicht gerade noch jemand, der seelischen Halt gibt. Ob Psychologen das koennen? Moritz, gute Freunde und Familie sind wichtig. Notfalls Telefonbekanntschaften oder vielleicht sogar Telefonseelsorge.

--
MS ist behandelbar, aber nicht heilbar.

Toll, dass hier dennoch so viel diskutiert wird, denn eigentlich gibt es nicht viel zu sagen über MS, ausser Sale Merde.

Depressionen sind ein Dilemma!

moritz, Mittwoch, 16.05.2018, 21:22 (vor 97 Tagen) @ Lore Ipsum

hallo lore

tel.seelsorge, forums- u,telefonbekanntschaften ersetzen freunde nicht.

ich kannnte leider mehrere menschen, die sich totgemacht haben. die hatten alle, was wir freunde nennen.

es bleibt immer sehr traurig und entzieht sich irgendwelchen kommentaren.

Depressionen sind traurig!

Edithelfriede @, Nordhessen, Mittwoch, 16.05.2018, 19:00 (vor 97 Tagen) @ W.W.

Lieber W.W.

Nicht depressiv war ich durch meine MS geworden sondern sehr traurig ist es das die meisten Mediziner so wenig Kenntnisse von den Ursachen der MS haben!

Namentlich nennen möchte ich diejenigen die ua als Prof wie O.Adam, R.Bakshi, A. C. Ludolph etwas mehr wissen! Aber veröffentlicht davon in für MSler zugänglichen Medien ist zu wenig!

MS ist leider eine Goldgrube für Pharmazeuten geworden und dabei wurde noch kein Medikament gegen MS gefunden.

Hilfreich ist meiner Erfahrung nach lactovegane Ernährung und um kritische Kommentare möchte ich bitten!

lg e

--
Angst die Hoffnung zu verlieren soll nicht mein Leben bestimmen!

Depressionen sind traurig!

GG, Mittwoch, 16.05.2018, 19:21 (vor 97 Tagen) @ Edithelfriede

Einmal hatte ich eine Depression, da geht es einem echt Sch.........., nach einer 3tägigen Corti-Infusion, hatte es mich erwischt.
Kaum geschlafen um fünf Jahr wieder wach, keinen Appetit, keinen Radio, saß nur in der Ecke und starrte in die Ecke.

Bin zum HA, der erkannte es gar nicht, habe ihn dann aufmerksam gemacht oder vielmehr gefragt, ob so eine Depression beginnt,
er war sich nicht sicher, verschrieb mir aber ein Medikament.
Nach einer Woche war alles wieder weg, aber ich nahm dieses Gift immer noch, der HA meinte jetzt haben wir ein Problem.

Habe einfach das Mittel reduziert und nach 4 bis 5 Tage, legte ich sie weg. Nehme kein Cortison mehr und hatte nie wieder diese Symptome.

G

--
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst,sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt,das wichtiger als die Angst ist

Depressionen sind traurig!

W.W. @, Mittwoch, 16.05.2018, 19:40 (vor 97 Tagen) @ GG

Die schwer beschreibbare Abhängigkeit von SSRI heißt übrigens "discontinuation Syndrome".

W.W.

Depressionen sind häufig Autoimmunerkrankungen

MO @, my home is my castle (forever), Mittwoch, 16.05.2018, 22:33 (vor 97 Tagen) @ W.W.

Vergangenen Sonntag habe ich mit grossem Interesse einen Artikel in der "NZZ am Sonntag, 13.05.2018 Seite 53-54" gelesen.
Titel "Der Körper – mein intimster Feind"
Intro: Patienten mit Verdacht auf Depressionen oder Schizophrenie landen meistens in der Psychiatrie. Jetzt zeigt sich: Dahinter stecken oft Angriffe des eigenen Immunsystems auf das Gehirn.
Autor: Von Michael Brendler
Zitat: Die Bedeutung von Gehirnentzündungen steigt. «Jedes Jahr kommen ein bis zwei neue Antikörper dazu», sagt Stephan Rüegg vom Universitätsspital Basel.

Im Artikel gibt es Sätze wie den folgenden: "Werden ihre Abwehrzellen durch eine virale Infektion aufgeputscht, könnte das die fatale Reaktion in Gang setzen, vermutet der Berliner Neurologe."

Ist doch krass! Der Satz könnte auch für MS stehen.

Depressionen sind häufig Autoimmunerkrankungen

W.W. @, Mittwoch, 16.05.2018, 23:13 (vor 96 Tagen) @ MO

Vergangenen Sonntag habe ich mit grossem Interesse einen Artikel in der "NZZ am Sonntag, 13.05.2018 Seite 53-54" gelesen.
Titel "Der Körper – mein intimster Feind"
Intro: Patienten mit Verdacht auf Depressionen oder Schizophrenie landen meistens in der Psychiatrie. Jetzt zeigt sich: Dahinter stecken oft Angriffe des eigenen Immunsystems auf das Gehirn.
Autor: Von Michael Brendler
Zitat: Die Bedeutung von Gehirnentzündungen steigt. «Jedes Jahr kommen ein bis zwei neue Antikörper dazu», sagt Stephan Rüegg vom Universitätsspital Basel.

Im Artikel gibt es Sätze wie den folgenden: "Werden ihre Abwehrzellen durch eine virale Infektion aufgeputscht, könnte das die fatale Reaktion in Gang setzen, vermutet der Berliner Neurologe."

Ist doch krass! Der Satz könnte auch für MS stehen.

Ich weiß nicht!? Es könnte auch ein schrecklicher Unsinn sein, dass man alles, was nicht so gut läuft, als Autoimmunkrankheit abtut - und in Wirklichkeit ist es manchmal dann doch das Leben, das kein Zuckerschlecken ist. Man versagt oft, wird verlassen, kommt nicht zurecht, wird übergangen, bleibt ungeliebt, ist ausgebrannt...

Ich habe einmal eine schwere und lange Depression erlitten, weiß aber immer noch nicht, ob es eine echte war, obwohl meine Frau und ein guter Freund, der Psychiater ist, davon überzeugt waren. Man sagt, wenn man eine wirkliche Depression gehabt hat, dann weiß man, was eine wirkliche Depression ist, genau so wie man sagt, wer eine echte Grippe gehabt hat, weiß, dass das keine Erkältung war...

Ich weiß nicht.:confused: Antidepressiva habe ich damals nicht genommen. Es wäre mir falsch vorgekommen! Ich bleibe dabei: Die MS ist keine Autoimmunkrankheit - und die DEpression auch nicht. Neurohormone und Immunsystem sind viel enger mit unserem Seelenleben verknüpft, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt.

W.W.

PS: Mein Freund ist immer noch mein Freund. Wir treffen uns jeden Mittwoch im Café.

Depressionen sind häufig Autoimmunerkrankungen

fRAUb, Donnerstag, 17.05.2018, 10:03 (vor 96 Tagen) @ W.W.

Vergangenen Sonntag habe ich mit grossem Interesse einen Artikel in der "NZZ am Sonntag, 13.05.2018 Seite 53-54" gelesen.
Titel "Der Körper – mein intimster Feind"
Intro: Patienten mit Verdacht auf Depressionen oder Schizophrenie landen meistens in der Psychiatrie. Jetzt zeigt sich: Dahinter stecken oft Angriffe des eigenen Immunsystems auf das Gehirn.
Autor: Von Michael Brendler
Zitat: Die Bedeutung von Gehirnentzündungen steigt. «Jedes Jahr kommen ein bis zwei neue Antikörper dazu», sagt Stephan Rüegg vom Universitätsspital Basel.

Im Artikel gibt es Sätze wie den folgenden: "Werden ihre Abwehrzellen durch eine virale Infektion aufgeputscht, könnte das die fatale Reaktion in Gang setzen, vermutet der Berliner Neurologe."

Ist doch krass! Der Satz könnte auch für MS stehen.


Ich weiß nicht!? Es könnte auch ein schrecklicher Unsinn sein, dass man alles, was nicht so gut läuft, als Autoimmunkrankheit abtut - und in Wirklichkeit ist es manchmal dann doch das Leben, das kein Zuckerschlecken ist. Man versagt oft, wird verlassen, kommt nicht zurecht, wird übergangen, bleibt ungeliebt, ist ausgebrannt...

Wo ist denn das Problem?

Fühlst Du Dich mal depressiv, läuft mit Dr. Oetker nichts mehr schief!

Die Lage ist sowas von grotesk, dass sie glatt einem Satiremagazin entsprungen sein könnte!
Auf der einen Seite, die jagenden Autoimmunhaie, auf der anderen Seite... Backpulver!

You made my day!
So lieb' ich diese Welt!

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Hast du ein Problem ?

naseweis ⌂ @, im meinem Paradies, Donnerstag, 17.05.2018, 10:17 (vor 96 Tagen) @ fRAUb

.
da fällt mir die berühmte Szene aus dem Film "Crocodile Dundee" ein:

"wenn bei uns einer ein Problem hat, geht er in die Bar, besäuft sich und erzählt es dem Wirt, der erzählt es allen anderen und dann ist es kein Problem mehr !" (sinngemäss aus der Erinnerung)

Nun ja,
ein Versuch wär es ja wert.

Drüber (Probleme) reden ist aber wichtig.
Deswegen gibt es wohl auch immer mehr Foren
da und dort und wo auch immer wird auch online immer mehr geplaudert.

Exkurs:
Henne oder Ei

Führt das Wirtshaussterben zu mehr Onlinegeplauder
oder führt das zunehmende Onlinegeplauder zum Wirtshaussterben

further studies . . .
(ggfs. auch alkoholfrei, wobei Alkohol durchaus in der Lage ist die Redebereitschaft zu erhöhen)

--
Disclaimer:
Ich sprech nur für mich, lass meine Gedanken raus, gebe keine Empfehlungen.
Jede(r) hat ihren/seinen eigenen Kopf, idealerweise zum DENKEN

Hast du ein Problem ?

Kabar, Donnerstag, 17.05.2018, 11:14 (vor 96 Tagen) @ naseweis

Wahrscheinlich hat jemand, der tief in einer Depression steckt,
keine Möglichkeit zu reden.
Wie war das damals bei Robert Enke?
So tragisch!
Teresa, seine Frau meinte, Wir dachten mit Liebe schaffen wir das!

Es endete jedoch tragisch!

Mein Vater hat nach jahrelangem Kriegseinsatz bestimmt eine Depression
mit nach Hause genommen.
Jahrelang konnten viele Kriegsteilnehmer nicht darüber reden, wir Kinder be-
merkten aber, wie er mit sich rang und die Ereignisse konnte er bestimmt nicht
verarbeiten.

Mich würde interessieren, was denn der Unterschied
zwischen depressiver Verstimmung und Depression ist?
Liegt da nur eine Zeitkomponente zugrunde?

Kann eine Depresion geheilt oder nur in Schach gehalten werden?

Hast du ein Problem ? Ja, es ist alles so komplex.

Boggy, Donnerstag, 17.05.2018, 12:22 (vor 96 Tagen) @ Kabar

Mich würde interessieren, was denn der Unterschied
zwischen depressiver Verstimmung und Depression ist?
Liegt da nur eine Zeitkomponente zugrunde?

Kann eine Depresion geheilt oder nur in Schach gehalten werden?

Früher hat man z.B. unterschieden zwischen "reaktiven" und "neurotischen" Depressionen auf der einen Seite (da ging man davon aus, daß eine Psychotherapie das geeignete Mittel sei), und schweren Depressionen = Psychosen, die wohl eher in den Bereich der Psychiatrie gehörten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Depression#Historische_Formen

Schon dies ist eine viel zu vereinfachende Sichtweise.
Wobei, wenn man sich den Wikipedia-Artikel ansieht, man ins Staunen gerät, wieviel unterschiedliche "Formen" der Deptression es angeblich gab/gibt;
so daß es fraglich ist, ob man das alles als "Depression" definieren kann.
Da erscheint mir "Depression" auch als Etikett, für alles, was man sonst nicht versteht.

Inzwischen wurden die Definitionen immer wieder mal verändert. Aus unterschiedlichen Gründen. U.a. gab es den Versuch, die Definition soweit auszudehen, daß man kaum noch traurig und bedrückt sein durfte, um nicht sofort als pathologisch eingestuft zu werden.

Kurzfassung: unter dem Begriff "Depression" wird z.Z. soviel Unterschiedliches verstanden;
es ist ein komplexes und kompliziertes Thema.
Das gilt genauso für die Behandlungsmöglichkeiten, sei es Psychotherapie und/oder Medikamente (bei denen ebenso viel umstritten ist).

Und bei allem wird manchmal vergessen, daß es auch eine natürliche Reakton des Menschen auf schwere Lebenssituationen ist, bedrückt, niedergeschlagen und düster zu sein. Ganz natürlich, und oft auch notwendig - als eine Form des Innehaltens und Neuorientierens.
Für mich wäre ein Leitfaden: wenn es zu leidvoll wird, zu aussichtslos erscheint, und zu lange andauert, dann würde ich mir (professionelle) Hilfe holen.

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Hast du ein Problem ?

W.W. @, Donnerstag, 17.05.2018, 13:20 (vor 96 Tagen) @ Kabar

Mich würde interessieren, was denn der Unterschied
zwischen depressiver Verstimmung und Depression ist?

Sie sprechen etwas an, was mich auch bewegt. Im Studium hat man mir das "triadische System" von Schneider/Jaspers eingebläut, dass es also nur 3 Arten von psychiatrischen Krankheiten gäbe:

1. die körperlich begründbaren Psychosen (z.B. Multi-Infarkt-Demenz, epileptsiche Wesensveränderungen),
2. die endogenen Psychosen (Schizophrenie und manisch-depressives Irresein) und
3. die abnormen Spielarten seelischen Wesens (Psychopathien, Neurosen und sexuelle Aberrationen wie z.B. die Homosexualität).

Ich habe das nie geglaubt! Vor allem eine Sache machte mir Schwierigkeiten: Gibt es nicht einen schleichenden Übergang vom manisch-depressiven Irresein (heute: bipolare Depression?) - monophasischen Depressionen - depressiven Neurosen - reaktiven Depressionen - depressiven Verstimmungen - Erschöpfungsdepression - burnout - Trauer über den Tod eines nahestehenden Menschen - Fatigue - Frühjahrsdepression ...

Ich glaube, das ist genau das Problem, dass sie ansprechen. Überspitzt gesagt meine ich, es gibt einen fließenden Übergang zwischen schweren ("echten") und leichtergradigen Depressionen (neurotische Depression, Erschöpfungsdepression, burn out). Komplizierend kommt -meiner Ansicht nach hinzu, dass es das Fatigue-Syndrom auf dem Boden vieler kleiner MS-Herde gibt, die das Gehirn durchsetzen wie die Löcher den Schweizer Käse. Kompliziert kann man das auch ein "partielles Diskonnektionssyndrom" nennen, also etwas, was nach der alten Nomenklatur eindeutig eine körperlich begfründbare Psychose wäre.

So kommt es, dass wir bei den Depressionen, die wir bei der MS kennen, zu einem wilden Gemisch körperlich, begründbaren, endogenen und lebensbedingten Ursachen kommt. Man kann bei einer MS depressiv sein, weil man mit der MS und der mit ihr verbundenen Befürchtug, es hänge ein Schwert an einem Zwirnsfaden über einem, nicht zurechtkommt, oder darunter leidet, dass der Lebensplan durcheinandergeworfen wurde, wenn man z.B. Kinder bekommen wollte, sich das aber mit der Krankheit bzw. den dagegen verordneten Medikamenten nicht mehr traut, oder sich nicht mehr traut eine Partnerschaft einzugehen, weil man meinbt, durch die MS unattraktiv geworden zu sein, oder weil man MS-bedigt seine Stelle verloren hat, oder ganz unabhängig von der MS ein Elternteil dement und pflegebedürftig geworden ist, oder (ebenfalls vermutlich unabhängig von der MS) der Ehemann säuft...

Ich persönlich glaube, dass auch der beste Psychotherapeut in diesem Gestrüpp von möglichen Ursachen die Übersicht verliert - und (wenn er nicht mehr weiter weiß) auf gut Glück SSRI verordnet.

Nur in einem bin ich mir sicher: Es keinen "Ort für Depressionen" im Gehirn, also keine Stelle, die, wenn sie von einem MS-Herd betroffen wird, zwangsläufig zu einer Depression führt.

W.W.

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Amy @, Donnerstag, 17.05.2018, 20:07 (vor 96 Tagen) @ W.W.

Mich würde interessieren, was denn der Unterschied
zwischen depressiver Verstimmung und Depression ist?


Sie sprechen etwas an, was mich auch bewegt. Im Studium hat man mir das "triadische System" von Schneider/Jaspers eingebläut, dass es also nur 3 Arten von psychiatrischen Krankheiten gäbe:


Nun Wolfgang, es ist dann doch schon eine ganze Weile her, dass du studiert hast...;-)

Über den Nutzen von weiterentwickelten Psychotherapiemethoden (es gibt inzwischen Methoden wie z.B. lösungsorientierte Kurzzeittherapie oder Arbeiten mit dem inneren Kind , um nur zwei zu nennen) möchte ich jetzt allerdings nicht nochmal diskutieren:-)

Welch Glück, dass ich sowohl gute Freunde habe, als auch vor vielen Jahren einen kompetenten Psychotherapeuten (meiner Generation) hatte.:-) , der mir als ich es brauchte weiterhelfen konnte.

Erstaunlich finde ich, dass du, was deine scheinbar ablehnende Haltung gegenüber Psychotherapie angeht sogar etwas mit Frau S. gemeinsam hast, der anonymen Königin der unmoderierten MS-Foren....;-)


Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich mit dir vor einiger Zeit diesbezüglich so eine Art Konsens herausdiskutiert und da ich mich ungern wiederhole, fange ich nun nicht wieder von vorne damit an.

Grüss mir deinen besten Freund, solche Menschen sind ein Geschenk, das es nicht auf Rezept gibt!:-) flowers

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Lore Ipsum @, Freitag, 18.05.2018, 16:28 (vor 95 Tagen) @ Amy

Nun, liebe Psychologin-Amy,

mir sind Menschen lieb, die die Dinge offen benennen und besprechen statt sich in Selbstbeweihräucherung, Andeutungen, Unvollendetem und Unausgesprochenem zu verlieren:

(...) möchte ich jetzt allerdings nicht nochmal diskutieren:-)

(...) und da ich mich ungern wiederhole, fange ich nun nicht wieder von vorne damit an.

(...) Grüss mir deinen besten Freund, solche Menschen sind ein Geschenk, das es nicht auf Rezept gibt!

Das Leben ist echt kein Wunschkonzert oder eine Zauberapotheke.

--
MS ist behandelbar, aber nicht heilbar.

Toll, dass hier dennoch so viel diskutiert wird, denn eigentlich gibt es nicht viel zu sagen über MS, ausser Sale Merde.

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Haben Sie ein Problem?

Amy @, Freitag, 18.05.2018, 19:52 (vor 95 Tagen) @ Lore Ipsum


Das Leben ist echt kein Wunschkonzert oder eine Zauberapotheke.

Jo,


das ganze Leben ist ein Quiz und wir sind nur die Kandidaten!


Urheber ist top secret;-) :-D ;-)

Tacheles:


Kann mir nur schwer vorstellen, dass sie mich lieb finden....


Sie können sich also in meinem Fall diese auf mich persönlich doch hohl wirkende "Anrede" getrost sparen;-)

siehe:
Hast du ein Problem? (Allgemeines)
Lore Ipsum @, Freitag, 18.05.2018, 16:28 (vor 3 Stunden, 26 Minuten) @ Amy

Nun, liebe Psychologin-Amy,

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Haben Sie ein Problem?

Lore Ipsum @, Freitag, 18.05.2018, 20:12 (vor 95 Tagen) @ Amy

das ganze Leben ist ein Quiz und wir sind nur die Kandidaten!


Urheber ist top secret;-) :-D ;-)

HaPe Kerkeling vielleicht :-D

Tacheles:


Kann mir nur schwer vorstellen, dass sie mich lieb finden....

Stimmt.

Sie können sich also in meinem Fall diese auf mich persönlich doch hohl wirkende "Anrede" getrost sparen;-)

Gerne. :-)

siehe:
Hast du ein Problem? (Allgemeines)
Lore Ipsum @, Freitag, 18.05.2018, 16:28 (vor 3
Stunden, 26 Minuten) @ Amy

Nun, liebe Psychologin-Amy,

--
MS ist behandelbar, aber nicht heilbar.

Toll, dass hier dennoch so viel diskutiert wird, denn eigentlich gibt es nicht viel zu sagen über MS, ausser Sale Merde.

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