Die MS ist eine MS ist eine MS ist eine MS? (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 14.05.2018, 10:07 (vor 156 Tagen)

Die einen sagen, die MS sei eine Krankheitsentität. Es gäbe also im Grunde genommen nur eine MS. Die anderen sagen, die Diagnose MS sei ein Sammeltopf von mindestens 4 MS-Subtypen, also ein Gemisch von Krankheiten ganz unterschiedlicher Ätiologie, die einen seien erregerbedingt, die anderen Autoimmun-Krankheiten, die dritten degenerativ oder toxisch.

Es gibt auch noch eine dritte Gruppe, die behauptet, eine MS sei manchmal gar keine MS, sondern z.B. eine Borreliose.

Meiner Ansicht nach geht also viel durcheinander: Gibt es eine und nur eine richtige MS? Gibt es Subtypen? Wie ist das mit den Fehldiagnosen?

Ich glaube, die MS-Forscher-Gemeinde ist sich selbst nicht ganz einig. Gibt es eine offizielle Meinung der DMSG? Wen könnte man fragen?

W.W.

PS: Nach meiner Erfahrung ist es so: Es gibt eine und nur eine MS, die klar definiert ist. Auch die PPMS gehört in diese Gruppe. Dass eine MS mit anderen Krankheiten verwechselt wird (zervikale Myelopathie, Syringomyelie...) kommt vor, ist aber relativ selten. Noch seltener ist es, dass bei jemandem eine MS diagnostiziert wird, er aber in Wirklichkeit eine Borreliose hat. Ich glaube sogar, dass das praktisch nicht vorkommt!

Das ist das eine. Das andere ist, dass ich nicht an die Subtypen der MS glaube. Es macht meiner Ansicht nach wenig Sinn, eine Krankheit, deren Ursache man nicht kennt, in 4 verschiedene Subtypen aufzuteilen.

Das ist so, als würde von einen belebten Planeten entdecken und bevor man überhaupt Näheres über ihn weiß, darüber spekulieren zu wollen, ob er von weißen, roten, schwarzen oder gelben Lebewesen bevölkert wird, und ob es Insekten, Fische oder Säugetiere sind.

Erst einmal müssen wir die Ursache der MS finden, und erst im nächsten Schritt kann es sinnvoll sein, diese Hauptursache in Unterursachen aufzuteilen. Wenn man das nicht tut, entsteht ein heilloses Durcheinander, so, als würden die einen behaupten, die Ursache der Tuberkulose seine Tuberkelbazillen, und die anderen, es seien Armut, Unterernährung und mangelnde Hygiene.

Die MS ist eine MS ist eine MS ist eine MS?

moritz, Montag, 14.05.2018, 14:42 (vor 156 Tagen) @ W.W.

glauben sie wirklich, dass es tuberkulose ohne tbc-erreger gibt?:no:

Die MS ist eine MS ist eine MS ist eine MS?

W.W. @, Montag, 14.05.2018, 15:25 (vor 156 Tagen) @ moritz

Nein, das glaube ich nicht! Aber Ihre Antwort ist interessant. Sie zielt auf die conditio sine qua non. Wenn es eine Ursache gäbe, ohne die es die Tuberkulose nicht geben würde, dann ist es sicher der Tuberkelbazillus.

Damit scheint es einfach und das Problem gelöst zu sein: Die Ursache ist die conditio sine qua non - im Gegensatz zu den Risikofaktoren und der Pathogenese.

Gibt es aber für die MS einen Faktor, ohne den die MS gar nicht entstehen kann? Also ein Virus oder ein Bakterium wie bei der Tuberkulose?

Nehmen wir an, die gesuchte Ursache wäre ein Vitamin D-Mangel. Dann hätte man also scheinbar die Ursache der MS gefunden. Aber vielleicht hätten auch die Recht, die sagen würden, die Ursache der MS ist der Aifenthalt in geographischen Breiten, wo die Sonne selten scheint. Oder wenn jemand gezwungen ist, in sonnenlichtgeschützten Räumen wie Kellern oder Bergwerken zu arbeiten? Oder wenn es eine verrückte Mode vorschreibt, dass vornehme Menschen die Sonne meiden wie die Pest?

Diese Lebensweise, die zu einem Mangel an Sonnenlicht führen, sind also eher Risikofaktoren, d.h. Ursache und Risikofaktoren können eine Menge miteinander zu tun haben. Das ist die Verbindung, nach der ich gesucht hatte! Ich danke Ihnen.:-)

W.W.

Die MS ist eine MS ist eine MS ist eine MS?

galadriel, Freitag, 18.05.2018, 16:36 (vor 152 Tagen) @ W.W.

Nehmen wir an, die gesuchte Ursache wäre ein Vitamin D-Mangel. Dann hätte man also scheinbar die Ursache der MS gefunden. Aber vielleicht hätten auch die Recht, die sagen würden, die Ursache der MS ist der Aifenthalt in geographischen Breiten, wo die Sonne selten scheint. Oder wen


dieser u.a. Doc hat für mich sehr gute Denkansätze geschrieben....
LG Galadriel:heelsr:

[26.03.2018, 18:15:27]
Dr. Thomas Georg Schätzler
MS - zahlreiche Ungereimtheiten!
Wenn Norwegen mit seiner nahezu lückenlosen Erfassung von Morbidität, Mortalität und Arzt-Inanspruchnahme-Profilen bzw. seinen zum 1.1.2017 überschaubaren 5.258.317 Bewohnern (weniger als die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg!) rund 210 Patienten pro 100.000 Einwohner mit Multipler Sklerose (MS=Enzephalomyelitis disseminata) inzident zählt, läge die MS-Inzidenz in Deutschland und seinen 82,5 Millionen Bewohnern zum 31.12.2016 https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/01/PD18_019_12411.html
bei 173.250 Personen mit MS.

Nimmt man die höchsten Zahlen im etwa 3.000 km südlicheren Italien je nach Region von 230 bis 300 MS-Kranken pro 100.000 Einwohner an, käme man in Deutschland auf maximal 247.500 MS-Kranke und zwar völlig unabhängig vom GKV- oder PKV-Versicherungsstatus!

Die Zahlen des im Dezember 2017 aktualisierten Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung sind dagegen unbrauchbar. Danach wurden gar nicht unterschieden, ob die nach ICD-10 GM G35-G37 Demyelinisierende Krankheiten des Zentralnervensystems
G35.- Multiple Sklerose [Encephalomyelitis disseminata]
G36.- Sonstige akute disseminierte Demyelinisation
G37.- Sonstige demyelinisierende Krankheiten des Zentralnervensystems kodierten MS-Diagnosen mit G wie "gesichert", V wie "Verdacht auf", A wie "Ausschluss von" oder Z wie "Zustand nach" verifiziert und kodiert wurden.

Dass im Jahr 2015 insgesamt 223.000 gesetzlich Versicherte in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgrund einer MS behandelt wurden, und die privat Krankenversicherten der PKV noch hinzu addiert werden müssten, erscheint kaum nachprüfbar.

Dass sich manche schwer zu diagnostizierende und präklinisch selten manifeste bzw. fehlgedeutete Erkrankungen "in Deutschland innerhalb von vier Dekaden verdoppelt" haben könnten, was einer jährlichen Steigerung um 2,5 Prozent entspricht, ist keineswegs ungewöhnlich: Die multiple Sklerose (MS) wurde von den Nervenärzten bereits im 19.Jahrhundert als das diagnostische und nosologische Chamäleon der neurologischen Erkrankungen bezeichnet.

Bleiben noch die Vitamin D- und die Umwelt-Theorie: Warum gibt es dann ein offensichtliches Süd-Nord-Gefälle? In Sonnen- und Vitamin-D-ärmeren, gering besiedelten und relativ "sauberen" Nord-Regionen weniger MS, als in Vitamin-D-reicheren, dichter besiedelten und umweltverschmutzten Süd-Regionen?

Wie passt das zusammen?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Die MS ist eine MS ist eine MS ist eine MS?

Doro @, Montag, 14.05.2018, 15:14 (vor 156 Tagen) @ W.W.


PS: Nach meiner Erfahrung ist es so: Es gibt eine und nur eine MS, die klar definiert ist. Auch die PPMS gehört in diese Gruppe. Dass eine MS mit anderen Krankheiten verwechselt wird (zervikale Myelopathie, Syringomyelie...) kommt vor, ist aber relativ selten. Noch seltener ist es, dass bei jemandem eine MS diagnostiziert wird, er aber in Wirklichkeit eine Borreliose hat. Ich glaube sogar, dass das praktisch nicht vorkommt!

Fehldiagnosen kommen sogar recht häufig vor.

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/911838/verwechslungsgefahr-viele-ms-dia...

Doro

--
"Lerne zuhören, und du wirst auch von denjenigen Nutzen ziehen, die nur dummes Zeug reden." Platon

Die MS ist eine MS ist eine MS ist eine MS?

W.W. @, Montag, 14.05.2018, 15:27 (vor 156 Tagen) @ Doro

Fehldiagnosen kommen sogar recht häufig vor.

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/911838/verwechslungsgefahr-viele-ms-dia...

Ich muss mich entschuldigen!:-( Ja, es kommt häufig vor, dass man eine MS lange Jahre als Neurose verkennt!!!

W.W.

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